Landsbergs Drangsale im 30jährigen Krieg und die Feuersbrunst 1647
Neumärkische Zeitung 2. Februar 1934
Die Stadt Landsberg (Warthe) war von großer militärischer Bedeutung im Dreißigjährigen Krieg, weil sie die Verbindung mit Westpreußen herstellte und Küstrin, wie Frankfurt (Oder) deckte. Diese Wichtigkeit hatte auch der Kaiserliche Oberbefehlshaber Wallenstein rechtzeitig erkannt. Er machte daher dem Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg große Versprechungen, damit ihn Landsberg (Warthe) eingeräumt würde. Er verbürgte sich dafür, daß er im Jülich - Cleveschen Erbfolgestreit eine günstige Entscheidung für Brandenburg durchsetzen würde. Der Kurfürst sollte eine Entschädigung für Jägerndorf erhalten. Die Anwartschaft auf Pommern wurde diesem zugesagt und, wenn Wallensteins Stamm aussterben würde, sollte der Heimfall Mecklenburgs an Brandenburg stattfinden. Die Stadt Landsberg hatte schon 40 000 Thaler dem Kurfürsten für den Unterhalt seiner Truppen vorgeschossen. Nun kamen die Durchzüge der Kaiserlichen Truppen. Diese forderten die willkürlichsten Abgaben und drückten die Bürger durch Einquartierung. Die Soldaten durchwühlten das Innere der Häuser, zerschlugen alles, was ihnen nicht gleich zugänglich war und genügend Beute lieferte. Was verschlossen war, wurde von ihnen erbrochen, aller Vorrat mitgenommen. Wer sich ihnen widersetzte, wurde furchtbar mißhandelt. Dies alles geschah, trotzdem der Kurfürst Georg Wilhelm sich als „gehorsamer Unterthan des Kaisers“ betrachtete und diesen nie beleidigt hatte. Der Kaiserliche General, Graf von Schaumburg, entsetzte sich selbst vor den Greultaten seiner zügellosen Soldaten. Bereits 1628 erscholl ein Notschrei über das Verderben der Stadt. Die Erbitterung gegen dieses Treiben der Kaiserlichen stieg schließlich so sehr, daß Georg Wilhelm sich veranlaßt sah, seinen Unterthanen zu erlauben, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben und jeden Soldaten, der beim Plündern ertappt wurde, zu töten. Oberstleutnant Perusi (Peraus) nahm Landsberg (Warthe) als erster Wallensteinscher Kommandant 1629 mit seinem Regiment in völligen Besitz. 1630 wurde Karl Hannibal Burggraf zu Dohna sein Nachfolger. Gustav Adolf II. von Schweden war die günstige strategische Lage Landsbergs nicht entgangen. Bei seinem weiteren vordringen in Deutschland konnte er nur höchst vorsichtig zu Werke gehen; er mußte sich immer gute Verbindungen im Rücken sichern, um von seinem Heimatland nicht plötzlich abgeschnitten zu werden. Bei seinem Marsch zum Entsatz von Magdeburg brauchte er gerade einen solchen festen Stützpunkt, wie ihm dies Landsberg gewähren konnte. Er zog vor diese Stadt und entriß sie 1631 den Kaiserlichen. Zum Kommandanten wurde Oberst Karel Ruth (Ruthen) ernannt. Rittmeister Drache war dessen Unterbefehlshaber. Vier schwedische Kompanien und der Stab lagen nun in Landsberg, dass trotz seiner vorhergehenden furchtbaren Verluste diese Besatzung zu ertragen hatte. Aber das Maß der Leiden sollte noch auf das allerhöchste gesteigert werden. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges lockerte sich nach Gustav Adolf II. Tod die anfänglich so gerühmte Disziplin seiner Soldaten immer mehr. Die lange Kriegszeit, die vielen Entbehrungen und ständigen Lebensgefahren machten auch diese Soldaten zu Plünderern und Mordbrennern, zumal ihre Bedürfnisse nicht voll befriedigt und die ihnen gemachten Versprechungen nur zum geringsten Teil erfüllt worden waren. Schon 1633 war eine allgemeine Empörung zum Ausbruch gekommen und durch Georg Bernhard von Weimar nur vorübergehend gestillt worden. Am 23. April 1647 nachmittags entstand in einem Augenblick an allen vier Enden eine so große Feuersbrunst in Landsberg, wie eine solche sich seit den Hussitenkriegen nicht wieder in dieser Stadt ereignet hatte. Innerhalb von zwei Stunden wurden etwa 50 Häuser eingeäschert, dazu noch das Pfarrhaus und das Rathaus. Nur wenige Gebäude blieben außer der Kirche und Schule erhalten. Man fand an den Brandherden noch Überreste von Heu und Stroh, in denen Schaufeln mit Pulvermengen eingetroffen wurden. Ein ganz geringer Teil der Soldaten zeigte sich hilfsbereit beim Löschen des Brandes. Die meisten liefen lieber davon und trugen unverhohlene Freude über die Feuersbrunst zur Schau. Die Offiziere verprügelten die Soldaten, die sie beim Hemmen des Brandes erblickten. Suchten die armen Einwohner Landsbergs ihr Mobiliar zu retten, so traten ihnen die Soldaten hindernd in den Weg. Am 24. und 25. April brach erneut Feuer aus. Abermals fand man an den Stellen, wo der Brand begonnen hatte, noch Strohreste. Wiederum war dies ein deutlicher Beweis, daß Brandstiftung vorlag. Äußerten doch die Soldaten, daß es dabei nicht bleiben würde, in wenigen Tagen würden alle Häuser dem Erdboden gleichgemacht sein. Glücklicherweise wurde das Feuer im geeigneten Augenblick unterdrückt. Am 10. Mai nachmittags nahm man in einem Stall einen neuen Brandherd war. Dürres Reisig war unter das Dach zwischen zwei Balken gelegt worden. Dazu hatte man noch Stroh gefügt, sofort schaffte man Wasser herbei und verhütete so neuen Schaden. Eine Untersuchung über die Entstehung dieser Unglücksfälle hatte angesichts des Verhaltens der schwedischen Soldaten wenig Wert. Der Bürgermeister der Stadt Landsberg bat daher um Entfernung der Garnison. Der Forderung am 11. Mai, daß wenigstens eine Kompanie von der Garnison anderwärts untergebracht werden möchte, wurde schließlich entsprochen. Dies marschierte nach Pommern ab. Trotz des Friedensschlusses von 1648 wurde erst 1650 die Zantowsche Schanze geräumt und das Ausrücken des Kommandanten, Oberst Karel Ruth, und des Rittmeisters Drachs mit den übrigen drei Kompanien, wie dem Stab vollzogen. Das Haus, worin der Oberst seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte, war vollständig zugrunde gerichtet. Dies hielt die Landsberger jedoch nicht ab, aus Freude über die endliche Befreiung von dem schier unerträglichen Joch, dem schwedischen Kommandanten noch zum Abschied ansehnliche Geschenke zu überreichen.