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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Das Landsberger Handwerk in Zahlen
Neumärkische Zeitung   14. März 1931
 
In fast allen Städten leidet das Handwerk heute Not. Das deutsche Volk steht an der Schicksalswende der gewerblichen Wirtschaft. Nicht nur die bestehende schlechte Wirtschaftslage, unter der alle Berufe zu leiden haben, hat die Not des Handwerksstandes hervorgerufen, in weit größerem Maße ist es die mehr und mehr zunehmende Industrialisierung des Handwerks. So verhält es sich auch in unserem Stadtgebiet.
Wie sich das Landsberger Handwerk zusammensetzt, sollen die nachstehenden Zahlen, die den hauptsächlichsten Handwerksarten auf Grund der letzten Reichszählung entnommen worden sind, vor Augen führen. Hierbei ist zu bemerken, daß in diesen Zahlen Meister und Gesellen sowohl der reinen Handwerksbetriebe wie der Fabriken enthalten sind. Aus der großen Zahl der in Fabriken beschäftigten Handwerker geht hervor, welche großen Beschäftigungsmöglichkeiten das Handwerk bietet. Trotz der zunehmenden Abwanderung der Käufer vom Handwerk zu den industriellen Massenartikeln hat sich das Handwerk in unserem Stadtgebiet noch behaupten können. Da steht mitten im sprühenden Funkenregen der Schmied, in der linken das glühende Eisen haltend, und jeder Schlag mit dem Schmiedehammer läßt den Amboß erklingen. Ein Bild, das leider immer mehr verschwindet. Es sind dennoch in unserem Stadtgebiet handwerksmäßig 49 Schmiede. Ferner von den verwandten Berufen 95 Schlosser und 99 Klempner. Der hiesige Maschinenbau beschäftigt 744 Handwerker, darunter allein 52 in den Maschinen- Reparaturwerkstätten. Mit der Zunahme der Kraftfahrzeuge haben auch die Reparaturwerkstätten für Kraftfahrzeuge und Fahrräder vielen Schlossern und Monteuren usw. ein neues Arbeitsfeld gegeben, auf dem 206 in unserem Gebiet tätig sind. Beträchtlich ist heute noch immer der Anteil der Handwerker in der Elektrotechnik und Installation, in der bei uns 196 Handwerker ihren Lebensunterhalt finden. Unter den „Präzisionsarbeitern“ nimmt der Uhrmacher neben den Optikern und Feinmechanikern im Allgemeinen den größten Platz ein. In unserem Stadtgebiet gibt es 21 dieser Handwerker. Jeder Buchliebhaber kommt einmal in die Lage, broschürte Bücher oder Zeitschriften sich einbinden zu lassen und geht dann zu einem der 10 hiesigen Buchbinder. Nicht nur  „die unentbehrliche Zeitung“ oder Zeitschriften zu setzen und drucken, ist des Buchdruckers Handwerk, auch Bücher aller Art kommen aus der Druckerei. An dieser Handwerksarbeit beteiligen sich etwa 111 Buchdrucker in unserem Gebiet. Trotzdem die Pferde auf dem Aussterbeetat stehen, haben die Sattler und Kürschner immer noch allerhand zu tun. Viele der 96 Sattler und Kürschner unseres Gebietes arbeiten für die Automobilindustrie. Das Tischlerhandwerk ist wohl von jeher das vielseitigste gewesen. Die Bau- und Möbeltischlerei, ferner auch noch die Sägemühlen und Furnierwerke, beschäftigen in unserem Stadtgebiet 1064 Tischler, Säger usw. eng verwandt diesem Handwerk sind die Stellmacher, Wagen- und Karosseriebauer. Insgesamt 94 Meister, Gesellen und Lehrbuben gibt es bei uns in diesem Handwerk. Ein „staubiges Handwerk“ üben in unserem Gebiet 22 Müller aus. Für echtes, gutes und nahrhaftes Roggenbrot und leckeren Kuchen und Torten sorgen die Bäcker und Konditoren, von denen es 280 in Landsberg gibt. Ebenfalls für unser leibliches wohl sorgen die 251 hiesigen Schlächter und Fleischer, die hier ihr „blutiges Gewerbe“ betreiben. Schneider und Schuster sind immer darauf bedacht, daß die Landsberger Bürger gut bekleidet und beschuht sind. Während es 503 Schneider und Schneiderinnen gab, zählte unser Gebiet insgesamt 745 Schuster. Von den Bauhandwerkern nehmen die Maurer mit 490 den größten Teil ein, während Zimmerer 53 gezählt wurden. Dann folgen noch die Maler mit einer größeren Zahl von 133 Handwerkern.
Das wären die hauptsächlichsten Handwerksberufe, ohne die man im Allgemeinen im Leben nicht auskommt. Handwerksarbeit ist durchweg Qualitätsarbeit. Darum unterstützt das deutsche Handwerk durch Arbeitsbeschaffung!