[../adb/ihv_1892.html]
[../adb/impressum.html]
[../bilder/ihv.html]
[../stradfen/ihv.html]
[../geschichte/ihv.html]
[./ihv.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Aus der Geschichte der Zielenziger Schützengilde
Neumärkische Zeitung  19. Mai 1929

Ein Gedenkblatt zum 350jährigen Jubiläum Pfingsten 1929.
Die Entstehung der Schützengilde und Schützenbrüderschaft reicht bis in das frühe Mittelalter hinein. Im östlichen Teil der Mark Brandenburg (die Lande Lebus) finden wir die ersten Aufzeichnungen über Schützengilden aus dem Jahre 1406, in dem nach einer Urkunde vom 28. Februar 1406 die Schützengilde Frankfurt (Oder) zum ersten Male erwähnt wird. Die Zielenziger Gilde kann durch Urkunden nachweisen, daß sie im Jahre 1579 bestand. Ihre Gründung fällt jedoch in einen früheren Zeitabschnitt.
Nach Wohlbrücks „Geschichte des ehemaligen Bistum Lebus“ kam die Stadt Zielenzig nach Aufhebung des Templer - Ritterordens, dem sie im Jahre 1244 vom Grafen Mrotschek geschenkt war, nach kurzem Besitz der Landesherren in den Besitz des St. Johanniter - Ordens, und zwar Ende des Jahres 1350. Die Johanniterritter richteten nun die Stadt, die jetzt ein Bollwerk gegen das Slawentum darstellte, zu einem festen Stützpunkt der Germanisierung des Ostens ein. Dazu brauchten sie naturgemäß die Unterstützung einer wehrhaften Bürgerschaft. Es ist anzunehmen, daß in dieser Zeit die Gründung der Zielenziger Schützengilde fällt. Ob der Orden damals jeden Bürger zum Eintritt in diese Gilde anhielt, ist unbekannt. Jedenfalls aber ist der Orden an dem Bestehen eines wehrhaften Bürgertums stark interessiert gewesen. Die Gründung der Gilde durch den Orden erscheint daher wahrscheinlich. Der Orden führte die Aufsicht über die Gilde und gewährte ihr auch Vorrechte.
Die Gründungsurkunde ist leider bei dem zwischen dem Johanniter - Ritterorden und der Stadtverwaltung am 23.5.1835 in Lagow wegen Ablösung des Roggenprivilegs gehabten Verhandlungen verloren gegangen. Der Verlust wurde erst im Jahre 1853 entdeckt. Trotz großer Bemühungen konnte die Urkunde nicht mehr beschaffen werden, da der Verhandlungsführer des Ordens inzwischen verstorben war und der Vertreter der Stadt Zielenzig, Stadtrat Walther, vor dem Kreisgericht beeiden konnte, die Urkunde nicht erhalten zu haben. Fast alle übrigen Dokumente und Akten sind mit der Schützenlade und der Fahne bei dem Rathausbrand im Januar 1822 dem Feuer zum Opfer gefallen.
Die älteste Urkunde, die die Existenz der Zielenziger Gilde dokumentiert, ist die von dem Kurfürsten Johann Georg am 21. Mai 1579 in Küstrin gegebenen Kabinettsordre, wonach der jeweilige Schützenkönig von jeder Steuer und Zinslast befreit ist. Obwohl aus dem Inhalt der Kabinettsordre hervorgeht, daß die Gilde damals bereits bestanden hat, kann nur das Jahr 1579 als Gründungsjahr angenommen werden.
