Der Verein für Geschichte der Neumark in Zielenzig
Neumärkische Zeitung 13. Mai 1930
Es sind immer Erlebnisse, die Fahrt des Vereins für Geschichte der Neumark, sie weiten den Blick und lassen die Liebe zur Heimat tiefer und stärker werden. Auch die diesjährige Frühjahrsfahrt nach dem Städtchen Zielenzig wurde für jeden, der daran teilnahm, zu einem Erlebnis.
Am Sonntag früh um 7 Uhr ging die Reise in einem Postauto vom Schießgraben aus los. Wieder lag die Führung und Leitung in den bewährten Händen von Studienrat Dr. Heidrich, der es ganz besonders versteht, die Fahrten interessant und vielseitig zu gestalten. Durch lockendes Frühlingsland ging die Fahrt, vorbei an vielen Feldern und durch dunkle, ernste Wälder zunächst bis zum Städtchen Königswalde. Die Stadt, die einfach entzückend zwischen von Wäldern umrahmtem See träumt, wurde zu Fuß durchwandert. Dann ging es wieder im Postauto weiter über hohe Berge und durch tiefe Täler Zielenzig entgegen. Schon diese Fahrt zeigte, wie schön die Neumark und besonders das Sternberger Land ist. Laub und Nadelwälder, dazwischen ein See, ein paar Häuschen, in der Ferne eine Kirchturmspitze, Berge und flaches Land wechseln in bunter Folge und bieten dem Auge immer neue Reize und Naturschönheiten.
Und dann Zielenzig. Tief unten in einem Tal liegt das 6000 Einwohner zählende Städtchen, umrahmt von Feldern und wohlgepflegten Gärten. Hohe bewaldete Berge umgeben es und halten treue Wacht. Im Kreistagssitzungssaal sprach Landrat Lindenberg herzliche Worte der Begrüßung und betonte dabei, daß früher auf dem Platz des Kreishauses eine Holzburg gestanden habe. Dann zeigte der Landrat die Anfänge des Heimatmuseums. Es ist noch nicht viel, was hier zusammengetragen ist, aber alle Stücke, die vorhanden sind, sind außerordentlich wertvoll und gestatten einen Einblick in das Leben und Treiben der Menschen vor 1000 und noch mehr Jahren. Die Gründung der Stadt Zielenzig fällt in das Jahr 1241. Zunächst war es der Malteserorden, der die Stadt zur Entwicklung brachte. Ihre Nachfolger wurden die Johanniter, die der Stadt bis in die heutige Zeit ihren Stempel aufgedrückt haben. Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Stadt Zielenzig und des ganzen Kreises ist bedenklich. Auf der einen Seite ist es die Landflucht und auf der anderen Seite sind es die mangelhaften Verkehrsstraßen, die die Wirtschaftslage von Tag zu Tag verschlechtern. Mit aufrichtigem dank schieden die Teilnehmer der Fahrt vom Landrat.
Nach einer kurzen Frühstückspause wurde der ausgezeichnet arbeitenden Gärtnerei von Robert Handtke ein Besuch abgestattet; jeder Teilnehmer erhielt ein Sträußchen Maiblumen. Dann wurde das freundliche, schlichte Städtchen besichtigt, das auf alle einen günstigen Eindruck machte.
Am Nachmittag - das Mittagessen wurde im „Weinberg“ eingenommen - wurde das Schmuckkästchen Zielenzigs, die Kirche besichtigt. Regierungsbaurat Dr. Berger - Schäfer, Frankfurt (Oder) und Superintendent Järichow sprachen über die Entwicklung und besonders über den sehenswerten Altar, der ein einzigartiges Kunstwerk darstellt und für dessen Renovierung (Vergoldung) der Kaiser im Jahre 1900 rund 10 000 Mark gestiftet hatte.
Im Anschluß an die Besichtigung wurde zum Stadtwaldrestaurant gefahren, wo bereits ein freundlicher gedeckter Kaffeetisch die Gäste erwartete. Spaziergänge zum Bürgersee und zum roten Fließ beschlossen den Ausflug. Am späten Abend kehrte der Verein wieder nach Landsberg zurück, die Herzen voll Dank über das Gesehene und Gehörte. -Frn.-