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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Vorgeschichte im Kreise Bomst
Neumärkische Zeitung    17. August 1929

Weitere Forschung

Am 5. August 1929 wurde die Untersuchung des germanischen Gräberfeldes bei Bomst abgeschlossen, da die Grenzen erreicht waren. Insgesamt wurden 55 Funde aufgedeckt. Das Fundmaterial wird der Landessammlung in Schneidemühl überwiesen und dort nach Aufarbeitung in einer Ausstellung zu besichtigen sein. Das Bomster Gräberfeld hätte die Kenntnis von den germanischen Vorfahren unserer Heimat freilich weit mehr bereichert, wenn nicht die im Jahre 1926 aufgefundenen Gefäße zum größten Teil in brutaler Weise durch Steinwürfe von Jugendlichen zerstört worden wären. Wahrscheinlich haben die Betreffenden nicht gewußt, daß sie sich wegen Fundunterschlagung, Fundzerstörung strafbar machten. Man sollte doch mehr Achtung vor den Zeugnissen und Urkunden der Vergangenheit haben, sind sie doch die einzigen Wegweiser, nach denen wir uns zu den eigentlichen Wurzeln unseres Volkstums zurücktasten können. Seit dem 6. August 1929 werden in Groß- Posemuckel bei Bomst auf dem Acker des Besitzers Czukala unter Leitung des Vertrauensmannes der Provinz Dr. Holter (Schneidemühl) Untersuchungen an dem großen bronzezeitlichen Gräberfelde vorgenommen. Im vorigen Jahre wurde dort auf eine Meldung des Besitzers hin durch den Vertrauensmann des Kreises, Dobrindt (Großdorf), unter Mitwirkung der Herren Härtek (Karge) und Wusowski (Groß- Posemuckel) eine Reihe von Gräbern durch Rettungsgrabungen geborgen. Die gegenwärtige Untersuchung, eifrig gefördert durch den Landbesitzer und die Herren Wusowski, erbrachte Funde aus der jüngeren Bronzezeit. Das gesamte Feld ist in der letzten Hälfte des 2. und in der ersten Hälfte des 1. vorchristlichen Jahrtausends mit Grabstätten belegt worden. Der Beginn der Anlage fällt etwa in die Zeit des 40. Jahres vor uns. Der Inhalt der Gräber zeichnet sich durch bemerkenswert schöne Gefäßformen aus, die von seinem Stilempfinden der damaligen Menschen zeugen. In jener Zeit wurden innerhalb dieses Kulturkreises die Toten verbrannt. Wahrscheinlich ist diese Sitte aus diesem Kulturkreise später den Germanen übermittelt worden, die bis dahin Körperbestattung pflegten. Die Träger dieser Kultur, deren Hinterlassenschaft in Posemuckel gefunden wurde, waren keine eigentlichen Germanen, sondern ein wahrscheinlich indogermanisches Volk, das im Verlauf der Bronzezeit eine der beachtenswertesten Kulturen der Bronzezeit in Mitteleuropa geschaffen hat. Gegen Ende der Bronzezeit können wir bei dieser Kultur Auflösung und Verfall (Kulturtod) beobachten. Sie erlischt, wie die ägyptische, griechische und römische Kultur verging. Anschlüsse an geschichtlich bekannte Völker sind nicht zu finden. Nach dem Gebiet, in dem sie zum ersten Male bekannt und näher erforscht wurden, nennt man sie Lausitzer Kultur. Sie heißt auch, nach ihrem Volksstamm bezeichnet, Kultur der Illyrer. Doch liegen da nur anzweifelbare Überlieferungen vor. Wir kennen genau ihre Verbreitung, Entwicklung und Dauer und wissen ebenso gewiß, daß nicht Germanen, aber auch keinesfalls die Slaven ihre Träger waren. Bemerkenswert war unter den Fundgegenständen besonders eine kleine Kinderurne mit zarten Knöchelchen, sorgfältig mit dem Boden eines größeren Gefäßes zugedeckt. Im Gefäß mit Leichenbrand war ein kleines Beigefäß, wahrscheinlich sein ehemaliges Spielzeug, mit Speise gefüllt, beigegeben. Überhaupt ist in der Lausitzer Kultur eine hingebungsvolle Anteilnahme am letzten Weg des Hingeschiedenen zu beobachten. Man kann oft eine ganze Anzahl von Beigefäßen antreffen, die liebende Hände einst um die Aschenurne stellten. Der Erhaltungszustand der Gefäße auf dem Gräberfelde ist leider nicht mehr gut zu nennen. Ein großer Teil ist infolge der intensiven Beackerung des Bodens im Laufe der Zeit der Zerstörung zum Opfer gefallen und konnte daher nur in Scherben geborgen werden. Immerhin sind bis jetzt 31 Grabstellen abgebaut und vor weiterer Zerstörung gesichert. Einige dieser Gräber werden in der erwähnten Landessammlung in Schneidemühl wieder aufgestellt werden.