Grundsteinlegung für die Kirche in Striche
Neumärkische Zeitung 18. April1932
In dem Grenzdorfe Striche, das früher zur Parochie Birnbaum gehörte, ist am Sonntag in Gegenwart des Generalsuperintendenten Dr. Hegener, Schneidemühl, feierlich der Grundstein für ein neues evangelisches Gotteshaus gelegt worden.
Jahrhunderte lang haben, wie es in der Urkunde heißt, die in den Grundstein eingeschlossen wurde, die Evangelischen des heutigen Kirchspiels Striche zur Kirchgemeinde Birnbaum gehört, die etwa um 1554 durch den evangelisch gewordenen Standesherrn Jakob Ostrog gegründet worden ist, und um die sich besonders Christoph von Unruh, der Besitzer der Herrschaft Birnbaum und Striche um die Wende des 17. Jahrhunderts, verdient gemacht hat. Nachdem durch die Generalsynode von Liffa am 12. Juni 1777 Striche, Striche- Hauland und Neugörzig in heute nicht mehr näher zu bestimmender Form der evangelischen Kirchengemeinde Birnbaum eingefügt worden sind, während Wierzebaum damals nur Gastweise dazu gehörte, sind alle vier Ortschaften 1837 endgültig nach Birnbaum eingepfarrt worden.
Eine gottesdienstliche Versorgung freilich ist bis an das Ende des 19. Jahrhunderts nur in der Weise durchgeführt worden, daß der Lehrer in Striche Lesegottesdienst hielt. Umso erfreulicher war es, daß vom Jahre 1890 an monatlich einmal um 3 Uhr nachmittags auch Predigtgottesdienst in Striche eingeführt wurde. (Der erste ist am 13. April 1890 gehalten worden.)
Durch die Grenzziehung infolge des unglücklichen Ausganges des Weltkrieges sind alle diese Gemeinden von ihrer Mutterkirche gewaltsam getrennt worden, so daß eine gänzlich neue kirchliche Ordnung notwendig geworden ist. Bis zur Gründung einer eigenen Kirchengemeinde Striche am 1. Oktober 1927, bzw. bis zur Errichtung der Pfarrstelle Striche am 1. April 1928 sind die Evangelischen von ihrer Nachbargemeinde Prittisch betreut worden.
Die wichtigste Aufgabe des ersten Pfarrers Niedlich und der ersten kirchlichen Körperschaft von Striche bestand in der Betreibung des Baues einer Kirche und eines Pfarrhauses. In Würdigung der Not der neuen Grenzgebiete haben der Preußische Staat und die Landeskirche der altpreußischen Union in dankenswerter Weise die wesentlichen Mittel - 105 000 Mark - zur Verfügung gestellt. Freiwillige Gaben der Gemeindeglieder selbst in Höhe von rund 1300 M. und Zuwendungen der Gustav- Adolf- Stiftung im Betrage von 3800 M. und der Provinzialkirche mit 1000 M. haben geholfen, das Werk so zu fördern, daß wir am heutigen Tage den Grundstein zum Gotteshaus legen können in dem starken Vertrauen, daß der, der mit uns angefangen das gute Werk, uns auch die Vollendung sehen lassen wird trotz all der Not, die heute auf ganz Deutschland lastet.
Die zur Zeit vakante Pfarrstelle versieht Pfarrer Schlatter (Betsche).