[../adb/ihv_1892.html]
[../adb/impressum.html]
[../bilder/ihv.html]
[../stradfen/ihv.html]
[../geschichte/ihv.html]
[./ihv.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Landsberger Osterspaziergang
Neumärkische Zeitung  4. April 1926

Es gibt Traditionen, die sich sogar in den kleinsten Dingen des Alltags erhalten, sogar der Weg, der am Sonntag für den Familienausflug gewählt wird, kann für heutige und kommende Geschlechter als Familientradition bewahrt sein. Ist dies schon für den Sonntag Brauch, um so mehr scheint es dann auch für die Feiertage zu sein.
Osterspaziergang. Sofort entsteht neben dem ausgesprochenen Wort der Begriff: „Rund um den Wall“. Eine alte Sitte vieler Landsberger Familien ist der Festtagsspaziergang auf dem Wall, an einer oder der anderen Seite entlang, oder sogar ganz um den Wall herum, genannt rund um den Wall.
Aber noch ein anderer Weg ist zur Osterzeit beliebt. Der bei schönem Wetter als sonnig bekannte Weg nach Zechow. Gerade im beginnenden Frühjahr ist hier die Sonne angenehm zu vertragen und der frühlingsduftige  Ausblick auf die Warthewiesen und Zechower Wiesen übt einen anziehenden Reiz aus. Auch die Goldbeck, das kleine Bächlein vor dem Stadtwald ist oft das Ziel. Hier finden sich zur Osterzeit in großen Mengen die Weidenkätzchen, die leider nicht nur gern gesehen, sondern auch mitgenommen werden. Neben diesen Osterwegen wird natürlich auch der reiche Kranz der Landsberger Parkanlagen in seinem ersten Frühlingsschmuck gern besucht werden. Der Zanziner, richtiger das Zanziner Wäldchen, bietet durch seine günstige Lage in Tälern und Höhen sehr schöne Wanderwege. Das Schützenhaus und Waldschlößchen werden als angenehme und geschätzte Gartenstätten besucht. Auch der Schönfließpark und Quilitzpark können als Wohlgepflegte Landsberger Parkstätten jedem Besucher nur größte Freude und Erholung bereiten. Herrliche Wege führen im Schönfließpark an der Rodelhütte vorbei durch die Furchungen der Landschaft und leiten fast unmerklich zum Quilitzpark hinüber.
Der Wasserturm und die Schanze ermöglichen den schönsten Gesamtanblick von Landsberg und weit über das Warthebruch hinweg. Wer an diesen Parkanlagen in Stille und Bequemlichkeit die Natur genießen will, kann auch hier wieder im Konzerthaus „ Weinberg“, das in den letzten Tagen noch große Vorbereitungen für den Gartenbetrieb traf und in „Ehrenbergs Halle“ einkehren. Es sei auch nicht vergessen die Erfrischungsstätten für die Zechower- Wanderer zu nennen, die im „Hopfenbruch“ nach alter Gewohnheit und in Zechow in Seidels Gasthof zu finden sind. Mit dem Spaziergang am Wall lassen sich auch Wege durch den Klosterpark und Lützowpark verbinden. Wenn man den Weg kürzen will, so kann das Konzerthaus „Eldorado“ besucht werden. Wer den Weg um den Wall gewählt hatte, kann im „Viktoriagarten“ oder in der „Kuhburg“ ausruhen. Hier gibt die schöne Aussicht auf die Wartheniederung dem Aufenthalt einen besonderen Reiz. Schließlich kann auch der Osterspaziergang, der in diesem Jahre durch die sehr frühe Jahreszeit der Festtage für Waldfahrten in unsrer schöne Umgebung weniger günstig ist, in die Mitte der Stadt lenken. Die Anlagen an der Kladow, die Promenade und der Stadtpark geben beste Möglichkeiten dazu. Das sehr schön gelegene Cafe Boley, das seinen Garten in diesem Frühjahr noch wesentlich vergrößert, ist hier ein würdiges Gegenstück zu den anderen geschilderten  Landsberger Gaststätten. Und wenn man irgendeinen dieser Osterspaziergänge in Landsberg gemacht hat, dann wird man in dankbarer Freude das Schaffen Landsbergs für seine Parkanlagen erkennen. Die Parkanlagen haben Landsbergs Ruf als Gartenstadt überall verbreitet. Landsberger selbst werden sich hoffentlich in ihren freien Stunden und besonders in Feierstunden dieser Erholungsstätten recht oft erfreuen.