[../adb/ihv_1892.html]
[../adb/impressum.html]
[../bilder/ihv.html]
[../stradfen/ihv.html]
[../geschichte/ihv.html]
[./ihv.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Aus der Geschichte des Netzebruch
Neumärkische Zeitung  27. April 1931

Hauptversammlung des Vereins für Geschichte der Neumark

Im Ratskeller hielt am Sonnabendabend der Verein für Geschichte der Neumark seine diesjährige Jahreshauptversammlung ab, auf der Hauptlehrer Henseler (Zantoch) über die Geschichte des Netzebruch und seine Bevölkerung sprach.
Die Ausführungen des Redners zeugten von eifriger, erfolgreicher Forschung, großer Liebe zur Heimat und umfangreichen Wissen. Ausgehend von der Eiszeit, führte der Redner u.a. aus: Wann nach dem Zurückgehen des Eises das Netzebruch besiedelt wurde, läßt sich nicht feststellen. Fest steht aber, daß der Bruchrand vor 5000 Jahren bewohnt war. Die Bewohner waren Landleute, Jäger und Fischer, sie gehörten der indogermanischen Völkerfamilie an. Aus der Bronzezeit stammen schon mehr Funde. Die Töpferei erreichte zu dieser Zeit bereits einen gewissen Höhepunkt. Die Menschen wohnten in viereckigen Holzhäusern und trieben Ackerbau und Viehzucht. Seit dem Jahre 1000 v. Chr. beginnen die Germanen vorzudringen. Um 600 n. Chr. schieben sich die Slawen in das von den Germanen verlassene Land. Die Slawen hatten das Land ungefähr bis 1200 im Besitz. Die Besiedlung war dünn. Was von den Slawen gefunden, machte einen dürftigen Eindruck; jäh war der Sturz von der germanischen zur slawischen Kultur. Slawische Sitten und slawische Sprache hielten sich noch Jahrhunderte nachdem längst das Netzebruch wieder eingedeutscht war. Die Bevölkerung wohnte in allen Ortschaften in armselige Fischerhütten aus Lehm. Die Haupthandelswege führten, wie auch heute noch, an beiden Seiten des Bruches entlang, die Übergangswege befanden sich bei Zantoch und Driesen.
In der vorfriderizianischen Besiedlung des Bruches von 1600 bis 1760 konnte man aus Geldmangel das ganze Bruch nicht besiedeln. Nur schrittweise ging die Kolonisation von den festen Plätzen und vom Bruchrande aus vorwärts. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde die Besiedlung wohl unterbrochen und manches wieder zerstört, aber kaum war der Krieg zu Ende, begann auch wieder die Besiedlung. Eine große Reihe neuer Ortschaften entstanden, die jedoch alle noch unregelmäßig angelegt waren. Da die Eindeichung noch unvollkommen war, konnte nur wenig Ackerbau getrieben werden. Die Bevölkerung befaßte sich daher mit Heugewinnung und Viehzucht. Der siebenjährige Krieg unterbrach das Werk der Besiedlung. Unter dem Kriege, namentlich unter den Kosakenhorden, hatten das Bruch und die Bewohner außerordentlich zu leiden, wie Chronisten berichten.
Die friderizianische Kolonisation von 1767 bis 1787 wurde ganz planmäßig von Brenkenhoff bis zu einem gewissen Abschluß durchgeführt. Meist wurde kleinbäuerlicher Besitz vergeben, da der König wollte, daß das Land möglichst dicht besiedelt wurde. Die Besiedlung ging von Osten nach Westen. Die Dörfer wurden fast ausschließlich als Reihenhäuser angelegt.
Nach Abschluß dieser Periode wurde nur noch ab und zu gesiedelt. Brenkenhoff bemühte sich außerordentlich um das Land und versuchte, die Viehzucht durch Einführung von Kamelen, Büffeln und anderen Tieren zu beleben, was natürlich mißlang. Später setzte eine wahre Auswanderung ein, die auf verschiedene Gründe zurückzuführen ist. Das 19. Jahrhundert brachte den Bau der Ostbahn. In neuerer Zeit widmete man sich dem Ausbau von Straßen. In den Randdörfern blühte Industrie auf. Nach wie vor aber waren die Siedlungen immer wieder durch Hochwasser bedroht. Mit Hilfe des Reiches ist man nun dabei, die Eindeichung Friedrich des Großen fortzusetzen und das Bruch überschwemmungsfrei zu machen. Der heutige Bewohner ist ein zäher Mensch, der fest am Boden hält, religiös und gastfreundlich. Viehzucht und Genossenschaftswesen stehen in hoher Blüte.