575 jähriges Bestehen der Thorner Schützengilde
Neumärkische Zeitung 9. Oktober 1927
Ihr 575jähriges Bestehen beging die Thorner Schützengilde. Im Jahre 1352 wurde die Schützenbrüderschaft durch den damaligen Hochmeister Winrich von Kniprode gegründet. Die Brüderschaft erfreute sich des Wohlwollens vieler Herrscher. König Johann III. von Polen gab am 9. Mai 1685 ein Privileg heraus, welches das Weiterbestehen der Brüderschaft sicherte und ihr die gehörigen Rechte verlieh. Dieses Privileg wurde durch weitere polnische Könige erneuert und machte den Schützenkönig „frei von jeglichen Staats- und Kommunalsteuern“. Ferner erhielt er „unverzolltes Bier“, solange er „König“ war. Unter verschiedenen althistorischen Einrichtungen besitzt die Brüderschaft noch eine Ehrenscheibe vom Königsschießen aus dem Jahre 1709, wo Kaiser Peter der Große von Rußland und König August II. von Polen nach der Scheibe schossen. Die Ehrenscheibe hat folgende Inschrift in deutscher Sprache: „Peter I. Kayser von Rußland, und August II, König von Polen, Beehrten Anno 1709 den 16. Oktober die Schützenbrüderschaft zu Thorn mit Ihrer hohen Gegenwart und Schossen nach diesem Ziele“. In der Mitte neben dem Schußloch noch die Bemerkung: „Schuß des Kaysers.“ Der Patron der Brüderschaft ist der heilige Sebastian. Nach der politischen Umgestaltung blieben viele deutsche Mitglieder der Schützengilde bis auf den heutigen Tag treu. Vor zwei Jahren hatte die Gilde den letzten Schützenkönig deutscher Nationalität, Günther Rudak.