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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Neue Entdeckungen zur Entstehungsgeschichte der Oder
Neumärkische Zeitung    14. Juli 1931

Von Professor O. Baschin, Berlin

Brandenburg wird in ost- westlicher Richtung von breiten Talniederungen durchzogen, die quer über die heutigen Gewässernetze hinwegziehen und offenbar von den gewaltigen Wassermassen geschaffen wurden, die zur Eiszeit durch Abschmelzungen der langsam nach Norden zurückweichenden Gletschermassen entstanden, welche von Skandinavien kommend durch die Ostsee bis weit nach Norddeutschland hinein vorgedrungen waren.
Eines dieser so genannten Urstromtäler verläuft von Warschau her durch das mittlere Warthetal über das Oderbruch, den westwärts verlaufenden Teil der Oder, Spree und Havel zur Elbe und wird gewöhnlich als das Warschau- Berliner- Haupttal bezeichnet. Ein zweites ist das nördlicher gelegene Thorn- Eberswalder Haupttal.
Beim weiteren Rückzug des Eises erzwang sich dann dieser Urstrom einen  Durchbruch nach Norden zur Ostsee. So erklärt sich jene eigentümliche fast rechtwinklige Umbiegung der unteren Oder östlich von Oderberg, die auch in der Art ihrer Entstehung große Ähnlichkeit mit dem ebenso gestalteten Knick des Weichsellaufes östlich von Bromberg aufweist. Dem Privatdozenten an der Berliner Universität, Dr. H. Louis, ist es nun gelungen, noch weitere Einzelheiten über die Talgeschichte der mittleren und unteren Oder zu ermitteln. Wie er in der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin mitteilte, fand er nördlich von Frankfurt im Oderbruch und im unteren Odertal an zahlreichen Stellen Ablagerungen, die sich als Uferbildungen eines mächtigen vom Eise aufgetauten Sees erwiesen, dessen Spiegel im Oderbruch 32 Meter über dem Meere gelegen haben muß. Bei Schwedt ergoß sich durch das Tal der Randow in diesen Stausee ein von Norden kommender Schmelzwasserstrom und schüttete ein Delta auf, das jedoch nur 15 Meter über dem Meere liegt. Da es ausgeschlossen ist, daß der Wasserspiegel desselben Sees an einer Stelle 32, an einer anderen 15 Meter hoch liegt, so bleibt nur übrig anzunehmen, daß sich der Boden des Landes damals schräggestellt hat, indem eine Senkung nach Nordosten hin eintrat, die auf 50 Kilometer Entfernung 25 Meter betrug. Derartige Schiefstellungen sind auch in Mecklenburg schon nachgewiesen worden, und Dr. Louis konnte die Ansicht begründen, daß die Verbiegung der Erdkruste an der unteren Oder bereits während der Existenz des Sees begonnen hat.