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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
 
50 Jahre Landsberger Bevölkerungsbewegung
Neumärkische Zeitung   9. Mai 1930

Die Einwohnerzählungen von 1875
bis zur letzten Volkszählung.
Ständige Zunahme der Stadtbevölkerung.

Mit dem Aufschwung des Wirtschaftslebens, der starken Entwicklung der Industrie und des Handels, nahmen die meisten deutschen Städte einen von Jahr zu Jahr steigenden Bevölkerungsumfang an. Ein Rückblick auf die Volkszählungen im 19. und 20. Jahrhundert läßt interessante Einblicke in das Wachstum der einzelnen Städte erleben. Im 19. Jahrhundert lassen sich vier Perioden unterscheiden. Die erste Periode hebt mit dem Jahre 1816 an und reicht bis zum Jahre 1834. Das Volkszählungswesen entbehrt in dieser Zeit noch einer gemeinsamen Regelung für die einzelnen Staaten. Vom Jahre 1834 ab beginnt eine neue Periode des deutschen Volkszählungswesens. eine Verfügung bestimmt, daß alle 3 Jahre eine Volkszählung stattfinden solle. Nach und nach traten die einzelnen Staaten der allgemeinen Volkszählung bei, so daß am Schlusse der dritten Periode fast alle deutschen Bundesstaaten Volkszählungen eingeführt hatten. während die bisherigen Volkszählungen im Wesentlichen lediglich wegen des Zollabrechnungswesens  veranstaltet wurden, erlangte sie in der 4. Periode erhöhte Bedeutung mit Bezug auf die Feststellung der Bezirke für die Reichtagswahlen, der Friedensstärke des Bundesheeres, der Verteilung des Rekrutenbedarfs und vor allem mit Bezug auf die Verteilung der Matrikularbeiträge. durch Begründung des Deutschen Reiches trat der ursprüngliche Zollabrechnungszweck der gemeinsamen Volkszählungen erstmals in den Hintergrund. Umso mehr erwuchsen der Volkszählung zahlenmäßige anderer mächtiger Aufgaben. Durch Bundesratsbeschluß wurde bestimmt, daß man nun alle 5 Jahre regelmäßig im Deutschen Reiche eine allgemeine Volkszählung stattfinden solle. Da mit der Volkszählung nach und nach weiteren Zählungen über die Berufs, Wahlverhältnisse usw. stattfanden, liegen seit dem Jahre 1875 ziemlich vollständige Angaben über die damaligen Verhältnisse im Deutschen Reich vor.
Durch die Ausgestaltung, welche die Volkszählung im Laufe der Zeit erfahren hatte, erlangte sie eine mehr und mehr umfassende Bedeutung. Zunächst ergibt sich die Bedeutung der Volkszählung schon damals, daß die Volkszahl zwar nicht ausschließlich entscheidend ist für die politische Macht, aber doch zum großen Einfluß ist auf denen finanzielle Leistungsfähigkeit sowie über volkswirtschaftliche Wachstumsfähigkeit. Die Volkszählung wird benutzt zur Feststellung des parlamentarischen Verhaltens des Volkes in den Landtagen, Kreisausschüssen usw. Die Volkszahl dient ferner als Grundlage für die Ausscheidung größerer Gemeinden aus den kleineren Verwaltungsbezirken um mit dem Recht der Selbstverwaltung neben diesen zu bestehen. Ebenso kommt die Volkszählung in Betracht zur Beurteilung des Bedürfnisses nach neuen Schulen, Krankenanstalten, usw., ferner bei der Einteilung der Justiz und Regierungsstellen. Nicht zuletzt spielt die Bevölkerungsziffer zur Erhebung und Errechnung der Steuern aller Art eine außerordentlich wichtige Rolle. Alles in allem ergibt sich also, daß demnach die Volkszählung die wichtigste Zählung zur Beurteilung kultureller und wirtschaftlicher Angelegenheiten eines Volkes ist.
Innerhalb eines halben Jahrhunderts, vom Jahre 1875, der Zeit der so genannten Gründerjahre, bis zum Jahre 1925, der letzten stattgefundenen Volkszählung, hat die Bevölkerungszunahme der Stadt Landsberg nachfolgende Ergebnisse aufzuweisen:
  
Ortsanwesende im Jahre:
Einwohnerzahl
Bevölkerungs- Zunahme
1875
21 379
--
1885
24 893
3314
1895
33 398
8705
1905
36 734
3336
1910
38 839
2105
1925
42 503
3664

Die Stadt Landsberg hat auch den amtlichen Feststellungen der Volkszählung nach, sich demnach innerhalb 50 Jahren um 21 124 Einwohner vermehrt.
Der Krieg 1914/ 1918 hat in den regelmäßigen Lauf der natürlichen Bevölkerungsbewegung eine große Einbuße gebracht. Durch den Geburtenausfall ist ein Verlust von 3,3 Millionen Seelen festgestellt worden.