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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Was wird in Landsberg zu Weihnachten verbraucht?
Neumärkische Zeitung   16. Dezember 1931

Weihnachten rückt immer näher, und die Kleinen zählen schon die Tage. Landsbergs Hauptstraßen sind voll Lichterglanz, in den Geschäften hat man Kerzen angezündet. Die Stadt mit ihren Sorgen und ihrer Gleichgültigkeit für den Mitmenschen ist wie verändert. Über allem liegt jene erwartungsvolle Gespanntheit von Schenkenfreude und Erwartung. Die Stadt ist die lebendig gewachsene Versuchung und zugleich Erfüllung für jeden Käufer.
Da, zwischen Lädenglanz und Lichterflut ruht das Auge auf dem Dunkelgrün der Tannenbäume. Auf den kahlen Plätzen der Stadt zaubern die Christbäume ein Stück Weihnacht.
6300 Fichten und Tannen schmücken in Landsberg alljährlich zum Weihnachtsfest als Weihnachtsbäume das Heim der Familie wie die Schaufenster. Die Einnahmen der Forstverwaltung für diese Tannenbäume betragen 3150 Rm. Die Bevölkerung dagegen zahlt zu jedem Weihnachtsfest ungefähr 18 600 Rm. für Tannenbäume. In Deutschland werden zu Weihnachten ungefähr 8 bis 9 Millionen Fichten und Tannen als Weihnachtsbäume verkauft. Das bedeutet für die Forstverwaltung eine Einnahme von 4 Millionen Mark, und für die Gesamtaufkäufer eine durchschnittliche Ausgabe von zusammen 10 bis 12 Millionen. Um sich eine Vorstellung von der Menge der zu einem Weihnachtsfest verbrauchten Bäume zu machen, muß eine Schonung von ungefähr 5 Kilometer Länge und 4 bis 5 Kilometer Breite radikal abgeholzt vorstellen. 6300 Weihnachtbäume in Landsberg? Sie alle erleben das Weihnachtsfest in den Familien mit, sie grünen auf den Tischen zwischen den bunten Weihnachtsgeschenken und tragen ein Dutzend Lichter auf den Zweigen und auf ihren Wipfeln einen goldenen Stern. Und die Kinder sammeln sich um den Weihnachtsbaum, dieses Symbol deutscher Weihnacht und singen die alten, trauten Weihnachtsweisen.
Seltsam berühren diese vielen weihnachtlich geschmückten Schaufenster in den Straßen. Die Spielzeugläden sind mit kostbarem Spielzeug überladen, in ihnen Puppen, die irgendein kleines Mädel aus der Spitzenbesetzten Wiege nehmen wird; hier Baukästen deren Inhalt aus glatt gehobelten Klötzen und ein paar gedrechselten Säulen besteht; wie bunt und vielfältig ist all dieser Weihnachtszauber.
Der Umsatz an Kinderspielzeug zum Weihnachtsfest belief sich in den letzten Jahren in Landsberg im Durchschnitt auf 45 000 Rm. In Deutschland beträgt der Umsatz 60 000 Millionen Mark. Davon wird nur ein kleiner Teil aus dem Ausland eingeführt. Nur für eine Dreiviertelfamilie führt Deutschland Spielzeug ein. Dagegen ist die Ausfuhr an Spielzeug aus Deutschland sehr stark. 1913 exportierte die im Deutschen Reich ansässige Spielzeugindustrie 36 599 Tonnen Kinderspielwaren im Wert von 103 Millionen, und 1921 Spielzeug im Wert von 110 574 000 Rm. Spielzeug mit dem Stempel „Made in Germany“ geht nach allen Erdteilen. Großverbraucher an deutschen Spielwaren sind Großbritannien mit einer Einfuhr (1921) für 34,05 Millionen Mark und die vereinigten Staaten mit einer Einfuhr (1924) für 33,09 Millionen.
Wirtschaftlich recht bedeutend ist auch der Verbrauch an Schokolade zu Weihnachten. In Landsberg werden in den Vorweihnachtstagen und zum eigentlichen Fest etwa 5400 Kilogramm Schokolade, Pralinen und andere mit Schokolade in naher verwandtschaftlicher Beziehung stehende Süßigkeiten verbraucht oder 120 Gramm pro Kopf der Bevölkerung. Der Schokoladen - Verbrauch zu Weihnachten im ganzen Reich ergibt 80 Güterwagen oder zwei Güterzüge, die nichts als Schokolade über die Schienen der Reichsbahn führen. Die Einnahme des Post- und Eisenbahn- Verkehrs zu Weihnachten sind sehr beträchtlich. Allein im innerdeutschen Postverkehr werden zu Weihnachten und Neujahr 350 bis 400 Millionen Briefe, Postkarten, Weihnachts- Ansichtskarten und Drucksachen befördert. Weitere 5 Millionen Pakete, 4 ½ Millionen Postanweisungen und etwa 5 Millionen Nachnahmesendungen zu Weihnachten und 600 000 Telegramme im Weihnachtsmonat. Würde man das auf Landsberg umrechnen, so ergibt sich, daß die Post 270 000 Briefe, Postkarten, Weihnachts- Ansichtskarten und Drucksachen und 4000 Pakete von und nach Landsberg befördert. Die Eisenbahn befördert im Weihnachtsverkehr über 3 Millionen Reisende innerhalb Deutschlands und hat dafür Einnahmen an Fahrgeld von 30 bis 40 Millionen Mark. Etwa 600 Ehen werden am 24. Dezember geschlossen, monatlich im Durchschnitt 50 000. Rund 3690 kleine deutsche erblicken an jedem Weihnachtstage das Licht der Welt.