Der Sakralbau des Gotteshauses
Neumärkische Zeitung 14. Dezember 1930
Nun ist der Bau der Lutherkirche vollendet. An der Wachsbleiche erhebt sich ein monumentaler Sakralbau, der mit seinem machtvoll aufstrebenden Turm eine künstlerische Bereicherung des Stadtbildes bedeutet. Ein streng geformter Grundriß, außen ein Kreis, innen die Form des griechischen Kreuzes, liegt dem Gotteshause zugrunde und vermittelt durch solche Klarheit und Härte der Bauform ein Gefühl der Erhabenheit. Im Gegensatz zu dem früheren Baustil der Kirchen, der Breitgewölbte Langschiffe mit seitlich hochgeführten Turm verlangte, ist die neue Kirche konstruktiv ein Rundbau, vor dem mit der Front nach der Dammstraße ein Turm in geraden, klaren Linien beherrschend empor wuchtet.
Betritt man die Kirche durch das mit den Symbolen der vier Evangelisten und anderen kirchlichen Bildern geschmückte Turmportal, gelangt man durch einen Vorraum in das Innere. Gewaltig wölbt sich die Kuppel, aufstrebend in großartigen Dimensionen und zusammenfließend in einer raumhaft fernen Perspektive, über das weite Rund. Gegliedert wird das Gewölbe durch emporstrebende Rippen aus Formsteinen, die radial bis zum Scheitel der Kuppel verlaufen und sich dort in einem Ring aus Klinkersteinen vereinigen, der ein gemauertes Kreuz umschließt. Die Farbe des Gewölbes ist auf eine einfache, gelbliche Abtönung gestimmt, aufnahmefreudig für die verklärende Wirkung des Lichtes. Die Wandflächen sind mit Klinkerplatten bekleidet, die ebenso wie die Klinkersteine auf der Grube Ilse in Senftenberg gebrannt worden sind.
Der Altar erhebt sich frei vor der Rückwand, aus der die Kanzel hervortritt. Zu beiden Seiten der Kanzel wiederholen sich die Sinnbilder der vier Evangelisten: Engel, Löwe, Stier, und Adler, in leuchtendem Mosaik ausgeführt. In die Vorderwand des Altars sind das Monogramm Christi und der Anfangs- und Endbuchstabe des griechischen Alphabets in Mosaik eingegraben. Über dem Schalldeckel der Kanzel verkündet ein über drei Meter hohes steinernes Kreuz, dessen Fugen mit Goldmosaik überzogen sind, das Zeichen der christlichen Glaubenslehre. Das hohe vergoldete Altarkreuz, eine Christusfigur aus Bronze, Altarleuchter, zwei Altarvasen, eine Taufschale und ein Teppich schmücken den Altarraum.
Eine hölzerne Empore, gestützt auf Peiner- Träger von 60 Zentimeter Querschnitt, zieht sich in geschweiftem Bogen im Halbkreis um das Gewölbe. Hohe schmale Fenster lassen die Flut des Tageslichtes ungehindert die Kuppel durchströmen und lösen eine empfindbare Spannkraft aus, so daß ein starker Höhentrieb den Raum erfüllt. Die Orgel enthält zwanzig Register und ist nach den neuesten, modernsten Grundsätzen erbaut. Die Lichtkörper sind teils unter der Empore, teils im Kuppelgang angelegt. Als Heizungsanlage ist eine Luftheizung gewählt worden.
Der Neubau der Lutherkirche ist ein Zeichen der neuen Sachlichkeit. Hier hat in harmonischem Verbunden sein von Stil und Zweckmäßigkeit der Ausdruck einer ästhetischen Bewertung des Schönen, Gewaltigen, eine großartige Lösung gefunden. Das neue Gotteshaus der Lutherkirche ist eine architektonische Kunstschöpfung unsrer heutigen modernen Zeit.