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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Aus Tankows besseren Tagen
Neumärkische Zeitung    24. November 1926

Der Lieblingsaufenthalt der Markgrafen.

Unser stilles Dörfchen in der Nordwestecke des Friedeberger Kreises, abseits der großen Verkehrswege, sollte einst bessere Tage gesehen haben? Man kann es ihm freilich nicht ansehen, daß es einmal - Stadt war und als solche von den Landesfürsten bevorzugt, ja in Brandenburgs Geschichte eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat. Nebenbei sei bemerkt, daß unsere Neumark noch manches Dorf hat, welches den Krebsgang machte, z.B. Schildberg, Kürtow, Hochzeit, Zantoch. Ehe Tankow vor mehr als 600 Jahren eine Stadt wurde, hatte es bereits seine Geschichte, obwohl diese nicht urkundlich festgelegt ist. Aber der slawische Name (taynkowe, jedenfalls verborgene Aue im Wald!) läßt in die Zeit zurückblicken, da die Wenden den aus unserer Gegend abziehenden Germanen folgten. Zwischen Tankows Seen versteckt in den damals riesigen Wäldern, war für die Slawen ein sicheres Wohnen, bis deutsche Ritter das Slawentum auch hier verdrängten.  Wenn wir nun alte Urkunden sprechen lassen, so können wir mit dem Jahre 1300 beginnen, da Tankow als Dorf erwähnt wird. Ein Brief des Markgrafen Ludwig d. Älteren aus den Februartagen 1347 verrät uns dann, daß der Ort inzwischen Stadtrechte erhalten hat, und bestimmt, daß eine Befestigung angelegt werden soll. Doch hat Tankow keine wirkliche Stadtmauer gesehen, nur ein Wall mit Blockzaun und Gräben davor werden äußerlich an eine Stadt erinnert haben. Auch die Einwohnerzahl entsprach nicht der eines mittelalterlichen Städtchens, wie man aus Angaben über Grundsteuer- Abgaben der neumärkischen Städte schließen kann. Dennoch wurde Tankow ein Lieblingsaufenthalt der brandenburgischen Markgrafen, die bei ihrer Anwesenheit manches wichtige Schriftstück aufgesetzt und unterschrieben haben. Die größte Bedeutung hat der Ort wohl in Septembertagen des Jahres 1348 gehabt. Da wurde er der Sammelpunkt aller getreuen Adelsgeschlechter der Neumark (v. Uchtenhagen, v. Wedel), auf die Markgraf Ludwig der Ältere bauen konnte, um sich gegen den falschen Waldemar zu behaupten. Welch kriegerisches Leben muß in jenen Wochen in und um Tankow geherrscht haben! Gleich darauf finden wir die Stadt in einem Schriftstück mit Landsberg, Friedeberg, Berlinchen in einer Reihe genannt. Ist das nicht Ehre genug? Dann sei erwähnt, daß die „Tankower Heide“ (damals das ganze Waldgebiet zwischen Landsberg, Friedeberg und Berlinchen!) oft das Jagdgebiet der Markgrafen war, weshalb auch der Ort selbst ein landesherrliches Schloß erhielt, in dem es in den Jagdzeiten hoch herging. Stadt und Heide sind auch mitunter verpfändet gewesen, an einen Frankfurter Kaufmann und an den Ritter v. Ost. Doch versuchte Markgraf Ludwig d. Ältere immer wieder, dieses Lieblingsrevier fest zu bekommen. Kam er doch nie in diese Gegend, ohne in Tankow Aufenthalt zu nehmen. Und als das Städtchen 1362 von einem Brandunglück melden mußte, konnte es auf großes Entgegenkommen des Landesherrn rechnen. Ja, Tankow konnte sich rühmen, Ende des 14. Jahrhunderts unter allen Schwesterstädten den Vorzug zu haben, unmittelbar dem Markgrafen zu unterstehen; denn in dem damals entstandenen „Landbuch der Mark Brandenburg“ steht ausdrücklich, daß sowohl oberste Gerichtsbarkeit als auch Grundsteuern und Einnahmen aus der Heide) 90 Wispel Heidehafer, 6 ½ Tonnen Honig, Abgaben für Holz- und Weideberechtigung) dem Landesherren zustehen. Wenn wir einmal zum Vergleich an die Bedeutung „reichsunmittelbarer“ Städte denken, werden wir es verstehen, warum Tankow auf diese Zeit besonders stolz sein kann. Lange dauerte es freilich nicht. Als Markgraf Johann in Geldnöten saß und vom Landvogt der Lausitz beträchtliche Summen geliehen erhielt, mußte er diesem Schloß und Stadt Tankow mit Vorwerken, Gewässern, Mühlen, Heiden, Wiesen usw. verleihen. Der landfremde Herr gelangte aber nicht in den Besitz dieses guten Pfandes; denn der damalige Hauptmann der Neumark machte ihm so lange Schwierigkeiten, bis die ganze Neumark im Juli 1402 durch Kauf an den Deutschen Ritterorden überging. Dieser wies alle Ansprüche des Lausitzer Edelmannes zurück. Obgleich König Sigismund 1403 selbst zugunsten des Landvogts entschied, war der Streit fünf Jahre später noch nicht beigelegt. Leider schweigen die Urkunden über seinen Ausgang wie auch über das folgende Halbjahrhundert, so daß von den Hussiteneinfällen 1433 und dem Rückkauf der Neumark seitens des brandenburgischen Markgrafen (1455) nicht erwähnt wird. Diese Jahre werden auch schwerlich zu Tamkows guten Zeiten zu rechnen sein. Die Glanztage waren nun vorüber, da jagtfeudige Fürsten oder Edelleute mit ihrem Gefolge Schloß und Gassen belebten, sogar mit der Stadt- Herrlichkeit war es aus. Als Markgraf Friedrich II. im Jahre 1465 der Familie Papstein Tankow verlieh, war es ein gewöhnlicher Herrensitz geworden. Kein Landesherr berührte mehr den Ort auf der Huldigungsreise oder bei der Jagd. Tankow ist seitdem aus der Reihe der geschichtlichen Stätten ausgeschieden. Es könnte nur noch von seinem Besitzer berichten und von mancher Sage, die sich an die Familie Papstein oder v. Brand knüpfen. Freilich zeigen uns die Bewohner noch die Reste der einstigen Befestigung, auch Schloß und Park, in dem eine mächtige Eiche schon die Zeit Karls des Großen (?) gesehen haben soll. Unter den gewaltigen Bäumen diese Parkes und zugleich am Ufer des Großen Sees läßt es sich aber noch heute träumen von Tankows besseren Tagen.