Vorgeschichtliche Funde im Kreise Flatow
Neumärkische Zeitung 20. Dezember 1929
In den letzten Tagen fanden in Radawnitz und in Lugetal (Kreis Flatow) durch den staatlichen Provinzialvertrauensmann amtliche Ausgrabungen statt. In Radawnitz hatte Besitzer Will beim Sand fahren größere Steine entdeckt, die er für vorgeschichtliche Gräber hielt. Leider werden in den meisten Fällen solche Anlagen in gesetzwidriger Weise aus Mutwillen oder Neugier zerstört. Besitzer Will aber, der ein großes Interesse für die Sachen bekundet, ließ die Stelle unangetastet und meldete sie den zuständigen Behörden, so daß insgesamt fünf Steinkistengräber aufgedeckt werden konnten. Die Anlage war außerordentlich gut erhalten. Die eigentliche Grabkiste hatte rechtwinklige Wände, am Grunde ein Steinpflaster, und war in allen Fällen mit einem Mantel von Geröllsteinen umgeben. Der Inhalt ergab frühgermanische Urnen aus der ersten Hälfte des vorchristlichen Jahrtausends. Bei einer Kiste fehlte ein Wandstein, obwohl sie sonst vollständig war. Spuren eines späteren Eingriffs ließen sich nicht feststellen. Man muß also annehmen, da auch anderwärts schon leere Steingrabanlagen gefunden worden sind, daß es sich um eine Grabanlage handelt, die der betreffende Erbauer für sich selbst schon bei Lebzeiten angelegt hat. Es ist dies nicht verwunderlich, da diese schönen Plattensteine, die gewöhnlich zum Kistenbau verwandt worden sind, nicht allzu häufig sind. Man hat sie wahrscheinlich nach und nach zusammengetragen. Eine Flurbegehung durch den Vertrauensmann ergab noch weitere Streufunde auf den benachbarten Höhen und Äckern, die beweisen, wie außerordentlich dicht die germanische Besiedlung in damaliger Zeit gewesen sein muß. Am Abhang einer Kiesgrube, nicht weit entfernt von der Ausgrabungsstelle, konnten die Reste eines Steinkistengrabes und einer Urne festgestellt werden, die von mutwilliger Zerstörung zeugten. In den Kisten befanden sich fein geformte und verzierte Gefäße. Der Besitzer Will hat sich durch seine lebhafte Anteilnahme an der Grabung ein Verdienst um die Erforschung der Vorgeschichte seiner Heimat erworben.
In Lugental haben schon vor einigen Jahren Ausgrabungen stattgefunden. Der Besitzer Affeldt geriet beim Mietegraben auf 2 Steinkistengräber, die er sofort meldete. Aus der einen konnten 2 wohlerhaltene Urnen geborgen werden. Bei einem Grabe, anscheinend einer Frauenbestattung, hat interessanterweise ein Wandstein aus dem Rest eines größeren, steinernen Mahltroges bestanden. Man kannte damals noch nicht rotierende Mühlsteine, sondern man zerrieb und zerquetschte das Korn in einer trogartigen, flachen Steinmulde mit einem Reibstein. Der Besitzer Affeldt ist als ein Freund der Vorgeschichtsforschung bereits bekannt. Er trug dazu bei, daß wieder einmal Reste aus der frühen Eisenzeit der frügermanischen Kultur entdeckt werden konnten. Am 10. Januar soll in Schneidemühl die prähistorische Landessammlung im Reichsdankhaus eröffnet werden. Es sei schon jetzt darauf hingewiesen, daß dort, trotz der kurzen Zeit amtlicher Vorgeschichtsforschung, ein recht vollständiges Bild über die prähistorischen Völker und Kulturen gezeigt werden kann.