Aus der Chronik der Stadt Reetz.
Neumärkische Zeitung 28. November 1926
Aus der ältesten Geschichte der Gegend, wo der erste Grund zu der jetzigen Stadt Reetz gelegt wurde, fehlt jede Nachricht. Ohne Zweifel ist die Stadt eine slawische Gründung, was schon an dem Namen selbst zu ersehen ist, der von dem sklavischen Worte reka oder rieka, d.h. Fluß hergeleitet ist Diese Bezeichnung „Ort am Flusse gelegen“ oder „Flußort“ ist ja auch zutreffend, da Reetz an der linken Seite des Flüßchens Ihna liegt, das hier die Grenze zwischen Brandenburg und Pommern bildet. Der Ort verdankte wahrscheinlich einer slawischen Grenzburg seine Entstehung, denn in der Stiftungsurkunde des Klosters Reetz, die der Markgraf Otto IV. im Jahre 1296, also nicht lange nach der Besitzergreifung in unserer Gegend, gegeben hat, wird noch ein Burgwall und ein Schloßleben erwähnt. Polen und Pommern stritten in langen, blutigen Kämpfen mit wechselnden Erfolge um den Besitz des Landstriches zu dem auch der Arnswalder Kreis gehörte und der wegen der ausgedehnten, undurchdringlichen Waldungen von alten Geschichtsschreibern „Polnische Wildnis“ genannt wird. Erst als die Anhaltinischen Markgrafen die Germanisierung des Ostens vornahmen, lichtete sich das Dunkel. Die Markgrafen Johann II. und Otto III. entrissen nach harten Kämpfen das Land „jenseits“ oder „über der Oder“ - später Neumark genannt, den Polen und Pommern. Diese neue Mark (Neumark) umfaßte auch die heute zu Pommern gehörenden Bezirke Dramburg und Schievelbein. Unter diesen Markgrafen wurde auch der alte slawische Flecken Reetz ums Jahre 1254 in eine deutsche Stadt umgewandelt, die unmittelbar unter dem Landesherrn stand. (Immediatstadt.) Ihre von Natur aus geschützte Lage - sie liegt auf einem Sandhügel, der die Form eines mit der gewölbten Fläche nach oben gekehrten halben Eis hat und der früher von Wasser und Sumpf umgeben war, woraus sich ja auch die Anlage der Straßen, die meist enge Bebauung der Grundstücke und Abschüssigkeit der Hofstellen und Straßen nach dem Rande des Hügels zu erklärt - gab bald Veranlassung zu ihrer Befestigung. Wann diese begonnen und durchgeführt worden ist, läßt sich nicht feststellen. Ums Jahr 1340 scheint sie schon fertig gewesen zu sein, denn Markgraf Ludwig der „Ältere“ erließ in diesem Jahre der Stadt die halbe Urbede mit der Verpflichtung, sie zur notwendig gewordenen Befestigung der Mauer zu verwenden. Die noch vorhandenen Reste der alten Festungsmauer weisen nicht mehr die alte Höhe auf. Ein Osttor und ein Westtor durchbrachen die Mauer, beide waren durch Türme gesichert, die z.T. noch erhalten sind. Das Osttor hieß anfangs nach dem in seiner Nähe gelegenen Heiligengeist- Hospital - Heiligengeisttor, im 17. Jahrhundert Nantikower und heute Dramburger Tor genannt. Der zu diesem Tor gehörige runde Turm war ursprünglich höher, die kegelförmige, massive Spitze wurde erst später aufgesetzt. Er war ein Wartturm, der im untern Teil das Gefangenenverließ enthielt, zu dem man nur von oben her gelangen konnte. Das Westtor, zuerst Steintor, dann Mühlentor, jetzt Arnswalder Tor genannt, war durch einen eckigen Turm gesichert, der als Warte und als Zeughaus diente. Beide Tore enthielten im 15. Jahrhundert noch ein äußeres Tor. Ein Stadtgraben trennte das äußere vom inneren Tor, die Verbindung wurde durch eine Zugbrücke hergestellt, nur die inneren Tore hatten verschließbare, eiserne Fallgatter. Beide Außentore wurden 1823 abgebrochen. Neben diesen beiden Toren vermittelten auch einige Pforten den Eingang in die Stadt. Bis vor nicht zu langer Zeit stand in der nördlichen Stadtmauer, unfern dem Gerichtsgefängnis, ein ziemlich bedeutender Turm, Herenturm genannt. Es war ein rundes, unten aus Feldstein, im oberen Zylinder aus Mauersteinen errichtetes Bauwerk mit 6 Fuß starken Fundamenten, das im Jahre 1829 noch 36 Fuß hoch war. Die Nordseite der Stadtmauer war außerdem noch durch einen Wall geschützt, aus dem durch Abtragung und Planierung die heutigen Walländer entstanden sind. Die Südseite, das Elsbruch war eine Wasserfläche.
(Fortsetzung folgt)