Ein großes germanisches Gräberfeld in Bomst
Neumärkische Zeitung 3. August 1929
Es wird manchen noch erinnerlich sein, daß 1927 bei der Anlage des Sportplatzes Urnengräber gefunden worden sind. Die Meisten, rund 50 an der Zahl, sind damals von der Unachtsamkeit zerstört, so daß das Fundmaterial wenig Aufschluß zu geben vermochte. Es ist bedauerlich, daß immer wieder Hinterlassenschaften des vorgeschichtlichen Menschen als Beuteobjekt betrachtet werden. Gold, Geschmeide oder gar Geld wird in den Urnen vermutet. Bald ist man überzeugt, daß solche Annahmen irrtümlich sind, und der Enttäuschte wird blind zerstören. Vielfach wird auch durch Liebhaberei und aus Sammelwut manche Urkunde, die zwar stofflich wertlos, aber Wissenschaftlich wertvoll ist, der Forschung entzogen. Dadurch wird mancher unersetzlicher Baustein zum Bau der Geschichte unserer Heimat unterschlagen. Seit dem 29. Juli d. Jahres sind nun unter Leitung des amtlichen Vertrauensmanns der Provinz, Dr. Friedrich Holter -Schneidemühl- und unter praktischer Mitwirkung des Kreisvertrauensmannes Dobrindt -Großdorf- und Härtel -Karge- Untersuchungen an der Fundstelle im Gange, die mit wissenschaftlicher Methode und unter Anwendung aller technischer Hilfsmittel vor sich gehen. Es konnten bis zum 1. August 40 Gräber und deren Restanlagen aufgedeckt werden. Anerkennenswert ist die tatkräftige Unterstützung die Bürgermeister Dickmann -Bromst- der Forschungsarbeit zuteil werden läßt. Soweit die Untersuchung der noch unerschlossenen Gefäße und der Grabanlagen im Felde erfolgen konnte, steht zunächst als Ergebnis fest, daß es sich um germanische Funde des 2. bis 4. Jahrhunderts nach Christi Geburt handelt. Näheren Aufschluß wird die fachmännische Bearbeitung ergeben. Wahrscheinlich sind die Angehörigen zweier germanischer Völker an der Belegung dieses Bestattungsplatzes beteiligt. Nordländer sind es, die vor Beginn der großen geschichtlichen Völkerwanderung hier Land nahmen: Vandalen, deren Urheimat auf der jütischen Halbinsel, im heutigen Dänemark, zu suchen ist, und Burgunder, die von Burgundarholm, der heutigen Ostseeinsel Bornholm, gekommen sind. Die genauen Untersuchungsergebnisse werden später mitgeteilt werden. An Fundgegenständen sind bisher Urnen, verschiedenster Form mit und ohne Verzierung von gröberer und feinerer Art beobachtet worden, weiterhin im Leichenbrand enthaltene Beigaben aus Bronze, Glas und Eisen, z.B. Fibeln (Gewandnadeln), eiserne Beschlagreste, bunte Glasperlen, Spinnwirtel u.a. Aus der Form dieser Kleingeräte läßt sich, weil die Mode ihr Spiel mit ihnen trieb, Zeitstellung und Entwicklung des Fundstoffes ermitteln. Zu der Bestattungssitte sei mitgeteilt, daß man damals den Toten, angetan mit seinen Gewändern, auf einem Scheiterhaufen unter feierlichem Ritus verbrannte. Aus der Asche wurden Knochenteile sorgsam herausgelesen, im Bedarfsfalle zerkleinert und gewaschen und dann entweder in eine Urne oder in Beutelchen aus Linnen oder Leder gefüllt, dem Boden anvertraut. Man kann Urnen-, Brandgruben- und Brandschüttungsgräber auf dem Bestattungsplatz unterscheiden. Mit den Ergebnissen der Ausgrabung haben wir den Beweis in den Händen, daß unserer Heimatboden im 2. bis 4. Jahrhundert nach Christe Geburt schon germanischer Volksboden war.