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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Brot- und Fleischverbrauch in Landsberg
Neumärkische Zeitung   25. November 1930
 
In der Volksernährung spielt die Versorgung der Bevölkerung mit Brot und Fleischwaren die wichtigste Rolle. „Wer Wurst, Brot und Schinken hat, der wird noch alle Tage satt“, sagt ein altes Sprichwort mit vollem Recht. Wie viel Brot und wie viel Fleisch wir essen, ist eine Frage, deren Beantwortung den Volkswirtschaftler wie den Kommunalpolitiker gleich stark interessiert. Eine zuverlässige Errechnung des Brot- und Fleischverbrauchs ist, zum mindesten für kleinere Verwaltungsbezirke, nicht möglich. Wohl aber bieten die Umsätze der Bäckereien und Fleischereien wichtige Maßstäbe, wesentliche Grundlage zur Erkenntnis des Brot und Fleischverbrauchs der deutschen Bevölkerung:
Umsätze der Landsberger Bäckereien pro Landsberger: 41 Rm.
In der Provinz Brandenburg gibt es 4324 Bäckereien, die zur Umsatzsteuer veranlagt sind. Ihr Jahresumsatz belief sich im Erhebungsjahr auf 107 Millionen Rm. und die Umsatzsteuer auf 801 000 Rm. Darunter waren 2107 Betriebe mit einem Umsatz, der 20 000 Rm. überstieg und insgesamt 80,9 Millionen Rm. erreichte.
Auf 10 000 Landsberger entfallen 17 zur Umsatzsteuer veranlagte Betriebe. Der Umsatz der Bäckereien in Landsberg beträgt im Durchschnitt 24 750 Rm. Der Umsatz der Landsberger Bäckereien pro Kopf der Bevölkerung 41 Rm.
Umsätze der Landsberger Fleischereien pro Kopf: 67 Rm.
3870 Fleischereien werden in der Provinz Brandenburg zur Umsatzsteuer herangezogen. Ihr Umsatz beläuft sich auf 174,1 Millionen Rm. und die Umsatzsteuer auf 1 296 000 Rm. 2309 Fleischereien haben einen Jahresumsatz, der 20 000 Rm. übersteigt, und insgesamt 160,1 Millionen Rm. erreicht.
Auf 10 000 Landsberger entfallen 15 zur Umsatzsteuer herangezogene Fleischereien. Der Umsatz der Fleischereien beträgt durchschnittlich 44 974 Rm. auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet, beträgt der Umsatz der Landsberger Fleischereien 67 Rm.
Jeder Landsberger kauft also in den umsatzsteuerpflichtigen Bäckereien für 41 Rm. und in den umsatzsteuerpflichtigen Fleischereien für 67 Rm. Back und Fleischwaren.
Der hier dargestellte Gesamtumsatz umfaßt den steuerpflichtigen Umsatz einschließlich des Eigenverbrauchs und des steuerfreien Umsatzes, soweit er zur Kenntnis der Finanzämter gekommen ist. Die Zahl der Statistik dürfte den tatsächlichen Gesamtumsatz der in Betracht kommenden Wirtschaftszweige annähernd vollständig wiedergeben. Lediglich eine Anzahl Zwergbetriebe, für die wegen der Geringfügigkeit des Umsatzes von einer Steuererfassung abgesehen worden ist, dürften nicht miterfaßt worden sein. Unter Bäckereien und Fleischereien sind diejenigen Gewerbebetriebe verstanden worden, deren Inhaber sich im Hauptberuf als Bäcker und Fleischer bezeichnet.
Auf 10 000 der Bevölkerung ergibt sich im Reichsdurchschnitt die Zahl von 16 Betrieben der Bäckereien und 14 Betriebe der Fleischereien. Gewisse Rückschlüsse auf die Höhe des Verbrauchs an Back und Fleischwaren läßt eine Umrechnung des Umsatzes auf den Kopf der Bevölkerung zu. Jedoch gilt das vornehmlich für den Verbrauch der städtischen Bevölkerung, da die Landbevölkerung ihren Bedarf an Lebensmitteln größtenteils auf dem Wege der Selbstversorgung deckt, nicht aber auf dem des Kaufes bei Bäckern und Fleischern. Die beispielsweise von den Großunternehmungen des Gast und Schankwirtschaftsgewerbes getätigten Umsätze in Back und Fleischwaren sind dagegen in den Zahlen nicht enthalten. Die Umsätze der Feinkostgeschäfte in Back und Fleischwaren sind dagegen bei den Betrieben des Lebensmittelhandels zur Anschreibung gekommen.
Erst der gesamte erfaßte Umsatz unterliegt der Besteuerung. Errechnet man auf Grund der festgesetzten Umsatzsteuer mit Hilfe des Steuersatzes den steuerpflichtigen Umsatz und subtrahiert diesen vom Gesamtumsatz, so ergibt sich für die Bäckereien ein unbesteuerter Umsatz von rund 94 Millionen Rm. = 4 v.H., für die Fleischwaren von rund 72 Millionen Rm. = rd. 1,7 v.H. des Gesamtsatzes. Gegenüber 1925 hat sich der Steuerpflichtige Umsatz der Bäckereien um 21,35 v.H. gesteigert, der der Fleischereien um 27,23 v.H.
Die Umsätze der Bäckereien und Fleischereien geben einen interessanten Ausschnitt aus der Ernährungswirtschaft des deutschen Volkes.             -G.W.-