Aus der Geschichte der Gurkower Kirche.
Zum Ortsjubiläum.
Neumärkische Zeitung 12. Dezember 1926
Auf dem Platz mitten im Dorfe erhebt sich heute unser Gotteshaus, das mit seinem schlanken Turm weit ins Netzebruch hinausschaut. Ursprünglich hat an dieser Stelle auch einst vor vielen Jahrhunderten das erste einfache Kirchlein gestanden, in dem unsere Vorfahren vor Gottes Angesicht traten, um ihm zu danken oder ihn anzurufen, in den schweren Zeiten der Kriegs- und Wassersnöte. Im Schutze des alten Gebäudes bestatten sie auch ihre Toten zur letzten Ruhe. Nur spärlich sind die Nachrichten über diese Kirche bis auf die Jetztzeit erhalten geblieben. Bis ins zwölfte Jahrhundert ist unser Dorf heidnisch gewesen. Nach einer alten Sage war auf dem Lindenwerder, östlich des Ortes ein Tempel des Czernebog, und in der Nähe der heutigen Gemeinde Steinhöfel, auf dem Sandwerder, wurde der Sonnengott Swantewit in einem heiligen Haine verehrt. Das Christentum fand erst Eingang in unsere Gegend und gewiß auch in das damalige arme Fischerdorf „Gorka“. als die ersten deutschen Kolonisten um 1270 in die östliche Neumark kamen. Als Gurkow zu Anfang des 14. Jahrhunderts der Stadt Friedeberg zugeteilt wurde, war es eine Filiale (Nebengemeinde) der Pfarrkirche in Altenfließ. Im Jahre 1553 führte der Rat der Stadt Friedeberg die Reformation ein. Und es ist gewiß, daß sie auch zu dieser Zeit in den Ratsdörfern, zu denen auch unser Dorf gehörte, ihren Einzug gehalten hat. In der damaligen Zeit war aber Mangel an evangelischen Predigern. Daher versahen anfangs böhmische Brüder, die in Krakau ihre Ordination empfangen hatten, das Pfarramt. In Gurkow hieß der letzte derselben Matthias Speratus. In dem Verzeichnis der Gurkower Prediger wurde aber sein Name nicht aufgenommen, da er ein Anhänger Calvins war. Im Jahre 1630 wurde Gurkow Pfarramt. Nur spärliche Kunde liegt aus dieser Zeit über die Lage des Gotteshauses, der Pfarre und dem kirchlichen Leben vor. Es existierte nur seit 1749 ein lückenhaftes Kirchenbuch. Und erst von 1770 an ist ein zusammenhängendes vorhanden. Während der Zeit der Hussitenkriege (1419 bis 1436) und des schrecklichen dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648), die beide auch die Neumark furchtbar heimsuchten, ist unser Dorf sicherlich nicht verschont geblieben. Es wird berichtet, daß es einst an einem Weihnachts- Heiligabend im dreißigjährigen Kriege vollständig in Flammen aufging. Durch die brandschatzenden Horden wird damals auch mancher Einwohner sein Leben eingebüßt haben. Im Jahre 1767 war Neugurkowschbruch schon zweite Filiale. 1778 wurde Zanzbruch, 1791 Birkbruch und Steinhöfel eingepfarrt. Anfänglich lag die Kirche des Dorfes auf einem Werder mitten im Orte (heutiger Kirchplatz). In ihrer Nähe stand zu der Zeit auch das Pfarrhaus. Als im Jahre 1686 aber das Gotteshaus samt der Pfarre in Flammen aufging, beschloß man, beide Gebäude nicht mehr im Dorfe, sondern außerhalb zu errichten, damit bei den damals häufigen Bränden sie nicht jedes Mal vernichtet wurden. Die zur Pfarre gehörenden Gemeinden, zu denen außer den schon vorher genannten, auch Altenfließ gehörte, hatten bei einem Neubau alle Fuhren und auch andere Dienste zu leisten. Die Altfließer weigerten sich 1686 Spanndienste zu tun, wenn die Kirche wieder im Dorfe errichtet würde. Deshalb erbaute man sie auf dem heutigen „Alten Friedhof“. Sie bestand nur aus Holz und war mit Stroh gedeckt. Sie war mit keinem Turm geschmückt; keine Glocke rief die Einwohner damals zum Gottesdienst. Wollte man aber doch einmal den Klang eines Glöckleins an einem Feiertage ertönen lassen, so lieh sich der Küster bittweise“ das der politischen Gemeinde, mit dem man die Bewohner zusammenrief, wenn der „wohlweise Rat“ der Stadt Friedeberg mit ihnen zu reden hatte. Auch das Inventar dieser alten Kirche war recht ärmlich.