Aus den Glanztagen der Ordensstadt Sonnenburg.
Neumärkische Zeitung 20. Oktober 1926
Fürst Moritz von Nassau, der dem Herrenmeistertum von 1652 bis 1679 vorstand, ein seltener Mann mit weitschauenden Blick, dessen Herz von heißer Liebe zu seinen Mitmenschen erfüllt war, pflanzte einst Lindenbäume zu beiden Seiten des so genannten Fürstenweges, der vom Schlosse an dem jetzigen Postenkanal entlang bis Limmritz führte. Außer den Linden sind noch die gewaltigen Eichen in der Nähe der „Quelle“ Zeugen von dem segensreichen Wirken diese edlen kunstverständigen Fürsten. Nach wohlerdachten Plane hatte er das von den Schweden im 30 jährigen Kriege zerstörte Ritterschloß wieder aufbauen lassen, und zwar so, daß sich nach allen Seiten ein schöner freier Ausblick in die weite Landschaft bot. Wo jetzt herrliche grünende Wiesen die Seele des Wanderers ergötzen, gab es damals noch dichte, fast undurchdringliche Urwälder, von zahlreichen Wasserarmen durchschnitten. Auch allerlei Wild war vorhanden, Bären, Wölfe, Luchse, Hirsche und Rehe, Wildgänse und - Enten belebten die Gegend. Fürst Moritz von Nassau liebte das Weidwerk. Wochenlang hielt er sich deshalb in seinem geliebten Sonnenburg den Sommer hindurch auf. Für die Bewohner des Städtchens waren das unvergeßliche, schöne Tage, wenn der große Jagtaufbruch erfolgte. Der weite Platz vor dem Schlosse war von Bürgern dicht besetzt. Junge und Alte, Kinder und Greise waren herbeigeeilt. Unmittelbar vor der Einfahrt standen die Fischer und Zünfte, dem Fürsten ihre Huldigung zu erweisen. In einiger Entfernung hielten sich die Treiber und die Jäger mit der Meute auf. Frohe Erwartung beseelte die Herzen der Menge. Da, plötzlich stieß der Leibjäger in das Jagdhorn, das hell erklang. Das breite Schloßportal öffnete sich, und von dem Volke freudig umjubelt, trat Fürst Moritz von Nassau im glänzenden Jagdgewande heraus auf die Freitreppe. Mit freundlichen Worten begrüßte er die Fischer und Zünfte sowie die Bürger der Stadt. Bei lautem Hörnerklang ging’s dann auf die Jagd, den Fürstenweg entlang. reich war die Beute: Am Moritzberg bei Limmritz ertönte das Halali. Die Jagt war zu Ende. Nach Einnahme des Frühstücks am Moritzstein kehrte der Fürst nebst seinem Gefolge zurück nach dem Schlosse. Die schönen Zeiten von damals sind vergangen, verschwunden die dichten Urwälder mit dem zahlreichen Wild. Niemand weiß mehr etwas von dem fröhlichen Leben und den Jagtzügen Moritz von Nassaus. Aber die schöne alte Lindenallee zum Krankenhause hält die Erinnerung an das Vergangene wach, und wenn es durch die weit verzweigten Kronen der Linden rauscht, dann ist es ein Gruß aus der Glanzzeit Sonnenburgs.