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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Wie lange lebst Du noch, Landsberger?
Neumärkische Zeitung  29./30. November 1930

Wie lange wir noch zu leben haben, und in welchem Alter wir die Reise ins unbekannte Jenseits antreten müssen, ist eine Frage, auf die sich wohl jeder eine Antwort wünscht. Aber niemand kann sie uns geben. Die Statistik kann nur Durchschnittssätze errechnen. So macht eine vor einiger Zeit erschienene Denkschrift des Reichsgesundheitsamtes interessante Feststellungen über die mittlere Lebenserwartung. Die Änderung der Sterblichkeitsverhältnisse ergibt sich besonders deutlich aus der mittleren Lebenserwartung. Diese wurde nach den Sterblichkeitsverhältnissen der durch eine wieder stabilere Bevölkerungsbewegung gekennzeichneten Nachinflationsjahre errechnet. Infolge geringerer Sterblichkeit ist die Zahl der voraussichtlich noch zu durchlebenden Jahre bei den Neugeborenen allmählich auf über 57 Jahre und bei den Einjährigen auf rund 63 Jahre gestiegen. Die ins erwerbsfähige Alter eintretenden Fünfzehnjährigen haben in epidemiefreien Zeiten die Aussicht, durchschnittlich die Altersgrenze von 65 Jahren zu überschreiten, während die Dreißigjährigen die Aussicht haben, über 69 Jahre, und die 65jährigen fast 77 Jahre alt zu werden. In allen Altersstufen ist dabei die Lebenserwartung des weiblichen Geschlechts etwa 1 bis 2 Jahre höher als die des männlichen.
Wenn wir den Tod eines Menschen erfahren, fragen wir sofort nach der Ursache und nach dem Alter. Auch die Behörde fragt danach; sie muß wissen, woran die Menschen sterben und in welchem Alter. Interessante Vergleiche sind so möglich, und wir bekommen Antwort auf die Frage: Wie alt werden die Landsberger?
In der Stadt Landsberg starben im Jahre 1928 768 Menschen. An jedem Tage drückt der Tod 2 Menschen die Augen zu. Alle 12 Stunden also in Landsberg 1 toter.
Die amtliche Statistik unterscheidet 20 Altersgruppen, und zwar getrennt nach Geschlechtern.
Bei den Männern kamen in Landsberg auf je 1000 lebenden Personen der verschiedenen Altersklassen durchschnittlich jährlich Sterbefälle (in Klammern die Zahlen des Reichsdurchschnittes):

                                             In der Altersklasse von
0-1 Jahren
129,61
(115,61)
1-5 Jahre
6,86
(7,45)
5-10 Jahre
1,83
(1,97)
10-15 Jahre
1,4
(1,38)
10-20 Jahre
4,42
(4,25)
30- 35 Jahre
4,04
(4,12)
35- 40 Jahre
4,61
(4,64)
40-50 Jahre
6,25
(6,09)
45-50 Jahre
7,85
(8,29)
50- 55 Jahre
11
(12,21)
55- 60 Jahre
16,21
(28,32)
60-65 Jahre
25,66
(28,60)
65-70 Jahre
40,12
(45,61)
70-75 Jahre
63,44
(72,55)
75- 80 Jahre
159,82
(177,66)
85- 90 Jahre
237,78
(265,25)
über 90 Jahre
285,71
(317,64)

In welchem Alter sterben nun die Landsberger? Bei den Frauen kamen in Landsberg auf je 1000 Lebende in den verschiedenen Altersgruppen im jährlichen Durchschnitt folgende Sterbefälle:
 
0-5 Jahre
104,17
(94,07)
1-5 Jahre
6,05
(6,76)
5-10 Jahre
1,81
(1,75)
10-15 Jahre
1,17
(1,29)
15-20 Jahre
2,44
(2,46)
20-25 Jahre
3,67
(3,60)
25-30 Jahre
4,10
(4,02)
30-35 Jahre
4,58
(4,29)
35-40 Jahre
4,87
(4,82)
40-45 Jahre
5,97
(5,72)
45-50 Jahre
6,67
(7,26)
50-55 Jahre
9,54
(10,33)
55-60 Jahre
13,44
(15,06)
60-65 Jahre
21,71
(24,05)
65-70 Jahre
35,15
(39,02)
70-75 Jahre
59,61
(64,87)
75-80 Jahre
100,76
(106,37)
80.85 Jahre
156,68
(165,05)
85-90 Jahre
240,91
(245,91)
über 90 Jahre
291,07
(298,26)

Die meisten Menschen sterben, wie die Statistik beweist, im Alter von über 60 Jahren. Die Säuglingssterblichkeit ist in den letzten Jahren weiter gesunken. Die Abnahme der Säuglingssterblichkeit, die auch in Landsberg in die Erscheinung tritt, ist ein Erfolg zweckmäßiger Säuglingspflege. Auch die Kleinkindersterblichkeit ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Für die Zukunft des deutschen Volkes ist das von größter Bedeutung.