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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Die Siedlungen und Dorfgründungen in Polen in der Zeit von 1550 bis 1650
Neumärkische Zeitung   27. April 1931

Einwanderungen nach Polen fanden dauernd statt. Der stärkste Strom floss wohl um 1500. Die Gründe der Auswanderungen waren die Beschränkung der freien Religionsübungen und die Lockungen der in deutschen Landen herumziehenden Agenten, welche für die Ansiedlung in Polen warben. In der Mark Brandenburg war die Abwanderung so stark, daß sich die dadurch geschädigten Grundherren an den Kurfürsten wendeten und um Abhilfe baten. Den Protestanten wurde in Polen die freie Religionsübung nicht unterbunden. Sie konnten sich auch eigene Gotteshäuser, doch ohne Turm bauen, auch Geistliche anstellen, sie mußten aber katholischen Kirchen ihren Zehnten abführen. Sie konnten sich von den katholischen Geistlichen taufen, trauen und beerdigen lassen und ist bei Kirchenbucheintragungen von Protestanten vermerkt, Akatholici oder Lutherani.
Wir finden aber zeit- und gegendweise Abweichungen von diesen Normen. Meist bekamen freie angesehene Männer den Auftrag ein bestimmtes Landstück aufzuteilen und zu besiedeln. Dieser Auftrag wurde zunächst mündlich erteilt und nach Erledigung des Auftrages dem „Unternehmer“ hierüber als Dorfgründer eine Urkunde ausgestellt. Es heißt dann „Wir haben zugewiesen und weisen zu. Wir haben die Macht gegeben und geben die Macht usw.
Die Siedlerstellen waren meist eine Hufe groß, also 40 Morgen. Der Gründer erhielt gegen Bezahlung das Doppelte und wurde Freischulze. Er mußte also als solcher für Ordnung im Dorfe sorgen. Er hatte die Steuern einzutreiben, aufzupassen, daß die Grenzsteine nicht verschoben und die Zäune nicht verfeuert wurden. Er trug als Abzeichen seiner Würde das Schwert, hatte eine gewisse kleine Gerichtsbarkeit und hatte die Mannschaft auch zeitweise im Schießen auszubilden. Der Bauer hatte Hand- und Spanndienste zu leisten, der Freischulze nur „einige fuhren abzutun“ d.h. den Reisewagen des Grundherren zu bespannen.
Im Kreise Deutschkrone kommen als Dorfgründer in Betracht:
Dionysius Klawitter. Er gründete Glowacz (Glowaczewo), welches schon 1604 als Klawitterdorf amtlich geführt wird. Die Älteste Urkunde dieser Familie ist 1590 vom König von Polen ausgestellt.
Paul Busse in polnischer Verdrehung des Namens Bursza erhielt am 8.7.1594 eine Urkunde über die Gründung des Dorfes Lezenice, später Riege genannt. Diese Urkunde wurde 1624 vom König Sigismund dem Dritten bestätigt und liegt im Staatsarchiv zu Warschau. Ein Nachfahre gründete 1738 das Dorf Laskowo bei Samotschin, von einem weiteren Dorfgründer werden wir weiter unten hören. Die Busses sind als Landwirte in der Provinz Posen sehr verbreitet.
Georg Schewe (polnisch Szyba) gründet auf Befehl des Starosten Andreas von Gorka Doderlage und erhält 1582 hierüber ein Privileg.
Peter Schmidt aus Kunzendorf fundiert auf Anordnung desselben 1585 Groß Wittenberg. Er zahlt für 2 Hufen 200 Floren. Die Bauern erhalten eine Hufe und haben 1 Taler Zins zu entrichten und 7 Tage Hand- und Spanndienste auf dem Schloß des Grundherren oder dem Schloßwerk zu tun.
Im Jahre 1782 finden wir in Gr. Wittenberg noch einen Freischulzen Schmidt, dann verschwindet der Name dort.
Valentin Horn, der Bürgermeister von Deutsch- Krone gründet auf Geheiß des Starosten Gorka 1570 Zippnow (sub nowo radice) wie es in der Urkunde heißt.