Nach Aufzeichnugen aus dem 15. Jahrhundert bestand die Gilde aus 258 wehrhaften Bürgern und zwar: 78 mit langen Rohren, 33 mit Harnischen, 132 mit Hellebarden, 11 mit Spaten und Äxten und 4 Befehlshabern. Ein am 28 Juli 1623 aufgestelltes „Vorzeuchnus“ (Verzeichnis) weist 275 Namen auf. Danach war die Bewaffnung folgende: 149 Rohre und Musketen, 117 Hellebarden und 4 Zimmeräxte. Bei 5 Namen steht die Bemerkung „gefallen“. Vielleicht sind diese die Opfer eines erfolgreich zurückgeschlagenen Raubüberfalles der Slawen. In diesem Verzeichnis finden wir die Namen Kupke, Zscheuschner, Neumann, Sprenger, Scheidemann und Lange, die auch heute noch in der Stadt, teils sogar noch in der Gilde, zu finden sind. Zur Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung innerhalb der Gilde waren feste Statuta und Artikult aufgestellt. Die ältesten noch im Original vorhandenen Statuten der königlich preußischen und hochfürstlichen brandenburgischen Schützengilde sind am 30. März 1711 aufgestellt und haben unterm 27.5. desselben Jahres die Bestätigung des Prinzen Christian Ludwig, Senior des ritterlichen Ordens Sankt Johannes und residierender Kommandator zu Lagow gefunden. Die späteren Kommendatoren in Lagow, Graf von Wartensleben, F.W. von Pannwitz, Freiherr von Seckendorff, Reichsritterschaftsrat und Kammerherr Wilhelm L.Z. Hessen, genehmigten Vervollständigungen des Statuts. Damit standen der Gilde weiterhin der seither bezogene 1 Malter oder 1 Wispel und die 4 Scheffel Roggen zu, den die Templer Mühle und später die Ostrower Mühle zu liefern hatte.
Bei der Säkularisation des Johanniter - Ordens im Jahre 1813 wurde die Aufsicht über die Gilde der Stadtverwaltung übertragen. Die Roggenlieferung wurde ein Opfer des Freiheitskampfes. Bei Widergewährung war nur noch die Hälfte, und zwar 14 Scheffel Getreide oder 16 Taler und 10 Silbergroschen in bar von der Stadt Lagow zu liefern. Durch Rezeß vom Jahre 1836 übernahm die Stadt Zielenzig die Lieferung durch die Stadtmühle. Der Stadt waren dafür seitens der Regierung das Marktstandgeld und das Bürgerrechtsgeld überlassen. Seit 1854 erfolgte die Zahlung in bar. Obwohl wiederholt beim König um Erhöhung der Getreidelieferung nachgesucht wurde, unterblieb die Festsetzung auf die ehemalige Höhe.
In den Statuten war auch festgelegt, daß 14 Tage nach Ostern mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel zum Schießen auszurücken war. Ferner mußten die Schützen einen Sonntag um Pfingsten, also einen Sonntag vor und einen Sonntag nach dem Fest um einen Scheffel Korn schießen, der dem jedesmaligen König zustand, seit dieser Zeit hat sich noch bis heute die Bezeichnung „Kornprämienschießen“ erhalten. Mit freien schwebenden Armen hatte jeder Schütze 12 Schuß auf die Königsscheibe abzugeben, wobei noch strenge Verhaltensregeln vorgeschrieben waren. Besondere Zuverlässigkeit ist ihren damaligen Büchsen anscheinend nicht eigen gewesen, denn in den Statuten war festgelegt, daß der Schütze, dessen Feuerrohr öfter als dreimal hintereinander versagte, sich hierfür einen Schuß anrechnen lassen mußte. Auch war in den Statuten den Kameraden Achtung und Gehorsam gegen die Altermänner und Vorgesetzten gebeten. Viele Protokolle berichten, daß so manchem Kameraden infolge mangelhaften Betragens recht empfindliche Strafen auferlegt wurden.
Die Zielenziger Gilde in den Befreiungskriegen.
Getreu ihrem Wahlspruch: „Üb Aug und Hand und hab ein Herz fürs Vaterland“ eilten die Zielenziger Schützen im Jahre 1813 bei der Erhebung Preußens zu den Fahnen. Mit Bürgern der Stadt Meseritz und Zielenzig bildeten sie ein Bürgerbataillon. Von Opferwillen beseelt, lieferten sie ferner alle am Ordensband gesammelten Gold- und Silberstücke im Gewicht von 12 bis 12 ½ Pfund und einen silbernen Pokal ab. König Wilhelm der Vierte verlieh am 1. Mai 1844 der Gilde dafür die goldene Huldigungsmedaille, die heute noch von dem jeweiligen Altermann getragen wird. Kaiser Wilhelm der Erste belohnte diese Opferwilligkeit noch damit, daß er der Gilde im Jahre 1872 eine wertvolle Fahne schenkte.
