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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)


Das Kirchliche Leben in Landsberg
Von Pfarrer Jädicke- Landsberg  (Warthe).
Neumärkische Zeitung  15. Januar 1935

Vom Superintendurverwalter des Kirchenkreises Landsberg wurden der Neumärkischen Zeitung zum Beginn Ihres 115. Jahrganges folgende Ausführungen zur Verfügung gestellt:
Es sind vier große Pfarrsprengel außer der Landesanstalt, in die Landsberg gegliedert ist: St. Marien, Konkordien, Friedrichstadt, und die Luthergemeinde. In alter Zeit war die  ganze Stadt durch St. Marien zusammengefasst. Es ist ja auch die Marienkirche die älteste Kirche zu Landsberg. Im 14. Jahrhundert ist sie erbaut. Um 1500 wurde der Chor angebaut und 1821 - 1822 wurde die Kirche im Innern vollkommen neu instand gesetzt.
Im Jahre 1701 wurde in Landsberg eine reformierte Gemeinde gegründet, die eine eigene Kirche, die Konkordienkirche, erhielt. Die Reformierten der Stadt hatten bis dahin zu weiter entfernt liegenden reformierten Kirche gehört. Als reformierter Hilfsprediger hat von 1794 - 1796 auch Daniel Friedrich Ernst Schleiermacher an der Konkordienkirche gewirkt. Anlässlich seines 100jährigen Todestages im Februar 1934 haben wir in der "Neumärkischen Zeitung" ausführlich über ihn und seine Landsberger Zeit berichtet. Gleichzeitig mit der Gründung der reformierten Gemeinde wurde von St. Marien die Zantocher Vorstadt abgezweigt und daraus die lutherische Konkordiengemeinde gebildet. Die westliche Grenze war von der Warthe an die Gladow. Es ist bis heute so geblieben, dass die Gladow St. Marien und Konkordien voneinander abgrenzt.
Sowohl die neu entstandene reformierte wie die lutherische Gemeinde benutzten gemeinsam die Konkordienkirche. Doch haben sie, wie es der Name verlangte (Conkordia- Eintracht), nicht immer friedlich und einträchtig miteinander gelebt. Die Kirchenakten wissen von mancherlei Zank und kleinlichen Streit zu berichten. Im Jahre 1923 wurde die reformierte Konkordiengemeinde als Personalgemeinde aufgehoben. Gleichzeitig wurden die beiden Gemeinden zur heutigen Konkordiengemeinde vereinigt. Die Kirche, die wir heute vor uns sehen ist der dritte Bau und kommt aus den Jahren 1757/ 58. Die erste 1290 erbaute Kirche musste wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Die zweite brannte im Jahre 1708 vollständig nieder.  Der Geheime Finanzrat von Brenckenhoff, dessen Name durch die Wartheeindeichung bekannt ist, hat sich damals für den Neubau besonders eingesetzt. Seiner Fürsprache ist es zu danken, dass Friedrich der Große den Hauptteil der Kosten übernahm. Allerdings reichten die Mittel nicht mehr für einen Turm. Dieser ist erst 1862 mit Hilfe eines Legats von 7000 Talern der Gieselerschen Eheleute errichtet worden. Zum Gedächtnis an die Spender werden bis heute alljährlich am 25. März die Glocken der Konkordienkirche geläutet. Im Jahre 1911 wurde der Turm durch Blitzschlag vernichtet, doch bereits im folgenden Jahre wieder aufgebaut. In der Zeit, da Landsberg Militär hatte, diente die Konkordienkirche  auch als Garnisonkirche.
Zum Pfarrsprengel Friedrichstadt gehören die Kirchengemeinden Landsberg - Friedrichstadt und Wepritz. Hinzu kommt der in Wepritz eingekirchte Ort Glesen. Nachdem die Friedrichstadt entstanden war, galt sie ursprünglich als Filiale von Wepritz, während heute der umgekehrte Fall vorliegt. Der Archidiakonus und der Diakonus von St. Marien hatten Wepritz und demzufolge späterhin auch die Friedrichstadt mit zu versehen. Jeder von beiden hatte alle sechs Wochen in der Friedrichstadt zu predigen und das heilige Abendmahl auszuteilen. Der Gottesdienst fand in einem Bethaus statt, das 1904 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste. Ein neuer Betsaal wurde im ehemaligen Friedrichstädter Schulhaus eingerichtet. Für die Gemeinde, die im Jahre 1900 bis zur Schlachthofgasse erweitert wurde und zudem stark gewachsen ist, ist dieser Saal jedoch keineswegs ausreichend. Im Jahre 1915 wurde die Gemeinde Friedrichstadt mit dem Filiale Wepritz zusammen selbständige Gemeinde und erhielt einen eigenen Pfarrer.
