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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Gebildbrote für das Weihnachtsfest.
Neumärkische Zeitung   5. Dezember 1929

Hausbäckereien einst und jetzt.
Weihnachten ohne Näschereien und Süßigkeiten, ohne einen reich versehenen bunten Teller, ist für uns kaum denkbar. Auf das Herumknabbern und  Schleckern, das Kosten von diesem und jenem möchten wir nicht verzichten. Selbst wenn es uns Erwachsenen mit dem Probieren nicht mehr glücken will, die Kinder können erstaunlicherweise doch immer von neuem „futtern“. Es ist nun für die Hausfrau nicht leicht, ihre Familie mit den so geschätzten Abwechslungen und Reichhaltigkeiten in Näschereien zu überraschen und dabei doch dem Geldbeutel nicht zuviel zuzumuten. Sie kann sich am besten helfen, wenn sie nur etwas Konfekt, Schokolade, Gefülltes und dergleichen Herrlichkeiten kauft, die in den Schaufenstern jetzt schon locken., im übrigen aber ihre eigenen Talente entfaltet, das heißt selbst bäckt und konditort. Kekse, Plätzchen, Marzipan, Gewürz- und Pfefferkuchen aller Sorten kann sie sich dann verhältnismäßig billig leisten und hat auf ihren bunten Tellern dabei Auswahl die Fülle. So hielt man es auch in früheren Zeiten, wo das Selbstbacken bei allen Hausfrauen in hoher Gunst stand. Es ist einesteils bedauerlich, daß es heute nicht mehr so ist, denn dadurch ist dem Weihnachtsfest und allem, was seinen Reiz ausmacht, ein Stückchen Poesie verloren gegangen. Wie mannigfach waren einst die Formen, Größen und das Äußere des Weihnachtsgebäcks! Welche Freude noch das 15. und 16. Jahrhundert am Erfinden neuer Formen und Motive empfand, zeigen uns noch deutlich die „Modeln“, mit denen man dem Gebäck, insonderheit dem Lebkuchen, Umriß und Gestalt gab. Die ganze bunte Welt war im Weihnachtbackwerk vertreten. Männlein und Weiblein, Knecht Ruprecht und das Christkind. Früchte, Blumen, Tiere des Waldes, Ornamente, allegorische Figuren, Häuser, Burgen und originelle, lustige Tier- und Menschentypen erstanden aus Pfefferkuchen. Gestalten aus Sagen und Märchen, wie Frau Holle als Spinnerin, Berchta, und Wodan als Schimmelreiter, dazu Darstellungen aus der Weihnachtsgeschichte, wie aus dem religiösen überhaupt wurden zur Weihnachtszeit höchst respektlos von groß und klein als „Gebildbrot“ verzehrt. Selbst die ganze Schöpfungsgeschichte erstand in Pfefferkuchen zu neuem Leben. von kunstsinnigen geschickten Holzschnitzern ließen sich die Hausfrauen die „Model“ aus Birnbaumholz oder anderem Hartholz herstellen. Die „Modeln“ waren Platten oder kleine Rollen, ähnlich unserer Nudelrolle. Dabei mußte der Schnitzer genau dem Gebäck Rechnung tragen, das mit den „Modeln“ ausgeformt werden sollte. Sonst löste sich der Teig nicht gut aus den formen heraus. In diesen mußten also die ausgeschnittenen Flächen auch gleichmäßig tief sein, um gleichmäßiges Backen zu erzielen  und zu verhüten, daß dünnere Teile verkrusteten, während andere Stellen noch nicht durchgebacken waren. Der mit diesen „Modeln“ geformte, in die geschnitzten Darstellungen eingedrückte Teig gab gebacken die schönsten, plastischen, reliefartigen Gebilde. Sie wirken infolge ihrer verschieden  ausgearbeiteten Oberfläche außerordentlich lebhaft und flächig, selbst ohne farbige Verzierung. Unsere Hausfrauen können solche „Modeln“ leider nicht für ihre Weihnachtsbäckerei benutzen, da sie nicht mehr zu haben sind. Als guten Ersatz dafür lassen sich wenigstens die jetzt üblichen Blechformen zum Ausstechen des Teiges verwenden. Es gibt bei den Blechformen immerhin ganz eigenartigen oder lustige Umrißformen, die bei den Kindern viel Freude erregen. Mit den Blechformen mache sich die Hausfrau nur frisch ans Werk. Wenn sie Plätzchen dann noch mit verschiedenen großen Gläsern aussticht, erhält sie für ihre bunten Teller noch sogar eine verhältnismäßige reichhaltige Sammlung von schönen „Gebildbroten“. Als Rezept eignen sich unter vielen anderen auch folgende: Ein Spekulatiusteig von einem Pfund Mehl, einem Pfund Zucke, einer Zitronenschale, einem halben Pfund Butter, drei Eiern, etwas Zimt. Oder Pfefferkuchen: zwei Pfund Honig, drei Viertel Pfund Zucker, zwei Pfund Mehl, drei Viertel Pfund Butter, ein Viertel süße Mandeln, 35 Gramm Pottasche, gehackte Zitronenschale und Apfelsinenschale, 15 Gramm Muskatblüte, 15 Gramm gestoßener Zimt, 15 Gramm Kardamom, etwas Anis, gestoßen, 15 Gramm gestoßene Nelken. - Zucker und Honig kochen lassen, dann die Butter hinzu; wenn zergangen, sämtliche Gewürze hinzu, alles gut durchrühren, und zuletzt die Pottasche darunter. Ist das geschehen, wird das Mehl gut eingemischt. Dann muß der Teig an warmer Stelle bis zum nächsten Tage stehen und dann Backen.
Gut schmecken auch Lebkuchen nach folgender Art: Man rühre 100 Gramm Butter schaumig, gibt ein halbes Pfund Staubzucker und zwei Eier dazu, und mengt nach und nach 20 Gramm Zimtpulver, 5 Gramm Nelken, das Gelb einer Zitrone, ein halbes Pfund abgeriebene, fein gehackte Mandeln, ein halbes Pfund Mehl und eine gute Messerspitze Hirschhornsalz darunter. Zuletzt gibt man eine Masse, die man von einem halben Pfund Honig und einem halben Pfund Mehl bereitet hat, dazu und verarbeitet alles zu einem glatten Teig. Ist noch etwas Mehl nötig, gibt man dies bei der Verarbeitung zu, ebenso noch einen Teelöffel Pottasche. Der Teig wird mehrmals ausgerollt und wieder zusammengeschlagen. Man sticht Lebkuchen aus, die bei guter Mittelhitze gebacken, mit Zuckerglasur überzogen, mit geschabten Mandeln bestreut und mit Schokoladenguß in streifen gespritzt werden.     L.W.