Auch in den unruhigen Jahren von 1847 und 1848 war die Schützengilde ihren alten Traditionen treu geblieben. Unterm 2. Mai 1847 ersucht der Magistrat die Gilde, im Falle eines Tumults das Rathaus und die öffentlichen Kassen zu bewachen. Jeder Schütze sollte auf ein bestimmtes Signal mit 20 Patronen zur sofortigen Benutzung am bekannten Ort Aufstellung nehmen. Die Gilde war auch der im Jahre 1848 gegründeten freiwilligen Stadtwehr zugeteilt. Wegen der dort herrschenden mangelhaften volkstümlichen Gesinnung nahm sie nur mit Widerwillen an den wöchentlichen Übungen teil. Sie lehnte auch ab, nach der Übung mit Musik in die Stadt einzurücken, da ihr angeblich der Musikbeitrag in Höhe von 3 Pfennig pro Kopf zu hoch erschien, nur einen Pfennig pro Kopf für den beim Ausmarsch tätigen Tambour bewilligten die sparsamen Schützenbrüder. Als in den Jahren 1864, 1866 und 1870 die Kriegstrommel durch das Land schallte, waren unsere Schützen sofort zur Stelle. Soweit sie nicht selbst eingezogen wurden, waren sie es, die in Verbindung, mit der Stadtverwaltung die Reservisten und Landwehrmänner mit Musik aus der Stadt begleiteten und die heimkehrenden Sieger feierlichst in die geschmückte Stadt eingeholt haben.
Das Jahr 1872 sieht die Schützengilde bei der Feier der Fahnenweihe. Das Fest war umso wichtiger, da es sich um die Fahne handelt, die Kaiser Wilhelm der Erste für die im Jahre 1813 gezeigte Opferwilligkeit verliehen hatte. Im Jahre 1904 wurde dann das Fest des 325jährigen Bestehens gefeiert. Den Höhepunkt bildete der Festzug, der von Herolden eröffnet wurde. Ein farbenprächtiges Bild boten die Schützen in den Trachten der Bogenschützen aus dem 14. Jahrhundert bis zur neuzeitlichen Uniform. An dem auf dem Marktplatz abgehaltenen Feldgottesdienst nahmen nicht nur die ganze Stadt, sondern auch die Gilden aus der weiteren Umgebung teil. Superintendent Dr. Hoffmann fand Worte, die selten treffender das Schützenwesen beleuchten können. Ein Auszug sei daher wiedergegeben:
„ Seid und bleibet echte deutsche Schützen, schützt deutsche Ehre, schützt deutschen Herd, schützt deutsches Herzensgut! „Schützen“, dies Wort ist eins der ältesten im deutschen Sprachschatz und was es besagt, das haben eh und je in unruhevollen Tagen die Bürger mit Bogen und Büchse, mit Harnisch, Schwert und Hellebarde mutig und treu getan. Sie haben geschützt ihre Heimatstadt, geschützt ihren Herd, geschützt ihre Wohlfahrt, geschützt ihre Ehre und nicht zum mindesten ihren Fürsten. Was wäre aus der brandenburgischen Mark, dieser Keimzelle des deutschen Kaiserreichs unserer Tage, geworden ohne Auge, Hand und Herz der Schützen? Keine Markgrafen. keine Kurfürsten, keine Hochmeisterhand vermochte einst unsere heimatliche Gaue zu schützen vor Raub und blutgieriger Frevelhand. Da klang es aus Landesvaterherz und Mund, Ihr Schützen der Mark, schützt mein Land und meine Leute, schützt euch, schützt mich, schützt mit klarem Aug, mit fester Hand, treu das Herz fürs Vaterland! Das ist, Ihr Schützen der Mark, Ihr Schützen von Zielenzig, das ist das immergrüne Lorbeer und Eichenblatt, das um Euren Schild sich windet.“
Bis zum Jahre 1914 wurden die traditionellen Schießen abgehalten, und nichts störte die friedliche Entwicklung der Schützensache. Als jedoch die Kriegsfanfaren den Weltkrieg verkündeten, stockte auch hier das Gildewesen. 75 Prozent der Mitglieder zogen hinaus ins Feld, das Vaterland zu schützen.
Bogen und Armbrust, die erste Bewaffnung.
