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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Erneuerungsarbeiten in der Marien - Kirche
Ein neuer Bauabschnitt beginnt- Umgestaltung des Ostchores.
Neumärkischen Zeitung    9. September 1937

Die seit vielen Jahren vorbereiteten Erneuerungsarbeiten in der St. Marienkirche, für die Professor Rüster  (Berlin) umfangreiche Pläne ausgearbeitet hat, werden wiederum ein Stück vorwärtskommen. Nachdem im vergangenen Jahre die Eingangstüren an der Nord- und Südseite ihre ursprüngliche Lage wiederbekommen haben, Fenster und Friese erneuert sowie die vielen Aussparungen für Baugerüste vermauert worden sind und im Zuge der Marktverschönerung auch das Hauptportal im Turm wiederhergestellt worden ist, hat nun ein neuer Bauabschnitt begonnen.
Es handelt sich um die Neu- bzw. Umgestaltung des Ostchores mit dem Altarraum. Der bisherige Altar mit dem bekannten Bild von Begas „Christus, die Mühseligen und Beladenen rufend”, wird dem alten Altar Platz machen. Es handelt sich um den mittelalterlichen Flügelaltar, der bisher im Heimatmuseum gestanden hat. Er ist inzwischen nach Berlin gebracht worden, um von sachverständiger Hand wiederhergestellt zu werden. Dem verhältnismäßig schmalen Altarraum wird der alte Flügelaltar mit seiner Kreuzigungsgruppe und den holzgeschnitzten Figuren der Apostel ein ganz neues Gesicht geben. Der Platz, an dem das bisherige Altarbild aufgehängt wird, ist noch nicht bestimmt.
In die Umgestaltungsarbeiten werden auch die Altarfenster sowie die Triumphbogen zwischen Chor und Kirchenschiff einbezogen. Der Triumphbogen, in der ursprünglichen Abschlußwand nach Osten, soll höher geführt werden, so daß für die Kreuzigungsgruppe, die noch im Turmeingang steht, Raum gewonnen wird. Nach künstlerischer Erneuerung in den ursprünglichen Farben, die in Landsberg vorgenommen wird, sollen das Kruzifix und die beiden Figuren wie früher ihren Platz auf dem Querbalken des Triumphbogens erhalten.
Zur Geschichte des jetzigen Altargemäldes ist noch zu sagen, daß die Bürgerin Frau Beate Schultzky im Jahre 1839 der Stadt ein Legat von 1500 Thaler zur Beschaffung eines Altargemäldes für die St. Marienkirche vermachte. Nachdem Professor Begas (Berlin) für die Anfertigung des Bildes gewonnen worden war, beschloß das Kirchenkuratorium, den Altar umformen zu lassen, und die Summe von 4000Talern dafür zu verausgaben. Professor Begas sagte über sein Werk, das er für die St. Marienkirche schuf, daß Landsbergs Kirche das Beste besitze, und er diesem Bilde von allen seinen übrigen Schöpfungen den Preis zuerkenne.
Wie anfangs erwähnt, wird die Kreuzigungsgruppe, die auf dem Gebälk im Ostchor Aufstellung finden wird, in ihren ursprünglichen Farben wiederhergestellt werden. In dieser Gruppe sieht man den Gekreuzigten überlebensgroß, unter ihm stehen Maria und Johannes. Die Gruppe stellt die Szene dar, da Christus die Worte zu Maria richtet: „Siehe, das ist dein Sohn” und an die Jünger: „Siehe, das ist deine Mutter”. Vor allen Resten alter Bildnerei erregen diese Holzplastiken durch ihre gute Erhaltung größtes Interesse. Nach Beurteilung Sachverständiger ist diese Holzplastik- Arbeit keinesfalls neumärkischer Herkunft. Verschiedene Anzeichen verraten eine sächsische Herkunft.
Der Ostchor war in früherer Zeit mit der Nordseite der Kirche von Kirchenbuden umstanden, die Ende des vorigen Jahrhunderts bis auf die noch verbliebene eine Bude abgerissen wurden.
Die Leitung der gesamten Umgestaltungsarbeiten liegt in den Händen von Professor Rüster. Die Arbeiten nehmen mehrere Monate in Anspruch. Der mittelalterliche Flügelaltar wird während der Umgestaltungsarbeiten von Professor Thol wiederhergestellt.