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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Bilder aus Landsbergs Vergangenheit.
Neumärkische Zeitung   13. November 1925

Am Mittwoch den 11. November hielt der Bund Landsberger Bürgerinnen eine Mitgliederversammlung in der Lesehalle des Wohlfahrthauses ab. Die erste Vorsitzende, Frau Bahr, machte zuerst einige geschäftliche Mitteilungen und bat besonders, sich an der demnächst stattfindenden Sammlung für die Optanten zu beteiligen. Es sollen vor allem alte Männer und Knabenanzüge herbeigeschafft werden. Dann erteilte die Vorsitzende Professor Dr. Reide das Wort zu einem Vortrag über „Alte und neue Bilder aus Landsbergs Vergangenheit“. Sein Vortrag erstreckte sich hauptsächlich auf die Vorgeschichte Landsbergs. Im zwölften Jahrhundert setzte sich das Land südlich der Warthe in bunter Reihenfolge aus Wald, Wasser und Sumpf zusammen, auf dem die seltsamsten Bäume wuchsen, und in dessen Wäldern eine Herde von 3000 Hirschen lebte. Die Bewohner waren Slawen. Eine Urkunde, welche der Vortragende verlas, schildert sie als sehr freiheitsliebend und kriegerisch. Sie siedelten sich am liebsten an schlecht zugänglichen Plätzen an, und führten von dort aus oft ein wildes Räuberlegen, indem sie aus dem Hinterhalt ihren Feind mit Wurfspießen, hölzernen Bogen und vergifteten Pfeilen überfielen. Zur Abwehr trugen sie einen Schild. Durch ein Rohr, das sie in den Mund steckten, machten sie einen längeren Aufenthalt unter Wasser möglich, um plötzlich auf den ahnungslosen Feind loszustürzen. Eine Schlachtordnung kannten sie nicht, doch waren sie äußerst tapfer und verstanden es ausgezeichnet, in der Enge, z.B. im Walde, zu kämpfen. Wollte man mit Ihnen verhandeln, so hielten sie einen Vertrag nur aus Furcht; Vertragsbrüche kamen häufig vor. Die Frauen waren von strenger Sitte. Es kam vor, daß sie sich beim Tode ihres Mannes erhängten. Im Aussehen werden die Slawen als blond beschrieben, im Unterschied zu den Tschechen. Die Gründung Landsbergs erfolgte auf Veranlassung zweier Askanierfürsten, der Urenkel Albrechts des Bären, Otto III. und Johann I., die von 1226- 1258 gemeinschaftlich regierten. Als sie die Herrschaft antraten, standen sie wegen ihres jugendlichen Alters unter der Vormundschaft der Mutter. Ihr Vater, Albrecht II., hatte Berlin gegründet. Für Verdienste im Kampf gegen den Papst gab Friedrich II., der damals Kaiser war, den beiden Fürsten die Oberherrschaft über Pommern. Von dort aus drangen sie über die Oder, wo sie 1253 Frankfurt gründeten, in die Neumark ein. Sie wurden dabei immer wieder von den Polen bedrängt, und um Pommern und ihre Kolonisation rechts der Oder gegen sie zu schützen, beschlossen sie, zwischen drei Wasserarmen Landsberg zu gründen. In Stolp wurde am 2. Juli 1257 feierlich die Gründungsurkunde von Johann I. dem Ritter Albrecht von Luge übergeben. Auf dem Schriftstück befand sich ein großes Siegel, das einen gepanzerten Ritter mit einer Fahne darstellt. Auf der Fahne war ein Adler, allerdings ohne Kleeblätter, und man vermutet, daß hier der Ursprung des Stadtwappens zu suchen sei. In Lichtbildern wurden dann Karten aus der ältesten   Zeit, Gesamtansichten und einzelne Stadtteile gezeigt. Ein Bild stellte die Eroberung durch Gustav Adolf dar. Dieser war 1631 über die Kuhburgschanze eingedrungen und hatte die Stadt zur Übergabe gezwungen. Auf der Kuhburg hausten früher die „Mönche vom Paradies“. Da sie aber ständig mit Plünderungen und Überfällen zu tun hatten, verkauften sie ihr Besitztum für jährlich 12 Pfund Pfeffer an die Stadt und kauften bei Krossen ein neues Gut. Um zu den Dörfern Kernein, Dechsel, Borkow usw. zu kommen, wurde der Damm errichtet. Von ihm gingen viele Brücken über die vielarmige und weit verzweigte Warthe, nach Dechsel allein 30. Einen besonders interessanten Teil des Lichtbildervortrages bildete die Ansicht der Marienkirche und alter Häuser und Straßen. Wie sahen damals das Henkesche Grundstück, das Hotel zur Krone bescheiden aus! In der Wollstraße soll sich das zweite Kloster befunden haben. Das Bild zeigt die Tür zu einem unterirdischen Gange, der von einem Landsberger Bürger, ehe er zugemauert wurde, zu betreten versucht worden war. Es herrschte jedoch eine so schlechte Luft, daß man nicht weit vorwärts gehen konnte. Zum Schluß des Vortrages wurden einige Photographien von der Stadtmauer und vom Abbruch der Mauer wiedergegeben. Dem Vortragenden wurde lebhafter Beifall zuteil.