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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Aus der Vergangenheit der Schweriner Schützengilde
Neumärkische Zeitung    8. Juni 1930

Über den Ursprung der Schützengilden im deutschen Osten herrscht noch in mancher Hinsicht Unklarheit. Man führt wohl ihre Entstehung auf die Reform der städtischen Wehrverfassung im Anfang des 15. Jahrhunderts zurück. Da Überfälle auf kleinere Städte und Ortschaften zu damaliger Zeit keine Seltenheit waren, wurde von den Fürsten eine „Wehrordnung“ oder „Wehrverfassung“ herausgegeben, nach der alle Bürger bei räuberischen Überfällen die Stadt zu verteidigen verpflichtet waren. Jeder, der das Bürger - oder Meisterrecht erlangen wollte, mußte eine bestimmte Anzahl Waffen besitzen. An jeden Sonntag wurde ein Übungsschießen abgehalten, das von einem Schützenmeister geleitet wurde. Auf diese „Wehrordnung“ führt man auch die Entstehung der Schützengilde in Schwerin zurück. An der brandenburgischen Grenze, in Polen gelegen, hatte das frühere Fischerdorf unter vielen Überfällen slawischer Räuberhorden zu leiden. Die Einwohner waren zum größeren Teile aus Brandenburg und dem Herzogtum Sachsen zugewanderte Kaufleute, Handwerker und Bauern.
Es ist natürlich schwer, das genaue Jahr der Gründung der Schützengilde festzustellen. Doch weiß man es ungefähr auf das Jahr 1315 zurückzusetzen.
Im Jahre 1538 erhielt die Gilde ein Privileg vom Markgraf Albrecht von Brandenburg, dessen Original jedoch nicht mehr vorhanden ist.
Der Dreißigjährige Krieg ist auch an Schwerins Schützengilde nicht spurlos vorübergegangen. Plündernd und raubend zogen die Heere des Schwedenkönigs Gustav Adolf durch Deutschland. Schwerin wurde an allen Ecken in Brand gesteckt, die Einwohner beraubt und vertrieben. Dadurch gerieten die Verordnungen der Gilde in Vergessenheit und niemand dachte mehr daran, die Waffe zum Schutz der Stadt zu gebrauchen. Im Jahre 1712 brach eine riesige Feuersbrunst aus, bei der die ganze Stadt und auch noch die übriggebliebenen Schriften und Verordnungen der Gilde vernichtet wurden. Im selben Jahre wurde in Schwerin die Pest eingeschleppt, die die Zahl der Mitglieder der Schützengilde von 80 bis auf 30 Mann verminderte. Erst im Jahre 1718 wurde die Verordnung der Gilde neu aufgestellt und durch König August II. bestätigt. In 26 Paragraphen waren die Rechte und Pflichten der Mitglieder festgelegt. Jeder Aufgenommene mußte in die Lade der Brüderschaft 2 harte Taler und 2 preußische Groschen zahlen. An Beiträgen gab jeder Schützenbruder 6 Groschen. Wer innerhalb eines Jahres nicht zahlte, wurde aus der Mitgliedschaft ausgewiesen. Weiter mußte jeder Schützenbruder eine eigene Büchse nebst Pulver und Blei besitzen. Beim Schützenfest, das einmal im Jahr stattfand, wurde derjenige Schützenkönig, der unter drei Schüssen dem nächsten „beim oder im Nagel“ hatte. der König konnte das ganze Jahr hindurch Bier brauen, ohne Zapfgeld zu zahlen, und war von sämtlichen Zins und Abgaben befreit. Ferner hatte er freies Wohnen und erhielt von der Stadt die einmalige Summe von 100 Talern. Zum Leiter der Gilde war ein Schützenmeister ernannt, dem alle Brüder gehorchen mußten.
Im Jahre 1790 schloss die Schützengilde mit der Stadt Schwerin einen Vertrag, nach dem die Gilde der Stadt 350 Taler geliehen hatte und für diese Summe den Wiesengrund an der Lausker Grenze mit der Bedingung erhalten hatte, daß nach Abtragung der auf dem Wiesengrund lastenden Schulden, dieser der Gilde gehören sollten. Außerdem besaß die Gilde noch den jenseits der Warthe gelegenen Schützenwerder, mit einem Wohnhaus.
In den unglücklichen Jahren 1806/07 kam die Schützengilde, durch die entstandene Geldknappheit, in finanzielle Schwierigkeiten, und um der Stadt die geforderten Abgaben zu zahlen, mußte die Kette mit den Dukaten geopfert werden. Die Kette setzt sich - zu damaliger Zeit - aus 33 Dukaten zusammen, die an kleine Schilder gehängt, wieder mit einander verbunden waren.
Im Jahre 1845 kaufte die Gilde ein an der Gollmützer Chaussee gelegenes Stück Land zum Bau eines Schützenhauses. Zwei Jahre später war der Bau fertig gestellt und am 6. September 1847 feierlich eingeweiht.
Als im Jahre 1848 in Preußen Revolution ausbrach, war es in Schwerin die Schützengilde, die für Ruhe und Ordnung zu sorgen hatte. Eines Tages wurde ein mit Gewehren und Sensen beladener Wagen angehalten, der bis oben hin mit Pulver und Blei gefüllt war. Der damalige Bürgermeister Clauüus übergab Gewehre und Pulver der Festung Küstrin.
Da der Bau des Schützenhauses eine große Lücke in die Kasse gerissen hatte, Reparaturen und Neuanschaffungen der Gilde viel Schwierigkeiten bereitete, so wurde beschlossen, das Schützenhaus zum Preise von 4000 Talern an den Landwirt Karl Rietz zu verkaufen.