Für die Pfingstküche
Neumärkische Zeitung 19. Mai 1929
Der Pfingstbraten
Zum ersten jungen Gemüse paßt als Pfingsfeiertagsbraten besonders gut ein „gehackter Braten“, auch „Falscher Hasenbraten“ genannt. Vier Pfund schieres, ganz frisches Fleisch, (2 Pfund Hammel oder Rindfleisch, 2 Pfund fettes Schweinefleisch) wird zweimal gemahlen mit 4 Eiern, ein viertel Liter gesiebten Reibbrot, ein viertel Liter kalten Kartoffeln und einer Zwiebel (beides mitgemahlen), ein halben Teelöffel Pfeffer, 4 gehäufte Teelöffel Salz, ein achtel Liter süße Sahne oder Wasser tüchtig und lange durchgeknetet, ein längliches Stück wie ein Brot daraus geformt, zierlich mit einem Stück Butter in die Bratpfanne auf dünne Speckscheiben gelegt, etwas kochendes Wasser seitwärts eingegossen und bei fleißigem Begießen eine Stunde im heißen Ofen schön braun gebraten. Die Sauce wird mit 1 - 2 Teelöffel Kartoffelmehl und saurer Sahne oder Buttermilch bündig angerührt und das etwas fehlende Salz zugefügt. Dieser Braten eignet sich darum ganz besonders als Feiertagsbraten, weil man ihn, ohne daß er an Geschmack verliert, am Tage vorher fertig anbraten kann und ihn dann nur eine Stunde vor dem Essen, mit der Sauce gut begossen, heiß zu stellen braucht.
Der Pfingstkuchen.
Wenn man zu Pfingsten auch noch keinen Obstkuchen von frischem Obst backen kann, so ist bei der Frühsommerwärme und Trockenheit doch ein solcher am besten zu wählen, der sich gut frisch und feucht erhält, nämlich gefüllter Obstkuchen. Das verschiedenste eingemachte Obst kann dazu verwandt werden: Äpfel, Birnen, Pflaumenkompott, Dreifruchtmarmelade; nur muß alles ziemlich steif eingekocht und nicht suppig sein. zu einem mittelgroßen Blechkuchen gehört fast ½ Liter Kompott. Man stellt es an einem warmen Ort und bereitet dann den Teig. ½ Pfund Butter wird erwärmt zu Sahne gerührt, 2 Eier, ¼ Liter Zucker, etwas weniger als ½ Liter warme Milch - in der für 5 Pfennige frische Hefe aufgelöst ist - und 2- 2 ¼ Liter bestes Weizenmehl hineingeklopft. Der Teig wird mit dem Holzlöffel geschlagen, bis er Blasen wirft. Er darf nicht zu fest, sondern muß richtig weich sein. Nachdem er in der Schüssel gut gegangen, bereitet man die Hälfte davon auf dem gut mit Fett angestrichenen Blech aus, streicht das warme Kompott gleichmäßig über, nimmt mit dem Blechlöffel allemal ein Stück Teig aus der Schüssel, zieht es flink mit den Fingern auseinander, legts über das Kompott und drückt die Streifen aneinander, so eine gleichmäßige Fläche entsteht. Dann läßt man den Kuchen wieder etwas aufgehen, nicht zu stark, da er sonst an Feinheit verliert, und backt ihn bei guter Hitze nicht über ½ Stunde schön braun. Unterdessen hat man den Zuckerguß bereitet. In eine große Tasse voll Puderzucker gießt man allmählich ein wenig Wasser, bis ein weicher Brei geworden (wer den Geschmack liebt, nimmt auch noch für 10 Pfennige Vanillezucker dazu) und bestreicht den Kuchen damit, sobald er aus dem Ofen gekommen ist.