Die Brückenvorstadt war anfänglich ein Seelsorgebezirk von St. Marien. Sie war dann von 1908 ab als selbständige Gemeinde pfarramtlich mit St. Marien verbunden, bis 1916 die Pfarrstelle der Brückenvorstadtgemeinde selbständig wurde. 1928 wurde der Name der Brückenvorstadtgemeinde in Luthergemeinde umgeändert. 1930 konnte die längst geplante eigene Kirche eingeweiht werden.
Eine eigene Kirche hat auch die Provinziallandesanstalt. Die Anstaltseelsorge lag anfänglich nebenamtlich in der Hand eines Pfarrers der Konkordienkirche. 1897 wurde von der Provinz ein hauptamtlicher Pfarrer angestellt. In letzter Zeit jedoch ist man wieder zur älteren Praxis zurückgekehrt. Es ist nicht mehr möglich und, nachdem die mit der Pfarrstelle ehemals verbundenen erzieherischen Aufgaben weggefallen sind, auch nicht notwendig, einen eigenen Pfarrer anzustellen. Seit dem Oktober d. Jahres hat ein Pfarrer der Luthergemeinde die Anstalt mit zu versehen. Im Jahre 1907 wurde die Landesanstalt selbständiger Pfarrsprengel.
Seit dem Jahre 1925 sind die Landsberger Pfarrsprengel außer der Landesanstalt zu einem Parochialverband zusammengeschlossen. Dieser Parochialverband hat neben anderen Aufgaben die kirchlichen Umlagen auszuschreiben und die einkommenden Gelder auf die einzelnen Gemeinden zu verteilen. Dadurch ist die Einheitlichkeit der Verwaltung und ist finanzielle Gleichstellung der vier Kirchengemeinden erreicht. Die Gemeinde mit steuerkräftigen Gliedern steht sich nun nicht besser als die arme Gemeinde. Es hat vielmehr die reichere Gemeinde für die ärmere mit einzutreten. Nicht die zufällige Steuerkraft ist also entscheidend, sondern es kommt auf die wirklichen Bedürfnisse an. Ohne den Parochialverband wäre auch der Bau der Lutherkirche nicht möglich gewesen. Von sich aus hätte die Lutherkirchengemeinde nie dies Werk beginnen können.
An Bauten aus der letzten Zeit sind außerdem die Friedhofkapelle von St. Marien und das Gemeindehaus in der Schlossstraße zu erwähnen. Mit seinen Büroräumen für die Stadtküsterei und die Kirchensteuerabteilung, mit seinen Sälen für Bibelstunden und sonstige kirchliche Veranstaltungen sowie seinen Vereinszimmern ist das Gemeindehaus für das kirchliche Leben unserer Stadt unentbehrlich geworden. Der Mangel an geeigneten kirchlichen Räumen ist in früherer Zeit oft schmerzlich spürbar geworden.
An Aufgaben für die Zukunft fehlt es nicht. Wenn es auch in nächster Zeit noch nicht möglich sein wird, den notwendigen Kirchbau in der Friedrichstadt in Angriff zu nehmen, so bleibt dieser Bau doch die vordringliche Forderung. Ein weiteres ist die Trockenlegung und gründliche Instandsetzung der St. Marienkirche, deren Innenraum wieder in der schönen alten Form entstehen soll. Auch vom künstlerischen Standpunkt aus gilt es, dies „Baudenkmal des Ostens" zu erhalten und zu pflegen.
Das kirchliche Leben in Landsberg ist, wie überhaupt im Osten, aufs Ganze gesehen, immer zufriedenstellend gewesen. Bei der großen Generalkirchenvisitation, die im Jahre 1928 nach 70jähriger Pause stattfand, ist das mehrfach zum Ausdruck gebracht und auch tatsächlich in Erscheinung getreten. Bemerkt sei noch, dass anlässlich der damaligen Blitzaktion eine Denkschrift für den ganzen Kirchenkreis erschienen ist, der die Geschichtlichen Notizen dieses Artikels im Wesentlichen entnommen sind.
Die Kirche ist in Landsberg alle Zeit mehr gewesen als nur ein Bau, an dem das wirkliche Leben vorüber brauste oder als Dekoration, die man nicht ganz entbehren wollte. Der tatsächliche kirchliche Kreis ist immer groß gewesen, und in mancherlei Vereinigungen und Veranstaltungen kam, wie man damals sagte, „blühendes kirchliches Leben" zum Ausdruck. Wir sehen heute freilich klarer als früher.