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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Aus Briefen an uns.
Das Stromschwimmen am Sonntag
Neumärkische Zeitung  14. August 1929

Diese an sich großartige Veranstaltung litt unter zwei Übelständen: Der unangebrachten „Schneidigkeit“ unserer Polizei und der hereinbrechenden Dunkelheit. Die Schwimmer und die Schwimmerinnen wollten gesehen werden, und man wollte sie auch sehen. Da war aber nur in ungenügender Weise möglich. Entsprechend ihrer Instruktion drängten nämlich die Polizeibeamten mit sanfter Gewalt die Zuschauer dort weg, wo ein bequemes Schauen möglich gewesen wäre. Wenigstens 100 Meter von der Startstelle entfernt durfte man allenfalls noch stehen, und auf der Brücke hieß es allerorten: „Bitte weitergehen!“ Warum ließ man das Publikum nicht auf den Bürgersteigen der Brücke stehen? Warum vor allem nicht auf den Kanzeln den gegebenen Stellen zum Genießen dieses seltsamen eigenartigen Bildes? Eine Belastungsgefahr für die Brücke bestand doch nicht! Und sollte jemand schnell über die Brücke müssen, dann konnte er ja den Fahrdamm benutzen. Das große Polizeiaufgebot schütze ihn unter allen Umständen vor Gefahr. Das unaufhörliche „Bitte weitergehen!“ hat allgemein sehr verschnupft. Ich bin ein großer Freund des Wassersports, war in meinen jüngeren Jahren ein leidenschaftlicher Schwimmer und Ruderer und hätte gern von einer der Brückenkanzeln aus in Muße gesehen, wie die jugendkräftigen Gestalten frohgemut das Wasser durchschnitten, doch das duldeten die Hüter der Ordnung nicht. Für eine spätere Wiederholung solch eines Stromschwimmens wird heute schon um dieselbe Rücksicht gebeten, wie man sie im vorigen Herbst übte, als in der Werbewoche das große Bootsfahren stattfand.
M.W.