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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Aus alten Landkarten des Meseritzer Landes
Neumärkische Zeitung     18.August 1932
Von Erwin Gassert.

Im Jahre 1773 lag Friedrich dem Großen endlich eine Karte von Polen vor, die seinen Ansprüchen genügt zu haben scheint. Quartiermeister von Pfau war von ihm mit ihrer Aufnahme beauftragt worden, und zur Mitarbeit waren ihm die Quartiermeisterleutnants von Goltz, von Knobloch, von Winterfeld und von Thadden zugewiesen worden. Sowohl die Originalkarten wie auch Kopien, die im Auftrag des Königs davon hergestellt wurden, sind erhalten und zeigen eine außerordentlich feine, sorgfältige Arbeit. Die Höhen sind in Schraffen dargestellt, ganz besonders stark aber heben sich entsprechend seiner Bedeutung im Kampfe, der Wald heraus: er ist in schwarz- grauem Flächenkolorit eingetragen. Aufnahmetechnisch und zeichnerisch stellen diese Kartenblätter Meisterwerke dar; der König ordnete ihren Druck an. Sie wurden von Le Clair umgezeichnet und von Schleuben in zwölf Exemplaren zu je 48 Blättern (von denen jedoch nicht alle erschienen sind) gedruckt. Interessant an diesem Drucke ist die völlig abweichende Haltung der Karte; Da Friedrichs Hauptgegner im Süden stand, Österreich, mußte der Blick dahin gerichtet sein. Deshalb mußten die Karten so gedruckt werden, daß Norden unten, Osten links waren. Mit diesem Kartenwerk war ein Höhepunkt erreicht, an den weder die Originalkarte Kaysers noch die Kopie derselben von Schmidt aus dem Jahre 1775 herankommt (Der mittägliche Theil des Netz Distrikts). Die exakte Karte für Polen war begründet, und es war nun nur noch eine Frage der Zeit, durch Vervollkommnung der Aufnahmemethode und durch Detaillierung der Aufnahme selbst den Inhalt der Karte zu bereichern und die Genauigkeit zu steigern.
Bei der zweiten Teilung Polens im Jahre 1793 fiel das Gebiet beiderseits der Warthe und mit ihm die heutige Restprovinz Posen als Südpreußen an Preußen. Damit war das Gebiet in den Interessenkreis nicht bloß des preußischen Strategen, sondern auch der allgemeinen Staatsverwaltung und der Allgemeinheit gerückt, und die Verleger von Landkarten benutzten die Konjunktur, Karten auf den Markt zu bringen, zu denen eine Reihe amtlicher Drucke hinzukam. Schon 1798 erscheint von v. Hopfgarten und Sotzmann „Der Meseritzer Kreis“ und 1799 Sotzmanns „Atlas von dem Kammerbezirk Posen“, beide im Maßstab 1: 200 000, letztere in 18 Blättern von den Kreisen der Provinz. Hier wird uns erstmalig die politische Einteilung des neuen preußischen Landes mitgeteilt. und wir sehen, daß Brätz und Tirschtiegel mit den Dörfern Rybojadel, Schierzig, Rogsen zum Kreise Bomst, Kutschkau und Dürrlettel aber schon zu Meseritz gehören. Auffällig ist bei beiden Ausgaben aber die Verbreitung des Waldes, die von den friderizianischen Karten wie auch von etwa gleichzeitigen stark abweicht. Man wird also wohl annehmen müssen, daß dieser Neuerscheinung viel älteres Material zugrunde gelegt worden ist, das mir unbekannt geblieben ist. Sotzmann selbst hat nicht kartiert, sondern nur herausgegeben. Hervorzuheben sind besonders zwei Kartenwerke dieser Zeit: die 45 Blätter des Oberstleutnants von Brodowski, die in den Jahren 1796- 1802 entstanden sind im Maßstab etwa 1: 58 000, sowie die Karten des Geheimen Oberbaurats Gilly, die im Maßstab 1: 50 000 auf 89 Blättern aufgenommen worden sind. Gilly gibt in acht Farben im Original mit sehr sorgfältiger Zeichnung eine prachtvolle Karte, in der als hellgraues Flächenkoloritt der Wald, hellgrün die Wiesen und blau die Gewässer dargestellt sind. Die Höhenzüge und Berge zeichnet er mit Schraffen, leider aber nicht ganz zutreffend. Höhenangaben fehlen noch. Als interessante Einzelheit aus dem Gebiet des Kreises Meseritz seien erwähnt die Kalkofen bei Schindelmühle (Abbau von Wiesenkalk!), nördlich davon die Hammermühle, bei der einer der fünf Hauptwege, die Straße von Bomst über Brätz, ihr Ende findet und die auf die Verarbeitung von Raseneisen hinweist, die Walk- und Schneidemühlen südlich Meseritz und endlich der Neukrug an der gleichen Straße Bomst - Brätz. Er liegt fast genau in der Mitte zwischen beiden Orten bei einer Ziegelei und ist heute verschwunden. Sicher ist als wohl damals diese schon alte Straße viel benutzt worden. Westlich von ihm befindet sich heute das zum Gut Kuschten bei Neu Bentschen gehörige Vorwerk Grüntal. In den Jahren 1802/ 03 läßt dann Gilly nach diesem Material, das nur mit Bussole aufgenommen worden ist, die „Spezialkarte Südpreußens“ im Maßstab 1: 150 000 nach den Ergebnissen der amtlich trigonometrischen Vermessung gezeichnet in Berlin erscheinen. Damit ist ein weiterer entscheidender Schritt zur Erlangung topographischer genauer Karten getan!
