Zwei Sagen vom Hopfensee
Neumärkische Zeitung 2. April 1926
1. Die Stadt Berlinchen liegt zwischen zwei Seen, dem „großen See“ und dem „Hopfensee“. Der Hopfensee ist nur klein, aber tief. Wo dieser See jetzt ist, stand früher ein Mönchskloster. Das ist untergegangen wegen der Sünden der Mönche. An einem Johannistage nämlich erhob sich ein furchtbarer Sturm und ein gewaltiges Regenwetter, daß die Umwohner glaubten, es käme das Ende der Welt. Das dauerte bis zum Abend. Als darauf die Sonne wieder hervorbrach aus den Wolken und es still wurde, war das Kloster verschwunden und an seiner Stelle der See. An jedem Johannistage aber kommt eine Jungfrau aus dem See, die ruft ein dreimaliges Wehe aus, und dann hört man in der Tiefe Läuten. Dicht am Hopfensee, auf der Seite, wo die Chaussee nach Bernstein hinläuft, ist eine Höhe, der Berg genannt. Auf dieser hat einst ein Schloß gestanden, das ein Herr von Voß bewohnt haben soll. Dieser war als Wegelagerer in der Umgebung bekannt. Da sein Schloß sehr hoch war, so bot er jedem Trutz und niemand konnte ihn zur Rechenschaft ziehen. Aber in einem schrecklichen Unwetter stürzte Gott das feste Schloß mit allen Bewohnern in den Hopfensee. - An jedem Johannistage mittags 12 Uhr erscheint eine Nixe, die sitzt auf einem Stein an dem See und kämmt ihr Haar, der Stein heißt der Nixenstein. Die Nixe soll eine Kammerfrau bei Herrn v. Voß gewesen sein, und großen Anteil an seinen Gräueln gehabt haben.
2. Das Rittergut, Tobelhof bei Berlinchen.
Dicht bei Berlinchen, an der südöstlichen Seite, liegt das Rittergut Tobelhof, dessen Gebäude grenzen an den großen See. Die Entstehung des Gutes und seines Namens „Tobenhof“ wird erzählt: Ein Kurfürst von Brandenburg, es soll Kurfürst Sigismund gewesen sein, hatte eine Geliebte in jener Gegend, die er öfters besuchte. Da er nun das ihm von ihr geschenkte Kind gern zu etwas gemacht hätte, ohne sich gerade öffentlich als Vater desselben zu bekennen, so hieß er der Mutter, an einem bestimmten Tage das Kind an dem Wege, wo er mit seinem Gefolge Vorüberreiten werde, auszusetzen. Dies geschah und zwar in der Gegend, wo noch heute die Gebäude des Tobenhofes stehen. Sie hatte das Kind in einen Kober (Täbel) gelegt und der Kurfürst, diesen bemerkend, fragte was da in der Täbel sei; man brachte ihm denselben, da rief er aus: „ Das ist der Junker vom Tobel, und die Gegend, wo wir ihn gefunden , soll sein Wohnsitz sein.“ So schenkte er dem Kinde das Gut, welches nach seinem Namen Tobelhof genannt wurde und in früherer Zeit eine bedeutende Gerechtsame und Ausdehnung besaß, denn es gehörte mehrere Dörfer, worunter auch Clausdorf bei Berlinchen, zur Gerichtsbarkeit des Tobelhofes, und waren ihm zinspflichtig.
3. Die Marienkirche zu Königsberg in der Neumark,
enthält den Leichenstein eines schon frühzeitig verstorbenen Sohnes des dortigen Predigers Fuchs mit den Versen:
„In diesem Ruhebettelein
Schlaf ich, des Pfarrers Hänselein.
Die Zeit, so ich lebt` in diesem Jammertal
War das ganze sechs und sechzigste Jahr,
Dazu das siebend` halb, nimm wahr;
Groß Unfall mich mein` Eltern nahm
Durch Christi......kam.
Darf nicht mehr fürchten Unfallsnot,-
Den Teufel, noch gefährlich Tod;
Gott tröst` die betrübten Eltern mein,
Erhalt mein liebe Schwesterlein,
Beschütz mit Deiner starken Hand
Die elend Kirch und Vaterland.“
4. Anno Christi 1562, den 15ten Augusti, als Herr Wentzel Kielmann, Pfarrherr zu Cüstrin, in Gott verstorben, hat sich folgenden Tages um 1 Uhr, als man ihm hat wollen zu Erden bestätigen, ein solch` Ungewitter mit Donnert, Blitzen und Regen erhoben, daß man vermeint, die Stadt würde untergehen. Es haben aber etliche Zauberinnen, auf welche er zuvor heftig gepredigt, solches zuwege gebracht (wie sie hernach selbst bekundet), daß man meinen sollte, des Pfarrers Seele wäre vom Teufel im Wetter hingeführt. Im Oktober 1533 ist in der Neumark ein starker Wind gewesen, drei ganze Tage lang, in welchem man zu Königsberg in der Neumark zwei Weiber, so wegen der Zauberei berüchtigt gewesen, beide in einem Hause tot liegen gefunden, und hat niemand gewußt, wie sie zu Tode gekommen. Der die Seelen im Sturmwind entführende Teufel ist kein anderer, als der im Sturm einherbrausende Todesgott Wuotan. Als er unter der Herrschaft des Christentums zum ruhelosen wilden Jäger degradiert wurde, kamen in seiner Schar nur noch Verbrecher oder Selbstmörder. Darum sagt man noch heute in Fahrland bei Potsdam, wenn ein plötzlicher Wirbelwind entsteht, es habe sich einer erhängt. Auch in Schwaben ist dieser Glaube verbreitet.
5. Das Jahr 1576 am 11. Sonntag nach Trinitatis hat der Pfarrer zu Königsberg in der Neumark eine lebende Eidechse nicht weit vom Kelche unter dem Altartuche gefunden, welche er samt dem Altartuche gefaßt und hinweg getragen hat. Er sei davon krank geworden, sehr geschwollen und im folgenden Jahre gestorben. Man hat es dafür gehalten, sie sei von Zauberinnen dahin gelegt. Eine Erklärung dieser Sage gibt Wolf in seinen „Deutschen Sagen“ dahin ab, daß nach alter Überlieferung die Eidechsen einem buhlerischenVerkehr zwischen Teufel und Hexen ihre Entstehung verdanken! Mit aus solchem Verkehr geborenen Eidechsen hat im Jahre 1687 ein Mädchen aus Arendsee Menschen und Vieh geschädigt. Luther erzählt in den Tischreden, eine Frau habe ihren Mann bezaubert, daß er fortwährend Eidechsen ausgebrochen habe.