Wie schon aus den Urkunden aus dem Jahre 1579 stammenden Aufzeichnungen ersichtlich ist, haben Zielenzigs Schützen aus dem Mittelalter noch nicht mit der Büchse geschossen. Ein im Geheimen Staats- Archiv aufbewahrtes Schriftstück vom 6. Juni 1604 spricht noch von „Bogenschützen“ zu Zielenzig. Neben den Hellebarden waren anscheinend der Bogen mit Pfeilen und vor allem die Armbrust ihre Hauptwaffe. Den Gebrauch der Handfeuerwaffen kannte man erst viel später. Es ist auch kaum anzunehmen, daß sich die sparsamen Schützenbrüder so schnell diese Neuerungen zunutze gemacht haben. Die Königsschüsse wurden jedesmal mit Pfeilen oder mit Armbrustbolzen abgegeben. Eine Scheibe kannte man damals noch nicht. Das Ziel war der Königsvogel, den eine in einer Tonne auf hohen Mast eingesperrte Ganz dargestellt haben soll. Derjenige war König, der den aus der Tonne herausragenden Kopf der Ganz traf. Später wich man von diesem wenig idealen Ziel ab. Es soll nämlich vorgekommen, daß die Ganz schon vor dem Königsschuß verendet war, da die Bolzen inzwischen die Tonne durchschlagen und den Körper des Tieres durchbohrt hatten. Als Ziel wählte man sich nun eine Scheibe. Eine Ringeinteilung kannte man zunächst noch nicht, denn erst im Jahre 1854 ist die 12- Ringscheibe eingeführt. Die Königswürde fällt auch heute noch demjenigen Schützen zu, der den besten Zentrumsschuß abgibt. Über den Austragungsort des Königsschießens in älterer Zeit ist kein Anhalt vorhanden. Als man noch mit Pfeil und Bogen schoß, war schließlich jeder nicht unmittelbar im Verkehr liegende Platz geeignet. Anders wurde es, als man die Feuerwaffen in Gebrauch nahm.
Im Jahre 1757 errichtete dann die Gilde ein Schützenhaus östlich der Stadtmauer, wo heute die Promenade angelegt ist. Das Schützenhaus war das heutige Gasthaus „Bürgergarten“. Die Scheibenstände waren da angelegt, wo heute die Schulstraße die Promenade durchquert. Ein neuer Anbau wurde im Jahre 1830 errichtet und ein Erbpächter eingesetzt. Der Erbpächter Schlossermeister Karl Lebrecht Kaßner hatte jährlich an die Gilde 250 Taler Abstand zu zahlen und außerdem die Reparaturen auf seine Kosten auszuführen. Die Gilde mußte für die zum Anbau von der Stadt erworbene Parzelle an diese einen Kanon von 20 Silbergroschen entrichten. Schon nach kurzer Zeit war der Glasermeister August Kettner Schützenwirt.
Bereits im Jahre 1838 wurde die Errichtung eines neuen Schießhauses notwendig. Der neue Erbpächter, Stadtmusikus Piefke, weigerte sich jedoch, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Nicht selten lagen die ehrbaren Schützenbrüder mit ihm in Streit, da er seinen Verpflichtungen, der Gilde während der Sommermonate das Entree, 2 Stuben und den Saal in der 2. Etage sowie eine Stube in der 1. Etage zu Versammlungszwecken zur Verfügung zu stellen, nicht immer nachkam. Der alte Musikus Piefke, der Vater des bekannten Musikmeisters der Frankfurter Leibgrenadiere und spätere Generalmusikdirektors, hatte einen recht dicken Kopf. Er prozessierte mit der Gilde wegen Kleinigkeiten die vor dem Kammergericht. Als er im Jahre 1846 sich weigerte, seine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, sah sich die Gilde sogar gezwungen, ihr Königsschießen an einem anderen Ort abzuhalten. Der König mußte auf alle Fälle ausgeschossen werden, riet der zur Vermittlung angerufenen Magistrat, da sonst die „Benefizien“ (die Roggenlieferung) wegfallen könnten. Man wählte nun als Austragungsort den Stadtwald und baute auch dieses Fest wie alle bisherigen Königsschießen als Volksfest aus. Nach dem Protokoll wurde beim Aus- und Einmarsch Kreislandrat Sydow und Ratmann Koeppe in die Mitte genommen. Der Gilde schlossen sich ferner die Turnschüler mit Lehrer Arndt an, die dem Zuge bis zum Markt gefolgt sind, wie auch das ganze Fest zur allgemeinen Freude verlief. Der Königsball fand dann im Weinberg statt. Seit dieser Zeit wird bis in die Jetztzeit neben dem Königsschießen das Waldschießen abgehalten.
