Wiedereinweihung der Kirche in Ratzdorf
Neumärkische Zeitung 15. Mai 1929
Trotz der vielen anderen Veranstaltungen in unserer Gegend am gleichen Tage, sammelte sich die Gemeinde Ratzdorf mit vielen Besuchern von nah und fern bei herrlichstem Maiwetter um 2 Uhr vor der Schule, als dem intermistischen gottesdienstlichen Raum, um in langem Zuge, die singenden Schulkinder, die Pastoren und die Kirchenältesten mit Bibel, Agend, Kruzifix und Abendmahlsgeräten voran, zum Gotteshause zu marschieren, das nach dem schweren Blitzschlagschaden vom 21. April d. Jahres nun endlich wieder hergestellt ist und als weithin sichtbares Wahrzeichen mit seinem größtenteils ganz neu hergestellten Turm, unsere waldreiche Gegend den Stempel aufdrückt.
Maurermeister Winkelmann überreichte den Schlüssel vor der Tür dem Pfarrer Wandrey (Hohenwalde), der die Weihe vollziehen sollte, dieser dem Ortspfarrer Kleindorff (Marwitz), und dieser öffnete die Tür. Das Gotteshaus, durch Malermeister Dreikandt (Loppow) nach kirchlichen Mustern schön neu ausgemalt, zeigte sich mit Maien festlich geschmückt; besonders ein neues Altargemälde, von dem Kunstmaler Fabian (früher in Ratzdorf) gespendet, fiel sofort ins Auge. Der gottesdienstliche Raum war bald überfüllt. Und nun folgte, von Schulchören und Gesängen des altbewährten Ratzdorfer Männergesangsvereins unterbrochen, die Rede des Pfarrers Wandrey, der mit markiger Stimme die restaurierten Gegenstände weihte: den Turm, die Orgel, die Fenster, die Uhr und die neuen Wandteile; ferner die Liturgie, gehalten durch Pfarrer Schumann (Stennewitz); die Festpredigt des Ortspfarrers über: „Siehe, ich mache alles neu“; ein Gedicht von einer Schülerin; ein Schlußwort und die Schlußliturgie, gehalten von Pfarrer Schubel (Beyersdorf).
Alles nahm einen schönen, würdigen Verlauf. Von dem inhaltreichen Inhalt der Festpredigt sei noch hervorgehoben, daß der Bau ohne jeden Unfall vollendet ist und die Kosten durch die Kreisfeuersozietät sowie durch kirchliche Sammlungen in der Gemeinde gedeckt sind. Wie die uralten Glocken von Ratzdorf einen ganz wunderbaren Klang haben - sie sind unversehrt geblieben - so hat jetzt auch die mächtige Orgel mit den neuen Prospektpfeifen, gespielt von Kirchenschullehrer Brunck, eine gewaltige Wirkung. Zu den vielen Grüßen und Segenswünschen, die bei der Feier zur Kenntnis gebracht wurden, z.B. von Generalsuperintendent D. Vits (Berlin), Superintendent Kumbier (Vietz) und Pfarrer Eichstädt (Berlin), dem früheren Oberpfarrer, fügen auch wir gerne die unsrigen.