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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
 
Holzkirchen in der mittleren Grenzmark
Zum 300 jährigen Bestehen der Holzkirche in Klastawe.
Neumärkischen Zeitung   11. Oktober.1937

Die Holzkirchen sind eine Besonderheit der Grenzmark Posen - Westpreußen, ein Merkmal der östlichen Kurmark, das wenig bekannt ist. Sie sind Zeugen der ursprünglichen Bauweise unserer deutschen Vorfahren aus der Zeit des großen Waldreichtums und gehören neben den Burgen des deutschen Ordens zu den ältesten Bauwerken im Osten überhaupt. Erst als durch stärkere Besiedlung des Landes mit deutschen Bauern und Handwerkern der Wald dem Acker weichen mußte, ging man zu der Errichtung von Fachwerkkirchen über, bei denen aber auch das Holz noch stark bevorzugt wurde. Erst spät trat dann der Ziegelbau an die Stelle der dem Boden so eng verbundenen Holzbauten.
In der Nördlichen Grenzmark stammt die formschöne Holzkirche in Schloppe aus dem Jahre 1660, die Kirche in Klein Drensen (Netzekreis) vom Ende des 17., die von Neuhöfen vom Ende des 18. Jahrhunderts. Die westpreußischen Holzkirchen von Pollnitz, Bischofswalde und Krummensee (Kreis Schlochau) führt Provinzialkonservator Dr. Schmidt sogar bis in die Ordenszeit des 15. Jahrhunderts zurück. Besonders reich an Zeugen dieser Bauart unserer Vorfahren ist der Kreis Meseritz, in dem heute noch vier Holzkirchen die Bauweise früherer Jahrhunderte bekunden. Hier steht eine Holzkirche in dem Dorf Kuschten bei Neu Bentschen, die urkundlich bereits im Jahre 1406 erwähnt wird. Sie ist die älteste Holzkirche im Kreise Meseritz, vielleicht in der Ostmark überhaupt. Die zweitälteste Holzkirche des Kreises steht in dem Dorf Bauchwitz, die, wie eine eingeschnittene Jahreszahl beweist, im Jahre 1550 errichtet wurde. Sie zeigt am reinsten den Holzbau, bestehen doch die Wände aus schweren, waagerecht geschichteten Balken. Ihr sehr ähnlich und wahrscheinlich mit ihr zu gleicher Zeit erbaut ist die Holzkirche in dem benachbarten Lagowitz. Die schönste Holzkirche aber ist die in dem Dorf Klastawe, die am 26. September ihr 300 jähriges Bestehen feierte. Sie ist nach dem Urteil von Sachverständigen eine der schönsten Holzkirchen überhaupt, die es in es in Deutschland noch gibt. Mitten in den Stürmen des Dreißigjährigen Krieges wurde sie erbaut. Zwei Jahre vorher 1635, war die alte Holzkirche einer Brandstiftung zum Opfer gefallen. Der Erbauer der jetzt 300 Jahre alten Holzkirche war der damalige Besitzer von Klastawe, Nadislaus Mießtschek von Wischkars, Glied eines alten deutsch- böhmischen Adelsgeschlechtes, der Oberst im Heere Gustav Adolfs von Schweden war. Noch heute leben direkte Nachkommen des Erbauers der Kirche in Schlesien. Die Kirche, die im Innersten erst im Jahre 1680 völlig fertiggestellt zu sein scheint, ist ganz aus Holz gebaut und mit den früher landesüblichen Holzschindeln gedeckt. Das Innere ist ein Denkmal alter Handwerkskunst und dörflichen Volkstums, wie es in dieser Reinheit nicht allzu oft erhalten ist. Eine kunstvoll geschnitzte eichene Mittelsäule mit vier Kopfbändern stützt einen Unterzug, der die Balken des sichtbaren Dachstuhls trägt. Der ganze Raum ist mit lichten Temperamalereien geschmückt. Jedes Stück der Ausstattung ist ein Zeugnis guten handwerklichen Könnens. Eines der Bilder zeigt Spuren von Säbelhieben aus dem Dreißigjährigen Krieg. Ein kulturhistorisches besonders wertvolles Stück besitzt die Kirche in einer Holzarbeit, das einzige Stück, das aus der brennenden Kirche 1635 gerettet wurde. Es ist die sagenhafte " Johannesschale", die den Kopf des Täufers zeigt. Wenn auch das Alter der Schale nicht genau feststellbar ist, so läßt doch ein Vergleich mit einer ähnlichen Schale, die im Naumburger Dom hängt und von 1225 stammt, einen gewissen Schluß auf das Alter zu. 
Wenn nun diese Holzkirche in diesen Wochen ihr 300 jähriges Jubiläum feiert, so möge diese Feier über die Gemeindegrenzen hinaus Anregung gegeben haben, in den Holzkirchen der Grenzmark Zeugen deutscher Kultur im Posener Lande zu erblicken und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung als Geschichtsdenkmäler recht zu würdigen.