Die mittelalterliche Mark
Neumärkische Zeitung 11. Mai 1929
Wer sich einen Eindruck von den bedeutenderen gotischen Bauwerken in unserer Provinz - unter einer kleinen Grenzüberschreitung im Westen in die Altmark - verschaffen und gleichzeitig eine große Zahl hübscher alter Städte und Städtchen kennen lernen möchte, der unternehme eine Rundfahrt („Rund um Berlin“, sozusagen) etwa nach dem nahe stehenden kurz umrissenen Plan. Man kann ihn natürlich beliebig abkürzen oder erweitern, je nach Interesse, Zeit und Geldbeutel.
Für den Geldbeutel ist darauf hinzuweisen, daß die Mark ihrem alten Ruf, nicht übertrieben billig zu sein, noch immer treu ist! Der größte Ausgabenposten ist für die vielen unumgänglichen Bahnfahrten einzusetzen; wer die Reise als Radtour machen kann und will, muß natürlich eine andere Einteilung treffen, denn er kann zwar Fahrgeld, aber meistens nicht Zeit sparen, dafür aber mancherlei „mitnehmen“, was für den Eisenbahnreisenden abseits vom Wege liegt.
Wir beginnen unsere Fahrt in Frankfurt (Oder), das dann auch wieder der Endpunkt der Reise ist. Auf die schönen gotischen Bauten Frankfurts gehen wir hier nicht näher ein.
Erster Reisetag: Halbtagstour nach Kloster Paradies. Abteikirche der Zisterzienser nebst Klosteranlage; katholisches Kirchlein in dem anschließenden Ort Jordan. Rückkehr nach Frankfurt.
Zweiter Tag: Über Fürstenberg nach Neuzelle. Zisterzienser Stiftskirche, Barock überladen; wertvoller die spätbarocke evangelische Kirche. Weiterfahrt nach Guben. Marktplatz mit Renaissance- Rathaus; die spätgotische Stadtkirche besonders als Innenraum sehenswert. Von der Stadtbefestigung steht noch nahe dem Markt der Werderturm; ihm gegenüber das Museum. Weiter nach Cottbus. In der Altstadt die Oberkirche und die Klosterkirche, ferner der Spremberger Turm.
Dritter Tag: Fahrt von Cottbus nach Dobrilugk- Kirchhain. Das stattliche Viereck des Schlosses, auch im Innern sehenswert (alte Deckenmalereien); die Klosterkirche, romantische Basilika im Übergangsstil von sehr feinen Verhältnissen. - Im Dorf Lindena 2 Kilometer entfernt, eine stimmungsvolle Dorfkirche aus derselben Zeit. Fahrt von Dobrilugk über Uckro und Dahme nach Jüterbog.
Vierter Tag: In Jüterbog die Nikolaikirche, die Mönchen- oder Franziskanerkirche, der Abtshof das Rathaus, die Jakobikirche und die Liebfrauenkirche. Jüterbog hatte im Mittelalter 15 000 Einwohner, jetzt 8000! In einer Stunde nach Kloster Zinna. Frühgotischer vollständiger Granitquaderbau von größter kunstgeschichtlicher Bedeutung; altes Rentamt, Fürstenhaus und Hospiz nebst vielen weiteren Resten. - Von Jüterbog nach Brandenburg (Havel) entweder mit Kleinbahn über Treuenbrietzen- Belzig oder, besser und schneller, über Berlin. Abends Ankunft in Brandenburg.
Fünfter Tag: In der Neustadt Rathaus mit Roland, Kurfürstenhaus, die gewaltige Katharinenkirche, der Steintorturm, die Paulikirche mit hübschen Kreuzgang; in der Altstadt das Altstädter Rathaus, die Johanniskirche, die romantische Nikolaikirche, der Plauer und der Rathenower Torturm, und die Gotthardkirche. Auf der „Dominsel“ der Dom, Backsteinbasilika mit Krypta und dem Lehniner Flügelaltar, sowie die Petrikapelle. - Vom Marienberg hübscher Blick über die Stadt.
Sechster Tag: Mit Postauto nach Kloster Lehnin. Teilweise romantische Kirche, Königshaus, Hospiz, Reste von Kreuzgang, Tor und Konventhaus. Weiterfahrt von Brandenburg nach Rathenow mit der spätgotischen Marien- Andreaskirche; dann über Stendal nach Tangermünde.
Siebenter Tag: In Tangermünde die Burg mit Blick auf die Elbe, die Stefanskirche, das reizende gotische Rathaus, die Stadtmauer und mehrere alte Wehrtürme. - Fahrt nach Stendal. Tangermünder Tor, Katharinenkirche, der sehr bedeutende Dom (Glasfenster), Rathaus mit Roland, Marienkirche, Winckelmann- Denkmal, Jakobikirche, Üngelinger Tor, Gertraudenhospital, Petrikirche, St. Annenkirche. Weiterfahrt über Schönhausen nach Jerichow.
Achter Tag: In Jerichow die Prämonstratenser- Klosterkirche, romantische Säulenbasilika; die Pfarrkirche. - Über Schönhausen nach Sandau; mit Postauto nach Havelberg. Hier die St. Annenkapelle, der gewaltige Dom mit Kreuzgang; die Laurentiuskirche und das Beginenhaus. - Weiter über Neustadt, Neuruppin und Herzberg nach Rheinsberg, als Abstecher in die friderizianische Zeit.
Neunter Tag: Schloß und Park Rheinsberg. Weiter über Herzberg und Löwenberg nach Gransee. Spätgotische Stadtkirche. Rest des Klosters, alte Stadtmauer mit Wehrtürmen und Tor. - Weiter über Löwenberg und Zehdenick nach Templin. Georgskapelle, Maria- Magdalenkirche und vollständig erhaltene Stadtmauer.
Zehnter Tag: Fahrt nach Prenzlau. Stettiner Torturm, Jakobikirche, Marktplatz, Marienkirche mit wundervollem Ziergiebel (Ostwand), Heiligengeistkapelle (Museum), Nikolaiturm und Nikolaikirche, Sabinenkirche, St. Georgshospital, mehrere Tortürme.
Elfter Tag: Fahrt nach Angermünde. Heiligengeistkapelle, Marienkirche, Reste des Franziskanerklosters. - Weiter nach Chorinchen, zu Fuß nach Chorin, der überaus eindrucksvollen Klosterruine und zurück zur Bahn. Von Chorinchen nach Eberswalde; die frühgotische Maria- Magdalenenkirche. Über Wriezen und Jädickendorf nach Königsberg (Nm.)
Zwölfter Tag: Königsberg mit zwei sehr stattlichen Toren, der bis auf den Turm wertvollen Kirche und dem schmucken gotischen Rathaus. Sehenswert das ehemalige Augustinerkloster mit mehreren Restgebäuden. - Weiterfahrt nach Frankfurt a. Oder.
- ree.-