Lieben, ein alter Herrensitz im Sternberger Lande.
Neumärkische Zeitung 30. Dezember 1926
Lieben, dieser Ort mit dem lieblichen Namen im Sternberger Lande, ist wahrscheinlich von den Deutschen vor etwa 600 Jahren angelegt worden. Darauf deutet der Name des Dorfes und die Zahl der zum Dorfe gehörenden Hufen Landes hin. Kirchlich gehörte Lieben vor 1538 zum Bistum Lebus. Den Kirchen des Bistums waren 8 Stiftssprengel zugeteilt, von denen drei im Sternberger Lande lagen, Lieben gehörte zum Drossener Sprengel und hatte an den Bischof eine bestimmte Abgabe, das Kathedratirum, zu entrichten. Diese Abgabe betrug im Jahre 1400 etwa 240 Silbergroschen. Weltlich gehörte Lieben seit 1250 zur Mark Brandenburg. Seit den ältesten Zeiten wohnten im Orte Ritter. Diese waren um 1400 im Besitze einer großen Zahl Freihufen. Im Jahre 1412 wurden von dem ersten Hohenzollern-Kurfürsten Friedrich dem Ersten drei in Lieben wohnende Brüder, die Rotz oder Rotsche, mit 40 Hufen von Lybenow belehnt. Die übrigen 24 Hufen erhielt Appel Rotsch, ein Neffe der 3 Brüder, als Lehen. Im Jahre 1472 war Hans von Schlabendorf als Lehnsritter in Lieben ansässig. Dieser scheint ebenso wie sein Namensvetter und wahrscheinlich Verwandter, Ilow von Schlabendorf, zu Grunow bei Drossen, der 1458 seinen Ort an die Stadt Drossen verkaufte, sehr nötig Geld gebraucht zu haben; denn er verkaufte Gerechtsame von Lybenow an andere Edelleute. Im Jahre 1501 verkaufte Otto von Schlabendorf, ein Verwandter des Johanniter- Ordensmeisters George von Schlabendorf zu Sonnenburg, die Hälfte des Dorfes an den Ritter Buntsch zu Schönwalde. Bereits 1536 finden sich die Selchows in Lieben, wo sie wenigsten 200 Jahre saßen. Die Söhne des alten Selchow, Andreas und Hans, wurden im genannten Jahre von Johann von Cüstrin mit dem Dorfe Lieben belehnt. Bis nach dem Siebenjährigen Kriege sind die Selchows hier ansässig gewesen. Im Jahre 1556 verkaufte Andreas von Selchow seinen Anteil vom Dorfe an Hans von Minkwitz, den Hauptmann des Sternberger Landes, der sonst in Drehnow ansässig war. Da die Söhne des Hans von Selchow, Kasper und Melchior, schon viele Jahre außer Landes waren und nicht mit Lieben belehnt werden konnten, der alte Selchow aber in Lieben bleiben wollte, so kauften seine Neffen, die Söhne seines Bruders Andreas, den veräußerbaren Teil des Dorfes von Hans von Minkwitz zurück. Als der alte Selchow gestorben war, erhielten die Neffen auch die andere Hälfte des Ortes Lieben. Einer von ihnen, Heinrich von Selchow, wurde nach dem Tode seiner Brüder 1575, Besitzer des ganzen Dorfes. Ein Nachkomme, der Landesdirektor Hans Melchior von Selchow, war mit dem Großen Kurfürsten befreundet. Der Große Kurfürst übernahm deshalb die Patenstelle eines Sohnes dieses Ritters. Noch vor Jahren zeigte man in dem allerdings vielfach umgebauten Schlosse das Zimmer, in dem der Große Kurfürst Pate gestanden haben soll. Der Landesdirektor von Selchow baute in Lieben 1645 auch die Kirche, die etwa bis 1830 gestanden hat. Ein Sohn dieses Landesdirektors war der Rittmeister Malchior von Selchow auf Lieben und Ostrow. Dessen Sohn Joachim Bernd von Selchow wurde Hauptmann des Sternberger Landes. Das Rittergut, das heute über 5000 Morgen umfaßt, hatte früher herrliche Eichen- und Buchenwaldungen. Als 1816 der Hauptmann von Sprenger das Gut von dem Grafen Reuß erworben hatte, wurden die Waldriesen gefällt und für billiges Geld, meist zum Schiffbau, verkauft. Wochenlang wurden die prächtigen Stämme über Biberteich, Tornow und Reppen nach Aurith gefahren, um von dort auf dem Wasser verflößt zu Werden. Auch die Einwohner des Sternberger Landes haben in dieser Zeit häufig ihren Holzbedarf aus dem Liebener Waldungen gedeckt. Seit etwa 20 Jahren gehört das Gut dem Rittergutsbesitzer Neumann.