Die Geschichte des Perleberger Räuberkruges
Neumärkische Zeitung 26. Oktober 1931
Wir berichteten Anfang vergangener Woche von der Auffindung eines so genannten „Räuberkruges“ der in der Prignitz als Unterschlupf der Wegelagerer und Räuber eine große Rolle gespielt hat. Der Räuberkrug, der in der Nähe der alten Poststraße von Perleberg nach Wilsnack lag, ist seit etwa hundert Jahren verlassen, so daß man jetzt in der Erde nur noch Mauerreste und Knochen fand.
Über die Geschichte des Kruges hat die mit den Ausgrabungen in der Prignitz beauftragte Archäologin Frl. Dr. Bohms folgendes ermittelt: Der Krug diente im ganzen Mittelalter lichtscheuen Gesindel als Unterschlupf, und die aufgefundenen Knochenreste dürften wohl von Ermordeten stammen, die hier verscharrt worden sind. Im Jahre 1827 am Karfreitag wurde in der dem Räuberkruge zunächst liegenden Gemeinde Uenze die Sturmglocke gezogen. Ein Waldhüter hatte auf dem Wege nach Uenze in den Krug einkehren wollen und eine furchtbare Entdeckung gemacht: Der Gastwirt, seine Frau, seine Tochter, das Dienstmädchen und ein Gast lagen mit der Axt erschlagen in ihrem Blute. Der Gast war ein durchreisender Schweinetreiber. Die Schweinetreiber zogen mit großen Schweineherden durch das Land und verfügten über größere Geldbeträge. Bei der Einkehr in den verrußten Krug dürfte er sein Geld allzu vertrauensselig gezeigt haben, so daß die Banditen ihn überfielen und beraubten. Da der Gast und vermutlich auch der Wirt Widerstand geleistet hatten, wurden sämtliche im Räuberkrug anwesenden Personen getötet. Die Bewohner von Uese und Perleberger Militär unternahmen eine tagelange Streife durch die Forsten der Prignitz, konnten jedoch von den Verbrechern keine Spur mehr finden. Von da ab verfiel der Krug. Die Landleute glaubten, daß es dort spuke und machten einen großen Bogen um die Stelle. Der Krug ist dann allmählich verfallen und über die Ruine wuchs das Gras.