Der Krach mit der Vogelschützen- Gesellschaft.
Große Entrüstung rief jedoch hervor, daß Piefke den Schießstand der Vogelschützengesellschaft zur Verfügung gestellt hatte, und daß an dem Schießen 8 ehemalige Schützen in Uniform teilnahmen. Den Höhepunkt der Erregung bildete dann die Danksagung des Erbpächters Piefke im Sternberger Kreisblatt, in dem er sich bei der Bürgerschaft für die Teilnahme an diesem Volksfest bedankte. Anläßlich desselben hatte der Kaufmann und Ratsmann Jahn auf dem Schießgraben auch einen Hahnenschlag für Knaben mit Dreschflegel veranstaltet.
Das gespannte Verhältnis mit der im Jahre 1771 gegründeten Vogelschützengesellschaft wurde dadurch noch ungünstiger. Sogar der Oberpräsident wurde zur Vermittlung angerufen, die dieser aber ablehnt. Gleichzeitig wurde der Magistrat angerufen, der Vogelschützengesellschaft zu untersagen, die Bezeichnung Vogelschützengilde zu führen. Die ihr vom König verliehene Fahne erregte auch Anstoß bei den Schützenbrüdern. Sie waren der Ansicht, daß diese Fahne ihnen für die bei Preußens Erhebung im Jahre 1813 geopferten Silber und Goldmünzen zustände und lediglich durch ein Versehen höheren Ortes ihnen nicht zugestellt worden war. Auf eine Beschwerde an des Königs Majestät wurde der Justizkommissarius Caspar aus Reppen mit Klärung der Angelegenheit betraut. Durch Erlaß des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vom 6.8.1847 mußte schließlich die Inschrift beseitigt werden. Die Fahne sollte nun die Inschrift: „Der Vogelschützengesellschaft zu Zielenzig 1802“ erhalten. Landrat Sydow hatte Vogelschützen zu untersagen, vor der Abänderung die Fahne zu gebrauchen. Erst im Jahre 1851 anläßlich der Einweihung des neuen Rathauses finden wir beide Korporationen in dem gemeinsamen Festzug. Der langjährige Streit war damit beigelegt.
Der Schießstand bereitete der Gilde seit dem Vorkommnis im Jahre 1846 anscheinend wenig Freude. Auch mit den Behörden gab es Konflikte. Ob nun der Kugelfang nicht ordnungsmäßig angelegt war, oder ob die inzwischen vervollkommneten Büchsen eine größere Reichweite hatten, steht nicht fest. Jedenfalls war ein Kind, das die Straße nach Wandern und Ostrow benutzte, von einer Kugel getroffen worden, ohne jedoch verletzt zu werden. Der damalige Landrat mußte den Schießstand sperren. Auch die Regierung sandte Sachverständige. Schließlich wurde der Stand nur für bestimmte Tage freigegeben. Sogar die Anlieger erhoben Beschwerde, da ihnen der Böller, der bei jedem Zetrumsschuß in Aktion trat, zu laut krachte. Es wurde ein neuer Schießstand gebaut, und zwar im Norden der Stadt (am heutigen Schützenberg), auf dem Gastwirt Peters’schen Grundstück, der im Jahre 1854 eingeweiht wurde. Durch Anregung der Regierung wurde zwischen Magistrat und Gilde ein Tauschvertrag geschlossen, wonach die Stadt den bisherigen Grundbesitz der Gilde erhielt, und dieser auf dem Schinderberge zu beiden Seiten der Drossener Straße Land zugewiesen wurde. Außerdem hatte die Stadt 100 Taler in bar zu zahlen und mußte sich ferner verpflichten, die Fahnen jederzeit ohne Entschädigung in einem Raum im Rathaus aufzubewahren. Auf diesem Stand wurden 70 Jahre lang die Schießen abgehalten, bis er von dem im Jahre 1924 auf dem Weinberg errichteten modernen Schießstand abgelöst wurde.
Die Entwicklung der Uniformen.
