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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Hindenburgs Ahnen
Neumärkische Zeitung   2. Oktober 1927

Das Geschlecht derer von Beneckendorf und von Hindenburg in der Neumark.
Von Herman Bink.

Es ist ein sinnvoller Zufall, daß die erste sichere Kunde, die wir von der Familie von Beneckendorff erhalten, diese mit der Geschichte des Deutschen Ordens verbindet. Unter den Rittern und Knappen, die ihm nach Ankauf der Neumark aus der Hand der Luxemburger am 9. August 1402 in Arnswalde huldigten, befanden sich auch die von Beneckendorff. Die Neumark ist also die Wiege des Geschlechts, und aller Grundbesitz, den die Beneckendorfer vom 15. bis 18. Jahrhundert hier besessen haben, nimmt seinen Ausgang von dem Lehn, das die männlichen Mitglieder der Familie hier innehatten.
Ältere Urkunden nennen die Beneckendorffe in der Altmark, und in einem vor nicht allzu langer Zeit im bischöflichen Archiv zu Regensburg aufgefundenen Vertrage vom Jahre 1130, der einen Gütertausch zwischen dem damaligen Bischof Konrad I. und Konrad von Mengelingen behandelt, wird in der Zeugenreihe auch ein Gebehardus de Hindenpure genannt. Demnach scheint das Geschlecht ursprünglich in Süddeutschland ansässig gewesen zu sein. Bereits um das Jahr 1300 hatte sich die Familie von Beneckendorff in die Neumark hinübergezogen. Sie waren Grundangesessene in der Umgegend von Arnswalde auf Altenklücken und Wardin. Die altpreußische Chronik von Caspar Schulz und Caspar Henneberg meint, ein Ritter des Deutschen Ordens, Hans von Biendorp, der aus einem Sitz unweit Arnswalde stammte, müsste wohl ein Beneckendorff gewesen sein, da um Arnswalde nur Güter jener Familie lagen. Der Ritter sei auf Urlaub zu Hause gewesen und habe sich gegen die Ordensregel Pferde mitgebracht, obgleich kein Ritter Eigentum haben durfte. Der Hochmeister Werner von Orseln habe dies getadelt und die Rosse in den Ordensstall stellen lassen. Über die Maßnahme sei der Ritter in Zorn geraten und habe den Hochmeister im Kampf getötet; nach einer anderen Angabe ihn, als er nach der Messe aus der Kirche trat, mit einem Dolch erstochen. Eine mildere Schilderung ist, dem Ritter wäre wegen seiner Jugend die Teilnahme an einem Zuge gegen die Polen verboten worden, Um seine Männlichkeit zu beweisen, hätte er den Hochmeister gefordert und im Zweikampf getötet. Auf einer Tür in der Marienkirche ist der Vorgang verewigt: „Ach weh, ach weh und ach. weil er den durchlauchtigsten Hochmeister erstach. Im ewigen Kerker büßte der heißblütige Ritter seine schwere Tat.“ Im Laufe der Zeit breiteten die Beneckendorffs ihren Grundbesitz in der Neumark weiter aus. Sie besaßen im Kreise Arnswalde: Altenklücken, Wardin, Pammin, Wormsfelde, Halpe, Stolzenfelde und das Burglehn von Arnswalde. Im Kreise Templin: Petznik; im Kreise Soldin: Diekow, Giesenbrügge; im Kreise Königsberg: Klemzow; im Kreise Friedeberg: Blumenfelde; im Kreise Crossin: Drehnow und Liebenow. Aus der großen Zahl der von Beneckendorff heben sich besonders einige Mitglieder hervor, die im 16. und 17. Jahrhundert aus Wardin und Pammin hervorgegangen sind. In erster Linie war es der Kanzler der Neumark, Hans von Beneckendorff aus Wardin, ein Mann von bedeutenden politischen Fähigkeiten, der der Neumark schwere Kriegsjahre überdauern half. 36 Jahre lang diente er den Kurfürsten Joachim, Friedrich, Johann Sigismund und Georg Wilhelm als Kanzler, von allen drei Fürsten hochgeehrt. Er besaß Pammin, Drehnow und Schönfließ und war vermählt mit Katharina von Bardeleben. Er starb 1632. Mehrere Mitglieder des von ihm begründeten Pamminer Zweiges gelangten in höhere militärische Stellungen, so z.B. der Oberst Christoph von Beneckendorff, der am 4. November 1705 als Kommandant des Forts Friedrichsburg bei Königsberg umkam. Die jüngeren Söhne der verschiedenen neumärkischen Linien widmeten sich dem Kriegsdienst und fochten unter den Fahnen der Kurfürsten von Brandenburg und der Könige von Preußen in allen Kriegen. 