Franz Freimark erhält 1579 ein Privileg über das Schulzengut in Krummfließes ist aber nicht festzustellen, wenigstens augenblicklich nicht, ob es sich um eine Dorfgründung oder nur um eine Übertragung des Schulzengutes mit den daran geknüpften Funktionen handelt. Über jeden solchen Besitzwechsel wurden Briefe ausgestellt.
Aus dem Kreise Deutsch Krone wanderten dann Schulzen aus um auch in anderen Kreisen Gründungen von Dörfern vorzunehmen.
Johann Jeschke besiedelte im Kreise Filehne das Dorf Gr. Drensen im Jahre 1593. Die Familie, welche jetzt noch darauf sitzt, stammt wahrscheinlich aus Schlesien oder Böhmen. Der Jeschkenberg erinnert an sie.
Martin (Marczinowicz) aus Schönow im Kreise Deutsch- Krone gründet 1592 Kl. Drensen.
Martin Busse legt Selchowhammer an. Die Gründung war schon 1604 angeordnet worden. Er kommt auch aus Schönow und ist ein Nachkomme des Paul Busse, welcher Riege fundiert. Hier saß die Familie bis 1797, dann kaufte Andreas die Herrschaft Fuhlbeck im Kreise deutsch Krone. Selchowhammer hatte während der Besitzerzeit der Busses den Namen Bussenhammer. Der oben genannte Andreas stiftete für die neue protestantische Kirche in Filehne, jetzt ist der Teil polnisch, und heißt Wielen, Kanzel und Altarumbau.
Die Gründer Thomas und Lukas Grams legen im Jahre 1638 das Dorf Bukowiec (Gramsdorf) im Kreise Obornik an und erhielten 1641 eine Urkunde darüber; aber bereits 1774 finden wir auf dem Schulzengut die Familie Kant.
In dem gleichen Kreise gründen 1637 Paul Arndt Podanin und Christoph Schendel Beyersdorf. Letztere Familie soll aus Schlesien stammen. Sie sind auch vielfach Tuchmacher.
Nickel Konkel (Kunkel) und Martin Abramowicz (Abraham) besiedelten 1630 Radom, welches bereits um 1760 in den besitz der Schendels kommt.
Martin Pilatzke legt 1618 das Dorf Neudorf (Kazmir) im Kreise Czarnikau an, die Schulzerei geht später an die Mittelstädts über, welche als Landwirte sich über die ganze Provinz Posen verbreiten und viel Grundbesitz erwerben.
Christoph und Daniel Jandike (Janike) bekommen 1635 von Barbara Sokolowska den Auftrag die Gründung eines Dorfes vorzunehmen und es Sokolowo zu nennen, um „der Desolation der Königlichen Güter in der Rogasener Starostei vor zubeugen“. Der Ort bekam später den Namen Jankendorf und liegt im Kreise Kolmar in Posen.
Alle diese Gründungen geschahen nach deutschem Recht. Versuche Polen mit Erfolg anzusiedeln, waren gescheitert. Es steht daher  in den Urkunden, daß deutsche Bauern angesiedelt werden sollen. Es sind hier nur Gründer genannt, über deren Tätigkeit Urkunden vorliegen. Es würde zu weit führen alle die anderen Einwanderer aufzuführen. Jedenfalls ist es zu ersehen, daß der Zustrom deutscher nach Polen ein außerordentlich starker war, daß schaffensstarke Menschen hinkamen, welche ihre Kultur, ihre Intelligenz, ihre Kraft zum Teil schon vor 300 Jahren zur Verfügung stellten. Sie wurden von den damaligen Grundherren gerufen. sie rangen dem verwahrlosten Acker binnen kurzer Zeit Erträge ab und gaben der ganzen Gegend bald ein anderes Gepräge. Die Stammfolgen eines Teils dieser Familien sind im deutschen Geschlechterbuch bürgerlicher Familien, besonders in Band 62, dem ersten Posener Sonderband behandelt. Für den zweiten, der bei Starke in Görlitz erscheint, sind weitere Familien vorgesehen.           -E.v. Busse-