Wozu die Pfingstmaie gut ist!
Neumärkische Zeitung 8. Juni 1930
Von Käthe Altwallstädt.
Wäre nicht der Volkskundler, der auch die kleinsten Tatsachen des Aberglaubens liebevoll zusammenträgt, in dicken Bänden niederlegt und mit tief schürfenden Erläuterungen versetzt, wir wüßten vielleicht bald nicht mehr von manchem guten, alten „Pfingstwink“, den die Angehörigen älterer Generationen einander mit wichtiger Stimme erteilten, den der Vater dem Sohne, die Mutter der Tochter als ernst zu nehmende Lehre mit in das Leben gab.
Was für segensreiche Wirkungen traute man doch z.B. der Pfingstmaie zu! Was für wunderliche Handlungen knüpfte sich an diesen Glauben! Weil man der Meinung war, daß selbst noch eine verdorrte Pfingstmaie ein äußerst wirksames Mittel gegen des Feldes Schädlinge und Ungeziefer wäre, trug man hoffnungsfreudigen welken Baum rings um den Acker herum, damit das unnütze Getier sich zur Auswanderung entschließen sollte. Bei solchen Umzug mußte man freilich streng darauf achten, daß durch Verhalten des letzten Schrittes eine Art Tor entstand, durch das sich die Fluchtbereiten auch wirklich empfehlen konnten.
Das aber die Pfingsmaie dem Volksglauben nach sogar pädagogische Fähigkeiten besitzen soll, ist für uns Frauen ganz besonders interessant. Eitel Freude an seiner Nachkommenschaft erleben soll nämlich, wer die Zweige im Pfingsmonate sorgsam aufhebt und eine schöne Rute für die Kinder daraus macht, die sich während des „lieblichen“ Festes so herzlich an dem grünen Bäumchen ergötzen! Das kluge Elternpaar, das so verfährt, besitzt angeblich einen erzieherischen Zauberstecken, der eine glänzende moralische Entwicklung geradezu verbürgt.
Pfingst- Heiratsorakel
Zu einem richtigen Pfingststrauß gehören neunerlei Blumen, wozu vor allem Maßliebchen, Salbei, Wicke, Kornrade und wildwachsende Nelken zählen. Ein solcher Strauß aber wird den Mädchen zum Orakel, denn wenn ein Mädchen einen solchen Kranz in der Nacht zum ersten Pfingsttag auf den Kopf setzt, soll der künftige Ehemann im Bilde erscheinen. Wenn einem Mädchen trotzdem kein Bild sichtbar wird, so ist dies ein Zeichen dafür, daß sie mit dem Heiraten noch eine Zeitlang warten muß, oder daß der Kranz nicht mit der genügenden Sorgfalt zusammengestellt worden ist.