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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Vom Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem
Neumärkische Zeitung  12. Juni 1932

Ein Vorwort zum Ritterschlag         Sonnenburg, 11. Juni
Am 24. Juni wird auch diesmal wieder, wie in früheren Jahren, in der alten Ordensstadt Sonnenburg der feierliche Ritterschlag vollzogen werden. Manch einem wird die Bedeutung des Johanniterordens, wie er heute kurz genannt wird, nicht geläufig sein, er wird daher leicht geneigt sein, ihn für überflüssig zu halten, ihn gar als eine überlebte adelige Spielerei ansehen, damit aber tut man diesem Orden bitter unrecht, denn der Johanniterorden ist eine Vereinigung von Männern, die im Bestreben dem Volkswohl zu dienen, dieses Bestreben fortlaufend in die Tat umgesetzt haben.
In dem Gelübde, das der Rechtsritter im Johanniterorden abzulegen hat, muß er bekennen: „daß er den Kampf gegen den Unglauben, den Dienst und die Pflege der Kranken, als Zweck des Johanniterordens anerkennet.“ Diesem Zweck ist der Johanniterorden in über 800 Jahren seines Bestehens bis auf heute vollauf gerecht geworden.
In den Kreuzzügen hatte sich die Gründung von Krankenhäusern im Heiligen Lande als erforderlich gezeigt und unter diesen genoß  einen besonderen Ruf das Spital St. Johannis zu Jerusalem. Die Brüder dieses Spitals widmeten sich zunächst ausschließlich der Krankenpflege, erst später erwies es sich als notwendig, die Brüder in Ritter, die für das Christentum kämpfenden und das Spital schützten und Brüder, welche der Krankenpflege oblagen, zu gliedern. Die Jahrhunderte hindurch aber blieb der oben angeführte Zweck der rote Faden jeder Handlung der Ordensbrüder und ihrer Leitung. So entstanden an vielen Orten, wo sich eine Krankenpflege als besonders notwendig erwies, Krankenhäuser dieses Ordens, besonders waren solche Orte da zu suchen wo Heere zusammenströmten. Auch in heutiger Zeit noch werden mit Mitteln des Ordens, die aus Beiträgen und Spenden der Ritter zusammenkommen, Krankenhäuser unterhalten. Vom Kriege her wird noch mancher verwundete sich dankbar der Lazarettzüge und der Lazarette dieses Ordens erinnern.
Nach einer Übersicht des Johanniterordens in seinem Ordensblatt vom April 1931, besitzt der Orden im Jahre 1930 58 Siechen- und Krankenhäuser.
Hiervon liegen außerhalb Deutschlands neun, und zwar fünf in Polen, zwei in den Niederlanden, eins in Südwestafrika und eins in Jerusalem. Von den in polnischen Händen befindlichen Häusern nimmt eins keine Kranken mehr auf, aus einem sind die Schwestern des Ordens verdrängt worden. Das Hospital in Jerusalem ist in ein Fremdenhospiz umgewandelt und das in Südwestafrika an eine englische Hospitalboard verpachtet.
 Von den über ganz Deutschland verstreut liegenden Spitälern sind vier an andere Körperschaften verpachtet und eins in ein Altersheim umgewandelt. Die übrigen sind für die Krankenpflege unter Leitung des Ordens verfügbar.
Im Jahre 1930 wurden in den Ordensanstalten verpflegt 40 900 Personen mit 1 245 747 Verpflegungstagen. Die Zahl der Kranken setzte sich zusammen aus 18 194 Männern, 16 655 Frauen und 6051 Kindern. Geheilt wurden hiervon 35 227 Personen, ungeheilt oder nur gebessert 1424 entlassen. Es starben 1830 und 2419 Personen verblieben am Schluss des Jahres noch in Pflege.
Aus den kurzen, aber für sich sprechenden Zahlenangaben ist also jedem ersichtlich, welchen Segen dieser Orden auch heute noch durch die Einhaltung seines Ordensgelübdes stiftet.       -v.Z.-