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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Die geschichtliche Bedeutung der Kuhburg
Eröffnung und Einweihung eines historischen Zimmers.
Neumärkische Zeitung   27.April 1931

Am 16. April dieses Jahres waren 300 Jahre verflossen, daß der Schwedenkönig Gustav Adolf die Stadt Landsberg (Warthe) mit Waffengewalt erobert und die Landsberger Bürger von den schweren Unterdrückungen des kaiserlichen Heeres befreite. Gustav Adolf hatte bereits, als seine Truppen in die Neumark einrückten, bei der Kurfürstlichen Regierung in Küstrin Erkundigungen über die Stärke der kaiserlichen Besetzung in Landsberg (Warthe) eingezogen. Von Küstrin aus ritt der Schwedenkönig am 20. Januar 1631 bis vor die Wälle Landsbergs und besichtigte die Festungsanlagen der Stadt. Aber noch war die Stunde der Freiheit für die Bevölkerung nicht gekommen. Statt des erhofften Befreiers zog der kaiserliche Oberfeldherr Pilly in Landsberg ein, dem es noch einmal gelang, den Druck der schwedischen Truppen abzuschwächen. Der Mordbrennerzug der Landsberger Soldateska nach Arnswalde am 23. März, der den unglücklichen Bewohnern kaum das nackte Leben ließ, zeigte mit erschreckender Deutlichkeit die Verrohung der kaiserlichen Armee und ihr Bestreben, durch Mord und Plünderung möglichst viel Beute zu erraffen. Am 6. April traf endlich die schwedische Kavallerie zum Entsatz Landsbergs ein, und es glückte den schwedischen Reitern, die im Solde des Kaisers stehenden Kroaten vernichtend zu schlagen. König Gustav Adolf, dessen strategische  Fähigkeiten außerordentlich waren, legte bei dem Angriff auf die Stadt den Schwerpunkt der Schlacht auf die Kuhburg. Dieses alte städtische Vorwerk war im Jahre 1627 in langer schwerer Arbeit zu einer starken Festung ausgebaut worden. Wälle und Gräben schlossen das Werk ein. Vorräte an Pulver und Blei lagerten in Arsenalen. Eine starke Besatzung sicherte die Festung vor dem feindlichen Ansturm. Gustav Adolf rückte unaufhaltsam weiter und schlug sein Hauptquartier bei der Kuhburg auf. Sein Zelt stand angeblich unter einer alten Eiche. Dort hatte sich ein Landsberger Bürger, der Schmied Dehnstädt bei dem König eingefunden. Dieser Schmied war ein aufrechter Mann gewesen, der vor den Kaiserlichen aus der Stadt hatte flüchten müssen, und der genau die Wege im Bruch kannte. Seiner Führung war es zu verdanken, daß die Schweden eine Brücke über die Warthe schlagen und den Strom überschreiten konnten. Das Schicksal der kaiserlichen Armee war damit besiegelt. Am Turm von St. Marien ging die weiße Fahne hoch und am 16. April verließ die Besatzung Landsberg. König Gustav Adolf zog in die Stadt ein und Landsberg war frei. Zu neuen Taten lockte ein neuer Tag, und laut erscholl der Gesang zur Ehre Gottes aus den Landsberger Kirchen. Um kommenden Geschlechtern die Geschichte Landsbergs zu künden und die Bedeutung der Kuhburg als dem Ausgangspunkt zur Befreiung der Stadt vor Augen zu führen, haben der Besitzer und Pächter des Restaurants zur Kuhburg in den alten Räumen ein historisches Zimmer eingerichtet. Am Sonntag fand die Eröffnung und Besichtigung dieses denkwürdigen Zimmers statt. Ein zahlreiches Publikum hatte sich zu diesem denkwürdigen Augenblick eingefunden. In den Ansprachen wurde auf die historische Vergangenheit der Kuhburg hingewiesen und zur Pflege deutscher Tradition und geschichtlicher Ereignisse aufgefordert, um durch die Vermittlung unserer gemeinsamen Geschichte ein enges Band zwischen allen Deutschen zu knüpfen.
Das Zimmer ist ausgestattet mit Bildern vor und nach der Erstürmung Landsbergs, mit Zeichnungen aus dem Mittelalter, mit Merianischen Stichen, den Bildnissen des Alten Fritz, dem Kolonisator des deutschen Ostens, mit dem Bild von Brenkenhoff, dem Minister des großen Königs und einem Portrait von Gustav Adolf. Es ist beabsichtigt die Sammlung weiter auszudehnen und durch historische Werke auszubauen, um für Landsberg und die Kuhburg ein kleines Heimatmuseum zu schaffen. Auch ein Gästebuch ist angeschafft worden, und es wäre für den Zweck der guten Sache zu wünschen, daß recht viele Landsberger Bürger sich als Besucher des historischen Zimmers eintragen würden.               
-ny.-