Über 100 neue Ehren - Ritter des Johanniter - Ordens
Neumärkische Zeitung 26. Juni 1929
Ritterschlag in Sonneburg.
Der Morgen des Hauptfesttages macht ein sorgenvolles Gesicht. Graue Regenwolken ziehen eilend am Himmel dahin. Schon in der Frühe des Tages wird es auf den Straßen lebendig. Im Laufe des Vormittags strömen von nah und fern die Neugierigen zahlreich herbei. Schulen aus der Umgegend, Freunde und Bekannte teils im Auto und mit der Bahn, teils auf Rädern, mit Fuhrwerk und zu Fuß. Jeder will den Herrenmeister, Prinz Oskar von Preußen und die anderen Ritter sehen. Besonders groß ist der Andrang vom Schlosse bis zur Kirche. Schon lange vor Beginn der Feier haben die Besucher der Kirche sich vor dem Gotteshause versammelt, um einen guten Platz zu erhalten. Kurz vor 11 Uhr müssen alle Vorkehrungen in der Kirche und im Schloß beendet sein.
Jede Handlung ist vom Zeremoniell genau vorgeschrieben. In den unteren Schloßräumen versammeln sich um 10. 30 Uhr die Ordensbeamten, der Ordenskanzler, der Ordenssekretär, der Ordenswerk-meister, der Ordensschatzmeister, der Ordenshauptmann, die Kommentatoren und Ehren – Kommen-tatoren, die Ordensmarschälle, die zum tragen der Ordensinsignien bestimmten Pagen und die als Zeugen geladenen Rechtsritter. In der Vorhalle des Schlosses nehmen die neu zuschlagenden Ehrenritter Aufstellung. Punkt 11 Uhr öffnet sich das hohe Portal des Schlosses. Unter Glockengeläut bewegt sich der Zug der Ritter zur Kirche, Vereine und Zuschauer bildete ein dichtes vielgliedriges Spalier. Voran im Festzuge schreitet der erste Ordensmarschall von Wartenberg, ihm folgen die weit über 100 zu schlagenden Ehrenritter hierauf der zweite Ordensmarschall, Graf von Schwerin, dann der Ordensschatz-meister, Graf von Pückler, der Ordenswerkmeister, Freiherr von Matzahn- Gültz mit dem Evangelienbuch. Dahinter gehen Ordenssekretär Exzellenz von Berg und der Ordenskanzler, Graf von Arnim- Boitzenburg. Ehrenkommendatoren und Kommendatoren schließen sich an. Ein prächtiges Bild gibt der Ordenshaupt-mann von Cramon, der das blanke Ordensschwert in der Scheide, mit der Spitze nach oben trägt. Dem Ordenshauptmann folgt der Herrenmeister, Prinz Oskar von Preußen, die hohe Gestalt in den langen, schwarzen samtenen Ordensmantel gehüllt, dessen Schleppe von zwei Pagen getragen wird, den Herrenmeisterhut, mit weißer, lang wallender Feder auf dem Haupte. Den Schluß des Zuges bilden die Ehrengäste der Stadt.
Superintendent Harder und Pfarrer Loose erwarten den Zug an dem Portal und geleiten ihn unter Orgelklang und Gesang in die Kirche. In genau bestimmter Reihenfolge nehmen alle Teilnehmer ihre Plätze ein.
Vor dem Altar läßt sich der Herrenmeister auf dem goldenen Stuhl nieder, hinter dem sich zwei Pagen aufstellen. Mit Orgelspiel und dem Gesang des Liedes Halleluja, Lob, Preis und Ehr, beginnt die kirchliche Feier. Hierauf hält Pastor Loose die Liturgie. Der Herrenmeister bedeckt sein Haupt und alle erheben sich vom Platze. Es folgt das Gelübde. Der erste Ehrenritter wird vor den Herrenmeister geführt. Auf dessen Frage:
„Was ist Euer Begehren?“ folgt die Antwort: „Die Ehre zu haben, in die Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem als Rechtsritter auf- und angenommen zu werden“. Der Herrenmeister antwortet: „Die Auf- und Annahme sei Euch gewährt, wenn Ihr den Anordnungen unserer Gemeinschaft nachkommen und Euch verhalten wollet, wie es ehrliebenden Ritterbrüdern geziemt“. Nach diesen Worten verliest der Ordenskanzler das Gelübde; worauf jeder Ritter durch Handschlag zur Haltung christlicher Gesinnung verpflichtet wird. Nacheinander treten die Ritter vor den Herrenmeister, sowie zu dem Ordensbeamten und Kommendatoren, um den Handschlag zu leisten. Während dessen ertönen vom Orgelchor das Niederländische Dankgebet und Fanfarenklänge, die den zweiten Akt, den Ritterschlag einleite.
Der Herrenmeister trat vor dem Altar und empfängt vom Ordenshauptmann das Ordensschwert. Die vor ihm knienden Ritter erhalten drei Schläge über beide Schultern mit den Worten: “Besser Ritter als Knecht!“
Ein neuer Fanfarenton leitet die Investitur (Belehnung und Einkleidung) ein. Jeder Ritter tritt vor den Herrenmeister. Dieser hängt jedem persönlich den Johanniterorden mit Krone um, worauf sie durch zwei Rechtsritter mit dem schwarzen Mantel eingekleidet werden. Nach beendeter Investitur hört das Orgelspiel auf. Mit den Worten: „Ich wünsche Euch Glück und Segen“ entläßt der Herrenmeister die neuen Rechtritter.
Danach hält Superintendent Harder eine tief empfundene Festpredigt. Im großen Rittersaal des Schlosses wird das Dinner eingenommen. Alsdann begeben sich die Ritter in die Quartiere, von wo aus dann jeder die Heimreise wieder antritt. Unter Jubelrufen der Bevölkerung verläßt der Herrenmeister um 5 Uhr unser altes Ritterstädtchen.