Ob in ältester Zeit eine gleichmäßige Uniform vorgeschrieben war, ist nicht mehr zu ermitteln. Nach den Statuten aus dem Jahre 1766 war den Schützen vorgeschrieben ein weißes seidenes Band, das von der rechten Schulter bis an die linke Rocktasche lief und auf der rechten Brust ein „F.R.“ mit darunter befindlichem weißen Kreuz zu tragen. Der steife Hut war mit dunkelgrauer Kokarde und ebenfalls mit weißem Kreuz zu versehen. Eine Uniformierung wurde erst im Jahre 1842 vorgenommen. Der Schütze trug dunkelgrünen Rock mit gelben Knöpfen, schwarze Sammetkragen mit roter Paspelierung, schwarze Achselklappen mit einer Bronzekrone und dem Buchstaben Z verziert, weiße Beinkleider und Handschuhe, dunkelgrüne Mütze mit schwarzem Sammetstreifen und rot paspeliert, schwarzlackierten Ledergurt mit Kartusche, Hirschfänger und gezogene Büchse. Eine kleine Abänderung erfolgte 1855. Die am 20. September 1851 gegründete zweite Abteilung marschierte zunächst in schwarzer Kleidung. Erst 1874 war diese Abteilung ein grüner Hut, graue Jägerjoppe, Pulverhorn, grüne Schnur und Hirschfänger als Uniform vorgeschrieben. Eine einheitliche Uniformierung wurde im Jahre 1886 vorgenommen, die mit geringer Abänderung bis heute beibehalten ist.
Die biederen Schützen genossen von jeher das Vertrauen der Bürgerschaft und die Anerkennung des Magistrats, wenn sie auch mit diesem öfters in Schriftwechsel gerieten, weil sie nicht immer rechtzeitig ihm die Kassenbücher zur Revision vorlegten. Anscheinend ließen sie sich nicht gern in ihre Buchführung reinsehen. Es wurden ihr Diensträume als Versammlungszimmer überlasse. Bei Bränden hatten sie auch die Bewachung der geretteten Gegenstände übernommen. Sogar ihre Schießveranstaltungen wurden bis zum Jahre 1840 von der Kanzel verkündigt, bis es dann Oberprediger Haak ablehnt. Es wurde in Zielenzig kein größeres Fest gefeiert, bei dem sie nicht dabei waren. Schon seit dem Jahre 1842 ist der Dirigent des Magistrats (Bürgermeister) der Major der Gilde. Auch wurden im Jahre 1848 sämtliche Staats und Kommunalbeamten Ehrenmitglieder. Bezüglich der Geselligkeit waren sie unübertrefflich.
Hohenzollern als Schützenkönige.
Als ehemals königlich privilegierte Gilde fühlten sie sich naturgemäß mit dem Herrscherhaus eng verbunden. Vor jedem Geburtstag des Kaisers nahmen sie an dem Zapfenstreich teil. Anläßlich besonderer Begebenheiten am Königshofe wurde ausmarschiert und ein Festkönig ausgeschossen. Die Gilde holte sich ferner von Mitgliedern des Königshauses die Genehmigung ein, daß der jedesmalige Ältermann und später der durch das Los bestimmte Schütze für das bestimmte Herrscherhausmitglied die Königsschüsse ab gab. So war es möglich, daß die Gilde im Jahre 1858 Sein Majestät den König Friedrich Wilhelm IV., im Jahre 1858 Seine Königliche Hoheit den Prinzregenten, im Jahre 1868 Seine Königliche Hoheit den Kronprinzen, im Jahre 1885 Seine Königliche Hoheit den Kronprinzen, im Jahre 1911 Seine Königliche Hoheit den Prinzen Eitelfriedrich, im Jahre 1912 den Prinzen Adalbert, im Jahre 1914 Seine Königliche Hoheit den Prinzen Oskar, im Jahre 1917 Seine Königliche Hoheit den Kronprinzen Wilhelm als Schützenkönig der königlich privilegierten Schützengilde der Kreisstadt Zielenzig feiern durfte. Dadurch kamen wertvolle Orden in den Besitz der Schützen, die diese fast in allen Fällen für die Königskette gestiftet haben. Die jetzige Königskette wiegt zwei Pfund, 175 Gramm; als älteste Stücke befinden sich an ihr eine Silbermünze aus dem Jahre 1623, eine im Jahre 1822 von dem damaligen Bürgermeister gestiftete goldene Medaille und eine im Jahre 1829 vom damaligen Kronprinzen verliehenen silberne Medaille mit Eichengirlande.