Ein Filmstreifen aus Landsbergs alten Tagen.
Neumärkische Zeitung 11. Mai 1930
Die ersten Tapeten
Der gefoppte Postillion
Ein gekränkter Theaterdirektor
Zirkuskönig Renz in Landsberg.
Heute soll einmal von einem Schriftsteller die Rede sein, der sich besonders in militärischen Kreisen großen Ansehens erfreute, der aber in Landsberg, wie ich erfahren mußte, ziemlich oder fast ganz unbekannt ist, trotzdem er hier aufwuchs und Landsberger Geschehnisse in einigen seiner Bücher verewigte. Es handelt sich um den Militärschriftsteller A. von Winterfeld, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte und Verfasser der vielgelesenen Bücher „Alte Zeit oder die vier Töchter des Rittmeisters Schimmelmann“, „Der stille Winkel“ u.a. ist.
Ganz besonders Interesse für Landsberg hat „Der stille Winkel“. Denn in diesem Roman hat der Dichter die Gattin des früheren Landsberger Landrats Sturm als „Landrätin Wurm“ verewigt.
A. von Winterfeld kam anscheinend in den dreißiger Jahren mit seinen Eltern - sein Vater war Forstmeister - nach Landsberg. Die Familie bezog zunächst eine Wohnung in dem Fellerschen Hause, das mit dem Lüdeckeschen Hause, Friedeberger Straße 25, identisch ist. Das Haus wurde später an einen Amtsrat Palm verkauft, der die erste Tapete nach Landsberg brachte und damit sein Haus zu einer kleinen Sehenswürdigkeit machte.
Dem Hause gegenüber lag die Post, also heute Friedeberger Straße 5. In einem schräg gegenüberliegenden Hause wohnten nun zwei Dragonerfähnriche, die nicht wußten, was sie vor Übermut anfangen sollten. Wenn nun der brave Postillion oben auf seiner gelben Kutsche stand und krummgebückt die ihm heraufgereichten Poststücke zurechtrückte, dann schossen ihm die Fähnriche mit einem Pusterohr kleine Lehmkugeln auf den Teil der Lederhose, der gewöhnlich als Sitzunterlage gebraucht wird, daß es nur so klatschte. Und jedesmal wollten sich die beiden Übeltäter halbtot lachen, wenn der Postillion erschreckt und wütend emporfuhr und sich nicht genug wundern konnte, woher eigentlich die seltsamen Geschosse kamen.
Später zog die Familie Winterfeld in die Zantocher Vorstadt, wo sie dem Schornsteinfegermeister Derret ein Haus abkauften. Gegenüber diesem Hause wohnte der Landrat Sturm, und zwar an der Stelle, da heute das Grundstück des Kaufmannes Fabienke liegt. Und hier sah der junge Winterfeld, der noch in den Kinderjahren steckte, einen Mann, den er sehr anschaulich schildert: „ ... ein Schriftsteller, ein Elegant, auch Sportsmann, ein Landsberger Kind, Dr. Eduard Boas. Wie oft ist er an unserem Hause vorübergegangen, mit grünen Jägerstrümpfen, einem kecken Tirolerhütchen auf dem schönfrisierten Kopf und die Flinte graziös unter dem linken Arm. Sein Hund schritt tiefsinnig voran. Ob Boas jemals etwas geschossen hat, weiß ich nicht...“ Und an einer anderen Stelle heißt es „... in den Jahren 1835 und 1836 veröffentlichte er (Boas) Kritiken über die Leistung der Bröckelmannschen Schauspielergesellschaft, und zwar in so ironischer Weise, daß sich der gekränkte Direktor in sehr drastischer Weise rächte. Er ließ nämlich in einem Stück eine mächtige Schlange auf die Bühne bringen, die von einigen Männern erschlagen werden mußte. Einer fragte dann den anderen: „Was ist das für ein Aas?“ Worauf er die Antwort erhielt: „Das ist eine Bo-aas!“ Zum Schluß wurde der Schlange der Kopf gespalten und zum Vorschein kam nur Grütze“ (Ei! Ei!) die Landsberger aber nahmen ihren Dichter in Schutz und verurteilten den Streich...“
Bei den Neumärkischen Dragonern, so berichtet Winterfeld, befand sich um die Zeit ein Herr von Wolf, der das um jene Zeit schon sehr, sehr seltene vergnügen hatte, zehn Jahre lang der älteste Premier- Leutnant des Regiments zu sein. Er brachte es aber noch zum aktiven General.
Auf dem Exerzierplatz (heute Paradeplatz) sah ich den später so berühmt gewordenen Renz als jungen Menschen kümmerlich auf einem schlaffen Drahtseil balancieren. Er gehörte einer Gesellschaft Schimmel und Brüllow an.
Winterfeld hat noch einige nette Sachen über Landsberg geschrieben, die in nächster Zeit erscheinen werden. daher für heute genug!