Die neue Orgel in Trebitsch
Neumärkische Zeitung 21. August 1929
An Stelle blauer Gazeflecken blinken nun silbern leuchtende Pfeifen; das mäßige Tönen der Orgel hat machtvoll gewaltigem Klange weichen müssen. Dank der Freigiebigkeit des Sägewerkbesitzers Otto Meyer hat die Gemeinde nunmehr eine Orgel, die sich sehen und hören lassen kann. Zu danken ist dies dem vollendeten Können des Orgelbaumeisters Friedrich, von der Sorauer Firma Heinze, der mit seinen Gehilfen in überaus angestrengter Arbeit unter zuhilfenahme der frühesten Morgen- und der späteren Nachtstunden in zwei Wochen aus dem alten „Kasten“ ein Werk schuf, das jedem neuen gleichwertig zur Seite gestellt werden kann. Die Übergabe der Orgel gestaltete sich dank dem Bemühen des hiesigen Organisten zu einem seltenen Kunstereignis. Hatte er doch eine Reihe vorzüglicher Solisten zu dem Konzert gewonnen. So glänzte Fräulein Wenigers an Fülle gesteigerter Sopran mit zartestem Schmelz in Händels Largo, begleitet von der trefflichen Violine des Herrn Sagerdt und dem gleichwertigen Cello des Herrn Basta neben dem prächtigen Singen der Orgel: Violine, Cello und Orgel gaben sich ein schönes Stelldichein in Griegs „Ases Tod“, untermalt von den wundervollen Hornklängen des Herrn Stenzel. Die „Meditation“ von Gounod- Bach, mit Violine und Cello neben der Orgel zu sehr gutem Vortrag gebracht, rührten die Herzen. Die Weichheit und klangvolle Schönheit des Soprans von Fräulein Weniger nahm alle Hörer gefangen, als die so seltsam packenden Griegschen Harmonien erklangen. Herr Baste (Altkarbe) ließ Vollendetes in seinem „Andante aus dem G- Moll- Konzert“ von Soltermann hören; und das gleiche Lob ist Herrn Sagerdt in der „Romanze“ von Spendsen zu zollen. Zu Beginn und Schluß ließ die Orgel im Solospiel ihr Werk erklingen. Die majestätische Wucht der Prinzipale, die singende Glut der Bässe, die Schönheit der in vollendeter Charakteristik intonierten Füllregister, die so schwer klangrein zu stimmenden Mixturen glänzten in glockenhellem Silberklange. Und als der Orgelbaumeister, zugleich ein vollendeter Organist, der freundlich auch die Begleitmusik übernommen hatte, das Werk unter seinen Meisterhänden vorführte, als die Register vom vollen Werk abschwächten auf das süße Salicional, und als zum Schluß von kleinster Stimme aus die Musik von Wagners „Lohengrin“ aufrauschte zu gewaltiger Schönheit, da war wohl niemand in dem Gotteshause, der nicht in innerster Seele gepackt war. Leider hatte das gerade kurz vor Beginn des Konzertes aufziehende Gewitter den Besuch beeinträchtigt; und doch war die Kirche wohlgefüllt, so daß in Kürze versucht werden wird, ein weiteres Kirchenkonzert zu veranstalten. Hoffentlich wird es sich bald noch ermöglichen lassen, daß das leider störende Geräusch des schwer zu betätigenden Windkastens von Hand durch ein elektrisches Gebläse beseitigt und dann auch für elektrische Beleuchtung am Orgelpult und dessen Nähe wenigstens für die Musiker gesorgt wird; denn diese beiden Dinge sind das Einzige, was ernsthafte Kritik an der „geistlichen Abendmusik“ aussetzen kann. Es darf ohne weiteres gesagt werden, daß sich die Veranstaltung weit über den Rahmen dessen erhob, was sonst in Dörfern und kleinen Städten geboten wird und geboten werden kann. Hoffentlich ermuntert der Erfolg den veranstaltenden hiesigen Organisten zu weiterem Wirken auf dem beschrittenen Wege. - Skr.-