Auf kurze Zeit wechselte die Provinz Posen wieder ihren Besitzer; im Jahre 1806 ging sie Preußen auf neun Jahre (bis 1815) verloren und wurde zum Herzogtum Warschau geschlagen. Ob in dieser Zeit neue Karten entstanden sind, vermag ich nicht zu sagen. Ich nehme das aber nicht an. Das Geld war ja auch rar und wurde für Kanonen gebraucht. Aber aus dem Jahre 1821 liegt wieder eine „Special Karte von dem Meseritzer Kreise 1821 in Stein graviert“ vor (graviert von Florian Freudenreich in Posen). Sie gibt ein Bild der Verkehrsverhältnisse jener Zeit, und es lohnt wohl, dabei etwas zu verweilen. Die Kreisgrenze ist weit nach Süden gerückt, bis fast nach Bomst (nördlich Posemukel), dafür schneidet sie etwa 2/4  Meilen nördlich Meseritz von Westen nach Osten durch den Glembuchsee. Nach Osten reicht sie ins heutige Polen bis südlich Birnbaum. In der Legende nennt die Karte außer der Zeichenerklärung als „Flächeninhalt 22,2994 Quadrat Meilen. Volkszahl auf dem platten Lande 18 766, in den Städten Meseritz 3953, Brätz 1362, Bentschen 1131, Betsche 1059, Alt Tirschtiegel 606, Neu Tirschtiegel 1274; Summa 28 151.“ Eisenbahnen gab es ja noch nicht, so vermittelte den Reiseverkehr neben der Nachrichtenbeförderung die Post. Dazu standen zur Verfügung ein „Post Amt und Station“ in Meseritz, „Postwärter Amt“ in Bentschen, Neu Tirschtiegel, Brätz, Bomst und eine „Station“ in Schilln. Zwei Hauptpoststraßen kreuzten sich in Meseritz, die eine von Schwiebus nach Schwerin a.W., die andere von Zielenzig über Betsche nach Pinn. Hier stand dem Reisenden die „fahrende Post“ - heute würden wir sagen „die fahrplanmäßige“ zur Verfügung. Sonst gab es Cariol- Extraposten, reitende Extraposten und Boten.
Da außer den beiden genannten Poststraßen nur noch zwei Hauptlandstraßen; von Schwiebus über Brätz- Dürrleitel nach Tirschtiegel = 3 ½ Meilen, und von Brätz über Rogsen - Strese nach Neutomischel = 4 Meilen zur Verfügung standen, waren die Extraposten meist auf „Extra Postwege“ angewiesen, wie von Bomst nach Brätz, oder von Bomst über Kuschten- Chastawe nach Tirschtiegel. Oft aber waren auch diese Postwege nicht vorhanden, und da fuhr die „Extrapost auf Dorfweg“. Wer einmal auf den meist sehr sandigen Postwegen gewandert ist, - ich erinnere an den Weg von Bomst nach Brätz! - wird sich vorstellen können, daß solche Fahrt geruhsam vor sich ging. Zeit gehörte zu solchen Reisen und viel Duldsamkeit, wenn im Sommer die Sonne heiß auf die Postkutsche brannte. Und nun stelle man sich die Fahrt auf „Dorfweg“ vor! Das dürften die Wege gewesen sein, auf denen die oft beschriebenen und gezeichneten Rad- und Achsenbrüche erfolgten, und halb zerschlagen langten die Reisenden auf solchen Straßen am Ziel an. Wer von Bebtschen nach Meseritz reisen wollte, dem blieben solche Wege nicht erspart, von Dammer bis Rogsen und dann von Kutschkau über Dürrkettel- auf „Dorfwegen“. Wer aber von Tirschtiegel nach Meseritz wollte, der konnte mit der Cariol- Post bis Schilln fahren. Dort war eine Poststation, bei der er Anschluß zur Weitereise bekommen konnte. Reitende Posten verkehrten zwischen Zielenzig- Meseritz- Pinne, Boten gingen zwischen Bomst und Bentschen und zwischen Brätz und Meseritz, sowie von Meseritz über Stalun nach Birnbaum.
Bereits im Jahre 1822 liegen die ersten Originalkarten der Aufnahme für die preußischen Meßtischblätter vor, im Jahre 1828 folgen die letzten für den Kreis Meseritz. Es sind ausschließlich Offiziere, die im Auftrag des preußischen Generalstabes diese Arbeit im Gelände leisteten und die erste Karte zeichneten, die nun allen Anforderungen einer guten modernen Kartierung entsprach. Ihre handgezeichneten und kolorierten Karten wurden die Grundlage sowohl für die Höhenschichtenkarte 1:25 000, das preußische Meßtischblatt, wie auch für die „Karte des preußischen Generalstabes“ im Maßstab 1: 100 000, die dann kurz als „Generalstabskarte“ bezeichnet wurde und heute den Namen „Karte des Deutschen Reiches im Maßstab 1:100 000“ führt. Bis etwa zum Jahre 1850 waren beide Ausgaben umgezeichnet und erschienen, zwei Kartenwerke, die in Genauigkeit der Aufnahme wie auch in der zeichnerischen Wiedergabe Kunstwerke darstellen, die kaum zu übertreffen sind.
So zeigt sich in der Entwicklung der Kartographie der Provinz Posen ein Stück preußisch- deutsche Kulturarbeit. Denn wenn auch bereits in der fritzischen Zeit polnische Karten vorhanden waren, verläßliche Karten als Ergebnis verantwortungsbewußter Arbeit entstanden erst unter preußischen Einfluß, und topographisch genaue Aufnahmen, die sich nicht vor allem auf schon vorhandenes oft recht fehlerhaftes- Material beruft, somit im Gelände das Kartenbild nach einwandfreier Methode schafft, setzt schlagartig ein, als das Gebiet dem preußischen Staate eingegliedert war.