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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Fürsten in Landsberg.
Von Eduard Boas (1815-1849)
Neumärkische Zeitung   18. September 19

Im vierzehnten Jahrhundert war es in der Mark gewöhnlich, daß der Landesherr die Regierung selbst führte, indem er persönlich im Lande umherzog, um Recht zu sprechen und Streitigkeiten zu schlichten. Hierbei unterstützte ihn ein Notarius, welcher den Titel „owerster Schriwer“ hatte. Als Anno 1324 die anhaltische Herrscherlinie in der Mark ausgestorben war, verlieh der Kaiser seinem elfjährigen Sohne Ludwig I. das herrenlose Land. Obgleich nun auch Herzog Wratislaw von Pommern die Neumark an sich reißen wollte, so huldigte sie doch lieber dem Kaisersohne und leistete ihm Beistand in seinen Kriegen. Aber der Markgraf zeigte sich auch dankbar; er schenkte den Städten, z.B. Soldin und Landsberg, ansehnliche Freiheiten, und lebte mitten unter seinen Unterthanen. Anno 1328 hielt er sich abwechselnd in Soldin und Landsberg auf, und Anno 1331 kam er wieder nach Landsberg, wo ihm der Palatin Vinzenz von Posen versprach, durch seine festen Schlösser an der Netze, den König von Polen von der Verwüstung der Neumark zurückzuhalten. Durch diese Fehden kam das Land zwar in Schulden, doch der Markgraf that alles Mögliche, ihm wieder aufzuhelfen. Fortwährend bereiste er die Städte und 1336 befand er sich in Landsberg. Nachdem hielt er sich wieder in den Jahren 1345, 1346,1349 und 1350 einige Zeit zu Landsberg auf, während der falsche Woldemar das Land durchzog, und vielen Anhang fand. Unter Ludwigs Regierung schleuderte auch der Papst Johann XXII., der über ihn und seinen Vater erzürnt war, den Bannfluch auf das unglückliche Land, wodurch es schreckliche Verheerungen durch die Bischöfe von Magdeburg und Lebus erlitt. Der Letzte reizte sogar die Polen und die Lithauer gegen den jungen Fürsten auf, und ihre Scharen verwandelten 140 Dörfer der Mark in Asche; mehr als 6000 Bewohner schleppten sie zu Sklaven weg. Im Jahre 1350 trat Ludwigs Bruder, Ludwig II., „der Römer“, mit in die Regierung ein, und jener zog sich 1351 ganz nach Berlin zurück. der neue Markgraf fand das Land eben von Polen, Lithauer und Tartaren verwüstet, und er ließ sich 1352 in Landsberg huldigen. Auch in den Jahren 1352 und 1362 besuchte er diesen Ort, und erwarb sich das Verdienst, die Mark von dem berüchtigten Räuber „Teufel“ und seinen Spiesgesellen den „Stellmeistern“, zu befreien. Nach Ludwig II. übernahm Otto der Finner, d. h. der Faule oder Liederliche, die Regierung, die er jedoch völlig den schlechten Räthen überließ, die ihm zur Seite standen. Er befand sich 1364 und 1368 zu Landsberg, wahrscheinlich aus keinem andern Grunde, als um harte Abgaben zu seinen Verschwendungen von den Bürgern einzutreiben. Kaiser Karl IV. bewog diesen Fürsten, daß er ihm das Land für seine Söhne überließ, und Sigismund (†1437), der auch einen Theil der Marken erhielt, befand sich Anno 1339 in Landsberg.