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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
 
Dorfkirchen der Ostmark
Neumärkische Zeitung  19. Mai 1929

Wie in der ganzen Mark sind auch hier die ältesten aus der Zeit der Besiedlung der ehemals slawischen Gebiete durch die Deutschen stammenden Kirchen aus Granitfindlingen erbaut. In vielen Fällen werden diese Granitkirchen, wie aus urkundlichen Nachrichten hervorgeht, Vorgängerinnen aus Holz gehabt haben, von deren Aussehen wir uns kein Bild mehr machen können. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wird allmählich durch das Auffinden großer Tonlager die Herstellung des Backsteins bekannt und dadurch das spröde Baumaterial der Findlingsblöcke verdrängt. Obgleich die Ostmark oft genug der Schauplatz furchtbarer Kriegsverheerungen gewesen ist, hat sich doch von diesen ältesten Zeugen deutscher Bautätigkeit in diesen Gebieten dank ihrer unverwüstlichen Granitmauern eine beträchtliche Anzahl erhalten. Wenn auch die meisten von ihnen im Lauf der Jahrhunderte bauliche Veränderungen erfahren haben und mit Zutaten im Geschmack der jeweiligen Zeit versehen worden sind, so ist doch der Charakter der Entstehungszeit in den meisten Fällen erhalten geblieben, in einzelnen Fällen sogar noch ganz unverändert. In der Regel stellen sie einen einfachen mit flacher Balkendecke versehenen Saalbau dar; nur selten ist das Kirchenschiff mit Kreuzgewölben versehen gewesen, wie Spuren von Wandpfeilern und Konsolen beweisen; ganz vereinzelt finden sich auch heute noch Gewölbe. Der Chor, der oft mit dem Kirchenschiffe einen gemeinsamen Raum bildet, schließt stets mit einer geraden Wand ab; eine halbrunde Apsis kommt nur ganz selten vor, und wo wir einen vielseitigen Charakter bei einer Dorfkirche finden, so stellt dieser eine bauliche Erweiterung aus dem späteren Mittelalter dar. Die Fenster, heute fast immer vergrößert, waren ursprünglich sehr klein und im Spitzbogen geschlossen, nur der massive Turm zeigt in seinem obersten Geschoß zuweilen große, als Schallöffnungen für die Glocken dienende Fenster mit einfachem frühgotischen Mauerwerk. Oft war der Turm auch als festes Bollwerk eingerichtet und mit Schießscharten versehen; in Zeiten der Kriegsnot mag er häufig genug, wenn das ganze Dorf schon längst in einen Trümmerhaufen verwandelt war, die letzte Zufluchtsstätte der Bewohner gebildet haben. Während der märkische Dorfkirchenturm namentlich in der Altmark und in der Prignitz fast immer zwei Giebel mit einem Satteldach, auf dem noch ein Dorfreiter sitzt, aufweist, finden wir in der Ostmark als Bedachung in der Regel eine knappe Pyramide mit Stange, Knopf und Wetterfahne. Die Größenverhältnisse der märkischen Dorfkirchen sind im Vergleiche etwa mit Schlesien und Pommern recht geringe, aber trotzdem wirken sie mit ihrem massiven Mauerwerk und ihrem trotzigen Turme in der Mitte des Dorfes, gewöhnlich auf einer Anhöhe gelegen, imposant und in hohen Grade malerisch; sie sind untrügliche Wahrzeichen der märkischen Landschaft und mit dieser und ihren Bewohnern auf das engste verbunden.