Und wieder Müllabfuhr
Neumärkische Zeitung 1. Mai 1930
Die Landsberger Müllabfuhranstalt soll kommen.
Gebührensatz 2,2 Prozent der Friedensmiete.
Der Magistrat teilt mit: Die Müllabfuhr in ihrer bisherigen Durchführung bedeutet für Stadt von der Größe Landsbergs zweifellos seit Jahren eine unwürdige Einrichtung. Die Polizei fordert aus gesundheitlichen Gründen dringend Abschaffung des jetzigen Zustandes. Auch das vorhandene Material ist nunmehr im Laufe der Jahre derart schlecht geworden, daß schon längst Ersatzanschaffungen erfolgen mußten, wenn Gewißheit über eine baldige Neuorganisation der Abfuhr in Aussicht gestanden hätte. Die Anschaffung von neuen Kübeln mit Wechselboden (Stadtsystem), die bislang in Gebrauch waren, wäre verfehlt gewesen, denn diese Art der Abfuhr entspricht ebenfalls nicht den Anforderungen, die in hygienischer Beziehung gestellt werden müssen. Über die sonst noch ausgeübte schlechteste Art der Abfuhr durch offene Kasten und Handwagen braucht nicht weiter geredet werden. Der Magistrat ist zu dem Entschluß gekommen, die Abfuhr nach dem in der Praxis am meisten bewährten System, dem staubfreien Umleersystem, ausführen zu lassen. Eine Übernahme der Abfuhr in städtische Regie wurde mit Rücksicht auf die finanzielle Lage der Stadt abgelehnt. Die Abfuhr soll dagegen den hiesigen Unternehmern Paul Meyer und Emil Schill, die schon jahrelang Müll abfahren, übertragen werden. Beide werden gemeinschaftlich die Landsberger Müllabfuhranstalt errichten und betreiben und mit neuem und einwandfreiem Material versehen, so daß eine vollwertige Einrichtung geschaffen wird.
Der Gebührensatz von 2,2 vom Hundert der Friedensmiete ist als angemessen und tragbar zu betrachten. Eine Änderung der Gebühr darf nur mit Genehmigung der Stadt erfolgen, deren Einfluß auch sonst weitgehendst vertraglich gesichert ist.
Ein altes Thema soll am kommenden Freitag in der Stadtverordnetensitzung behandelt werden, ein altes Thema, aber ein neues Gewand. Fast vor einem Jahre tobte bereits der Kampf um die Müllabfuhr. Damals stand der Magistrat auf dem Standpunkt, daß die Müllabfuhr nur dadurch geregelt werden könnte, wenn die Stadt Landsberg und die in Landsberg etwas berüchtigte Berliner Müllabfuhr, die Angelegenheit in die Hand nehmen. Vorher glaubte der Magistrat, daß nur die Berliner Müllabfuhr den Landsberger Müll beseitigen könnte. Und nun? - Ein Wunder ist geschehen. Denn jetzt endlich hat sich der Magistrat dazu bekannt, was von der Bürgerschaft von Anfang an gefordert wurde, daß die Müllabfuhr Landsberger Gewerbetreibenden überlassen wird. Wir begrüßen diesen Umschwung im Magistrat. Der Vorlage werden auch die bürgerlichen Stadtverordneten zweifellos zustimmen, zumal sie es mit gutem Gewissen können. Wie weit allerdings auch die Sozialisten der Vorlage ihre Stimme geben werden, bleibt abzuwarten. In Anbetracht dessen aber, daß endlich die Müllabfuhr geregelt werden muß, um auch auf diesem Gebiet hygienische Zustände zu erhalten, wäre es zu wünschen, wenn auch wenigstens einmal, die Sozialisten ihre Feindschaft gegenüber fruchtbringender Privatwirtschaft aufgeben und der Vorlage zustimmen würden.
Es bleibt ein Verdienst von Stadtrat Hofmann als Dezernenten für Straßenreinigung, daß diese Vorlage eingebracht wurde. All seine Mühe und Arbeit, die er gehabt hat, wird hoffentlich nicht vergeblich gewesen sein, das wäre außerordentlich bedauerlich. Denn wird die Vorlage abgelehnt, werden zunächst einmal die verheerenden Zustände bleiben, wie sie sind, außerdem aber, wer würde noch den Mut aufbringen, eine Vorlage den Stadtverordneten zu unterbreiten, die noch viel weniger Aussicht auf Erfolg hätte? Die Vorlage, wie sie jetzt der Stadtverordnetenversammlung vorliegt, ist allein annehmbar und wird auch die Bürgerschaft befriedigen.
-Frn.-