Landsberger Idyll vor 50 Jahren
Neumärkische Zeitung 18. August 1929
Das Jahr 1879 muß doch ein ganz vortreffliches gewesen sein, wenigstens meldet die „Neumärkische Zeitung“ vom 14.August 1879, daß „die Vegetation in diesem Sommer in Folge des massenhaften Regens ganz vortrefflich“ stehe. Weiter berichtet das Blatt: „Der Graswuchs gedeiht in einer Weise, die jeden Schnitter herzlich erfreuen muß, und zwar nicht nur auf den Wiesen in der Umgebung, sondern sogar in verschiedenen Straßen und auf mehreren Plätzen unserer Stadt“. Zum Schluß fragt die Redaktion der Zeitung: „aber sollen denn diese Rasenflächen in der Stadt bloß eine Zierde sein? Unserer Ansicht nach können sie auch als Weide nutzbar gemacht werden!“
Und der Erfolg dieser Anregung? Lesen wir, was die „Neumärkische Zeitung“ vom 16. August 1879 zu melden weiß: „Der von uns neulich gemachte Vorschlag, die zahlreichen Grasflächen auf dem Straßenpflaster in unserer Stadt als Weide zu benutzen, hat überraschend schnell Berücksichtigung gefunden. Heute Morgen tummelte sich im schönsten Teile der Stadt nämlich auf dem Trottoir der Zechower Straße zwischen dem Parade und dem Lindenplatz, eine Herde - Schweine, welche unter Leitung eines Treibers sich an dem dort reichlich vorhandenen Grase ganz gemächlich äste. Wer das Trottoir passieren wollte, mußte mitten durch das grunzende Geschlecht. Verschiedene Passanten hemmten ihren Schritt und labten sich an dem herzstärkenden Anblick!“
Was würde wohl passieren, wenn heute ein Schweinetreiber seine Herde z.B. in der Hardenbergstraße, wo es ja auch an den Straßenrändern grünt, weiden ließe?
W.