23 Beneckendorffs starben den Heldentod auf dem Schlachtfelde. Gegen die Wardiner und Pamminer Linie des Hauses trat die Altklückener Linie, aus der der Generalfeldmarschall stammt, mehr in den Hintergrund. Ein halbes Jahrtausend hatte das Geschlecht bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Neumark geblüht, dann starb eine Linie nach der anderen aus. Die älteste Linie, die von Altenklücken aber bestand weiter. In ununterbrochener Folge waren hier vom Vater auf dem Sohn die Stammhalter vermählt gewesen: Hans, geboren 1430, vermählt mit Barbara von Billerbeck: die Frau der nächsten Nachkommen waren: Elisabeth von Günthersberg- Ravenstein, Elisabeth von Straußen- Wormsfelde. Margarete von Sydow- Dobberpfuhl, Elisabeth von Straußen- Zernikow und Ursula von Schack- Pirlwitz. Im Jahre 1760 wurde Hans Heinrich von Beneckendorff geboren, der sich mit Scholastika Katharina von Hindenburg aus dem Hause Falkenberg verheiratete. Er war der letzte, der den Besitz behielt. Sein Sohn Wilhelm Christoph, geboren 1714, ging nach Ostpreußen, um die militärische Laufbahn einzuschlagen. Er heiratete in der Ostmark Katharina von Brandt aus dem Hause Grunefelde. Grunefelde ist ein Gut bei Heiligenbeil, dazu erwarb Wilhelm Christoph noch Keimkallen; hier wurde der Großvater des Feldmarschalls 1770 geboren. Nach dem Tode der Mutter ging aber das alte, neumärkische Familiengut in andere Hände über. Die letzte Besitzerin von Altlücken, die geborene Scholastika von Hindenburg hatte einen Bruder, Otto Friedrich, der unvermählt geblieben war. Unter dem Alten Fritz hatte er tapfer gefochten und sich so ausgezeichnet, daß er den Orden, Pour le Merite erhielt und Oberst eines Infanterieregiments wurde. Der große König belohnte den treuen Offizier, der zwei schlesische Kriege mitgemacht und wegen seiner schweren Verwundung den Abschied hatte nehmen müssen, durch die Schenkung der beiden Güter Limbsee und Neudeck bei Rosenberg. „ich hatte nicht mehr den einen Stab, als ich über die Weichsel ging, und nun bin ich zweier Güter Herr geworden“, schrieb er kurz vor seinem Tode in seinem letzten Willen, indem er seinen Besitz seinem Großneffen, Johann Otto Gottfried, dem Enkel seiner Schwester, vermachte, den Wunsch damit verbindend, daß dieser zu seinem Namen jenen des mit dem Großonkel aussterbenden Geschlechts von Hindenburg führen möchte. König Friedrich Wilhelm II. genehmigte den Antrag. So waren zwei Heldennamen fortan vereinigt; sie tauchen fortan immer wieder in den Ruhmesblättern preußischer Regimentsgeschichte auf.
Kriege, Kontributionen, Einquartierungen forderten ihre Opfer; der reiche, über Altpreußen  verstreute Besitz der Familie schmolz zusammen bis nur noch Neudeck, eins der von Friedrich dem Einzigen geschenkten Güter übrig blieb, dort hauste Scholastikas Urenkel mit 14 blühenden Kindern. Der jüngste Sohn trat als Siebzehnjähriger in das erste Posensche Infanterieregiment Nr. 18 ein und heiratete 13 Jahre später Louise Schwickart, die Tochter eines mit dem Eisernen Kreuz geschmückten Kämpfers der Freiheitskriege. Am 4. Oktober 1847 brachte die „Posener Zeitung“ folgende Anzeige:
„Die heute Nachmittag 3 Uhr erfolgte glückliche Entbindung meiner geliebten Frau Louise, geborene Schwickart, von einem muntern und kräftigen Söhnchen beehrt sich ergebens anzuzeigen.

Posen, den 2. Oktober 1847
Beneckendorff von Hindenburg,
Leutnant und Adjutant.“