Der „Dukaten - Käfer“ von Landsberg
Neumärkische Zeitung 5. April 1930
Aus den Memoiren des Kaufmannes Wilde
Nach der „Geisterbeschwörung vor 150 Jahren“ nun die Geschichte vom Dukatenkäfer oder „Von mein Gümke“, die sich ebenfalls um 1780 abgespielt und ein seltsames Licht auf den Aberglauben in Alt- Landsberg wirft. Der Chronist erzählt: „Unter der Regierung Friedrichs des Großen wurden alljährlich von den Werbeplätzen Rekruten an die einzelnen Regimenter gesandt. So kam u.a. auch nach Landsberg ein Ungar namens Kurschützky, angeblich ein Graf, und ein gewisser Pietsch mit einer schönen, starken Frau. Der Ungar war bei dem Tischler Laue in Quartier, während Pietsch und Frau eine Mietswohnung in der Rosengasse bezogen hatten. Jedenfalls wohnten die beiden als Soldaten sehr vornehm. Sie kleideten sich gut, lebten gut und ließen sich ihre Pferde von Kameraden putzen und füttern. Selbstverständlich, daß die beiden bald in der Bürgerschaft bekannt wurden. Sie erhielten Einladungen zu Hochzeiten usw. und zeigten sich dort sehr spendabel. Das fiel natürlich beim Regiment auf. Man suchte zu erforschen, woher die beiden ihre Gelder bezogen, konnte aber nichts entdecken.
Also wurde Kurschützky vor einen Ausschuss geladen, bestehend aus dem Eskadronshauptmann, zwei Offizieren und einem Wachtmeister, um sich auszuweisen, woher er das Geld zu dem Aufwande erhalte. Er antwortete: „Von mein Gümke“. Der Auditeur verstand nicht und fragte, wer und woher der „Gümke“ sei. Ich mein „Das“, und hierbei zeigte der Ungar eine Dose, machte sie auf, und alle sahen mit Erstaunen einen Roßkäfer. „Das ist Gümke!“ Darüber, wie er zu dem „Gümke“ gekommen, erzählte der Ungar: „Ick hab’ mein Seel’, wenn ich tot, dem Diabolo vorgab, daß ick von Gümke krieg Geld! Ick nehm ein Bund Hobelspän’, schrei: Diabolo! Diabolo! Gib Dümke! Komm Musjeh Gümke aus die Spän, bringe Taler oder Dukaten!“
Die Herren glaubten das, das Verhör wurde aufgehoben und der Ungar setzte seine Lebensweise fort. Aber von nun an glaubte jedermann, daß das Geld, das man von der Familie Pietsch oder von Kurschützky erhielt, jedesmal wieder zu diesem zurückging, weil sie sich doch dem Teufel verschrieben hatten. Alles für den häuslichen Gebrauch Notwendige mußten sie sich daher von anderen Leuten besorgen lassen. Wie überall in der Welt, so kam auch hier die Wahrheit ans Tageslicht, und zwar durch des Bürgersmeisters Figilanzius Wirtschafterin, der Braut eines Tuchmachers Stargert. Diese hatte ein schönes Stück Tuch, aus dem sie sich das Brautkleid anfertigen lassen wollte. Da der Stoff nicht zureichte, ging sie zu einem Schnittwarenhändler, der das Stück sofort kannte. Es stammte von einem Einbruch aus dem Lewinschen Laden. Lewin wurde gerufen erkannte das Zeug und erstattete beim Gericht Anzeige. Dort sagte die Wirtschafterin aus, daß sie das Zeug von der Frau des Schneidermeisters Behrend gekauft habe. Diese hatte es wieder von der Frau Pietsch. Also wurde die schöne Frau vorgeladen und vernommen. In zwei verhören leugnete sie, von der ganzen Sache nichts zu wissen. Der Gerichtsdiener Stepke mußte sie nun auf Anordnung des Gerichtes tüchtig durchkantschuhen, worauf sie bekannte, daß sie das Zeug von Kurschützky und ihrem Manne erhalten hätte. Darauf wurde über die beiden Männer vom Regiment Standrecht gehalten. Sie wollten nicht gestehen; aber damals führte die Rute ein scharfes Regiment. Sie wurden ordentlich durchregiert. Und endlich kam Kurschützky mit dem Geständnis, daß er mit Pietsch den Einbruch bei Lewin und noch andere Diebstähle begangen habe. Nun wußte man, woher die „reichen“ Leute wirklich ihr Geld bezogen. Der Prozess war kurz und bündig. Kurschützky als Haupt der Gesellschaft mußte drei Tage, Pietsch als Helfer zwei Tage und ein Unteroffizier Heil und der Schneider Behrend, weil sie mitgeholfen, je einen Tag Gassen laufen. Die beiden ersten kamen außerdem zur Karrenarbeit nach der Festung Küstrin, Heil wurde degradiert und Behrend bekam Festung. Da sich Pietsch wegen der Trauung mit seiner Frau nicht ausweisen konnte - er wollte sie angeblich ohne väterliche Einwilligung geheiratet haben - und die Frau als Mittäterin in Frage kam, wurde sie als Dirne und Diebeshehlerin bestraft. Der schönen starken Frau wurden vom Schinderknecht der Oberkörper bis auf die Hüfte entkleidet und die Hände zusammengebunden. So wurde sie am Strick durch die Straßen geführt. An den Straßenkreuzungen bekam sie dann mit Ruten kreuzweise Schläge über den Rücken. Und zum Schluß wurde sie mit Behrend zusammen nach dem Spinnhause geschickt.“
Leider meldet der Chronist auch hier wieder nicht, was mit den Offizieren, die an die Geschichte „Von mein Gümke“ geglaubt hatten geschehen ist. Wahrscheinlich ging auch bei ihnen das alte Sprichwort „Dummheit bestraft sich selbst“ in Erfüllung.
-K.W.-