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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Das Kleeblatt im Landsberger Wappen
Eine Sage aus Landsbergs Vorzeit
Neumärkische Zeitung    16. April 1931

Jedes Landsberger Kind weiß, daß die Stadt Landsberg im Jahre 1257 als Feste gegen Polen und vor allem gegen die slawische Burg Zantoch gegründet wurde. Die Gründung Landsbergs geschah aber aus politischen Gründen. Was aber weiß und versteht die breite Masse des Volkes von Politik, das sind für sie böhmische Dörfer, ist viel zu verworren, viel zu hoch. Kein Wunder wenn sich das Volk die Gründung Landsbergs anders, märchenhafter, duftender vorstellte, als es in Wirklichkeit war. Das Volk, immer für Geschichten und Sagen bereit, umdichtete daher die nackten Tatsachen der Gründung und umwob sie mit freundlichen, taufrischen Blumen. So vielleicht mag jene entzückende Sage von der Gründung entstanden sein, die von einer tiefen Liebe und großen Anhänglichkeit der Landsberger Bevölkerung zur engeren Heimat und zum Heimatstädtchen zeugt, daneben aber auch einen tiefen, tiefen Sinn hat. Eduard Boas erzählt in den alten Blättern des „Neumärkischen Wochenblattes“ die Sage nach und weiß sie, wie sie es verlangt, in zarte, liebliche Worte, aus denen ebenfalls warme Liebe zu Landsberg herausklingt, zu kleiden. Die Sage lohnt, nicht vergessen zu werden, wir veröffentlichen sie daher nachstehend, allerdings stark gekürzt und umgeändert.
Als Kurfürst Johann I. von Brandenburg noch in jungen Jahren stand, bereiste er einst, es war in den Sommertagen des Jahres 1225, die Neumark, die damals eine einzige unwirtliche Gegend war. Begleitet wurde er nur von seinem liebsten Freunde, dem späteren Erbauer Landsbergs, Albrecht de Luge, einem märkischen Edlen. Vor ein paar Tagen hatten die beiden Reisenden das Sternberger Land verlassen und die Warthe an einer seichten Stelle überquert. Tagelang ritten die Freunde weiter ohne Weg und Steg durch dichtes Gestrüpp, Sträucher und Rohr und hatten manchen Kampf mit Ur und Bär zu bestehen. An einem warmen Sommerabend aber öffnete sich das Land und vor ihnen lag eine weite, freie Ebene, die auf der einen Seite durch die Warthe und auf der anderen Seite durch eine lange Kette grüner, wellenförmiger Hügel eingeschlossen wurde. Mitten aus der Ebene erhob sich ein Felsen, dessen Gipfel mit einer Burg gekrönt war. Die Zinnen der Burg glänzten purpurn im Abendsonnenschein und spiegelten sich in den Fluten der Warthe - ein wunderbares Bild, wie es Johann bisher nicht gesehen hatte. Weder der junge Fürst, noch sein Freund kannten die Burg, hatte nie von ihr gehört und wußten auch nichts von dem Besitzer. Doch der freundliche Anblick des Schlosses veranlaßte sie, den steilen Felsweg hinaufzusteigen. Kein Horn schallte vom Wartturm, kein Wächter fragte die beiden, als sie oben angelangt waren, nach Sonne und Stand. Dafür jedoch erklang aus dem dichten Gitter lieblicher Gesang von Frauen.

Prinz, schwöre uns Liebe und ewige Treu’,
wenn noch diese Triebe dein Herz ließen frei.
Dann öffnen zur Wonne die Tore sich weit,
es strahlt dir die Sonne der Glückseligkeit.

Erstaunen und Verwunderung überkamen Johann, und obgleich er noch nie von der Liebe wonnigem Giftbecher getrunken hatte, schwur er dennoch, was das Lied verlangte. Da sank die Zugbrücke nieder und die schweren Flügel der Tore öffneten sich. Über allen Pforten waren strahlende Wappenschilde angeheftet, auf deren goldenem Grunde ein Kleeblatt stand, dessen drei Zacken weiß, purpurn und lichtblau leuchteten. Schweigend durchwanderten die Ritter die weiten verlassenen Hallen, bis sie endlich in einen wundervoll geschmückten Saal gelangten. Herrliche Strickereien zierten die Wände und von den reichen Kronleuchtern floß wildes Licht auf einen Thron von schwerem rotem Golde herab. Auf dem Thron saßen in überirdischer Schönheit drei Jungfrauen, die den Ritter von den Stufen entgegen gingen. Theudelinde hieß die eine der drei Jungfrauen; sie trug ein lichtes blaues Gewand mit Silber bestickt, und begrüßte den Prinz mit liebevollem Blick. Oduna war der Name der zweiten. Dunkle Locken umwallten ihr Antlitz, sie war in hellen, Goldbedeckten Purpur gekleidet und bot lachend dem Fürsten die Hand. Die dritte hieß Swanhilde. Blondes Seidenhaar umrahmte ihr Gesicht, ein duftiges schneeweißes Gewand mit funkelnden Diamanten besät, umfloß ihre schlanke Gestalt. Sie vermochte kein Großwort über die Lippen zu bringen, nur ein leiser Seufzer stahl sich aus ihrer Brust. Das Kleeblatt im Wappen, das der Prinz in den drei Frauen lebendig vor sich sah, überraschte ihn so, daß er kein Wort des Dankes für die freundlichen Willkommensgrüße fand. Ein sonderbares, nie gekanntes Gefühl erfaßte sein Herz und in sich spürte er plötzlich höchste Seeligkeit.
Mit glänzenden Festen und Vergnügungen ging die Zeit dahin. Wohl fühlte Johann, daß die drei Jungfrauen eher Feen als Menschen glichen. Doch er machte sich wenig daraus, - zum ersten Male liebte er, nur wußte er nicht, wen er mehr liebte, Theuerlinde mit ihrer liebevollen Hingabe, Odunas heiteren Mutwillen, oder das stille Schmachten Swanhildens. So flohen die Tage, Wochen und Monde, ohne daß der Prinz es merkte. Doch schließlich mahnte der Freund zum Aufbruch, da die Mutter des Prinzen in Angst und Sorge sein werde. Nur schwer trennte sich Johann von den Feen und fragte beim Abschied, ob er sie wieder sehen dürfe. Die Mädchen aber erwiderten:

„Suche nie uns wieder auf, doch gedenke deines Schwures!
Dem Treuen lohnet süßer Minnesold,
doch nimmermehr wird uns der Ungetreue wieder sehen.“

Als Johann nach beschwerlicher Reise...