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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Sagen aus dem Dorf Radach.
Neumärkische Zeitung      28. November 1926
Gesammelt von Lehrer Schäle (Radach)

Der Drache aus der „Hohlen Gruft“
Auf dem Wege von Radach nach Klein- Kirschbaum muß man durch die „Hohle Gruft“. Hier fand einst ein Radacher Bauer eine schwarze Henne und nahm sie mit nach Hause. Es war ein Gelddrache. Er erzählte keinem sein Geheimnis. Sperrte die Henne in ein Faß auf dem Boden und trug ihr eigenhändig jeden Mittag das Essen hin, das nicht zu heiß und nicht zu kalt sein durfte. Als er einst verreisen mußte, weihte er seine Frau ein, die aber der Henne zu heißes Essen gab. Da verwandelte diese sich in einen Drachen, der Feuer spie und das Haus entzündete. Die herbeieilenden Nachbarn sahen aber aus dem Schornstein einen feurigen Schweif aufsteigen, der in den Lüften verschwand. Das Haus brannte nieder.

Der Kuchen des Teufels.
In der Nähe des Dorfes Radach erhebt sich auf den Schwanebergen ein Hügel, der im Volksmunde den Namen „Teufelsberg“ führt. Die Sage weiß von ihm folgendes zu berichten: Eine Radacher Holzsammlerin war an den Teufelsberg gekommen und setzte sich, um ihr Mittag zu verzehren, an den Fluß desselben. Als sie aufblickte, sah sie auf dem Bergkegel eine alte Frau, die gerade ein Kuchenblech abkratzte und gleich darauf verschwunden war. Die Holzsammlerin dachte bei sich: „Du würdest jetzt auch ganz gerne ein Stück Kuchen essen!“ In demselben Augenblick lag auf ihrem Schoß ein solches. Als sie sich erschrocken umschaute, rief eine Stimme aus dem Berg. „Iß nur, iß!“ Sie aß den Kuchen; verließ aber dann sofort die ihr unheimlich werdende Stelle und lief nach Hause, wo sie den Nachbarn ihr Erlebnis erzählte. Bald mußte sie sich hinlegen und starb kurz darauf. Der Doktor stellte in ihrem Magen ein Stück Eisen fest. Die alte Frau auf dem Hügel war keine andere, als die Großmutter des Teufels, und der Hügel heißt seitdem Teufelsberg.

Die Zwergenwohnung unter dem Findling
In der Nähe des Schwanelauchs beim Dorfe Radach liegt auf einem Hügel mitten im Walde ein großer Findling. Die Sage berichtet, daß sich unter ihm die Wohnung von fünf Zwergen befindet. Einst kam ein Reiter, der sich verirrt hatte, in die Nähe des Steines. Da sah er eine Elfe mit einem langen, wallenden Schleier. Er wollte sie greifen; aber sie verschwand blitzschnell unter dem Stein. Als er auf seinem Pferde an dem Stein hielt, sank plötzlich der eine Vorderfuß desselben in die Erde. Trotz größter Anstrengungen war es ihm nicht möglich, den Fuß des Pferdes wieder herauszuziehen. Dieser brach schließlich ab, und der Reiter mußte auf dem dreibeinigen Pferd nach Hause reiten. Noch heute soll Menschenkraft nicht ausreichen, den Stein von der Stelle zu bewegen. Da die Zwerge denselben als Schutz über ihre Wohnung festhalten.

Die Erscheinung am Pechlauch.
Unweit der Karpfenteiche, nahe der Trebower Grenze, liegt der Pechlauch. In einer klaren Mondnacht sah einst ein Wanderer über ihm die Gestalt einer Frau schweben und langsam auf sich zukommen. In der Hand hielt sie eine kleine Uhr. Als er noch vor Schreck erstart dastand, reichte sie ihm die Uhr mit den Worten: „Die Uhr sollst du ein Jahr behalten und darfst sie nie vergessen aufzuziehen; dafür sollst du fürstlich belohnt werden“. Die Erscheinung war verschwunden, und gedankenvoll zog der Wanderer seines Weges. Bald vergaß er die Uhr. Nach einem Jahr kam er wieder am Pechlauch vorbei. Plötzlich stand vor ihm der Geist. Die hohle dumpfe Stimme sprach: „Durch deine Nachlässigkeit und dein Verschulden bin ich nun nicht erlöst, zur Strafe sollst du hinfort ruhelos mit mir wandern“. Und sie zog ihn widerstandslos hinein in den Lauch. Noch heute glaubt der Wanderer, zur Geisterstunde in mondhellen Nächten über dem Pechlauch zwei Gestalten Hand in Hand schweben zu sehen.